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Tunesien

Tristesse im Mutterland des Arabischen Frühlings

Immer öfter kommen aus Tunesien Berichte über Unruhen - die hoffnungslose wirtschaftliche Lage treibt die Menschen in dem nordafrikanischen Staat auf die Straßen. Die politischen Frühlingsgefühle sind längst verflogen.

Demonstranten attackieren Sicherheitskräfte in der Stadt Ben Guerdane (Foto: Getty Images/AFP/F. Nasri)

Demonstranten attackieren Sicherheitskräfte in der Stadt Ben Guerdane

In der tunesischen Stadt Meknassi ist es nach zunächst friedlichen Demonstrationen zu Ausschreitungen gekommen. Überwiegend junge Erwachsene setzten in der Nacht zum Freitag Autoreifen in Brand und riegelten mehrere Straßenzüge ab, wie lokale Medien berichteten und Fotos zeigen. Zuvor waren rund 4000 Menschen während eines Generalstreiks auf die Straßen gegangen, um für mehr Arbeitsplätze zu demonstrieren. Meknassi liegt in der Provinz Sidi Bouzid, in der vor sechs Jahren der sogenannte Arabische Frühling seinen Ursprung genommen hatte.

Für freien Warenverkehr mit Libyen 

Zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam es auch in der südlich gelegenen Stadt Ben Guerdane. Hier lieferten sich Polizisten und hunderte junge Erwachsene Straßenschlachten. Die Demonstranten bewarfen die Beamten mit Steinen und Brandbomben, die Polizei antwortete mit dem Einsatz von Tränengas. Einwohner berichteten, dass viele Behörden und Geschäfte in Ben Guerdane wegen der Unruhen geschlossen hätten. Auch hier wurden vor allem der Mangel an Arbeitsplätzen und die allgemein schlechte wirtschaftliche Lage kritisiert.

Bereits am Mittwoch hatten Demonstranten die Straße zwischen Ben Guerdane und dem tunesisch-libyschen Grenzübergang Ras Jedir blockiert und einen freien Warenverkehr mit dem östlichen Nachbarland gefordert. Nach Meldungen der staatlichen Nachrichtenagentur TAP schickte der tunesische Ministerpräsident Youssef Chahed inzwischen eine Delegation nach Ben Guerdane, um mit Vertretern der Demonstranten zu sprechen.   

Sechster Jahrestag des Beginns des Arabischen Frühlings 

Tunesien begeht an diesem Wochenende die Feierlichkeiten zum sechsten Jahrestag der Revolution. Der langjährige Herrscher Zine el Abidine Ben Ali hatte am 14. Januar 2011 nach mehrwöchigen Protesten das Land verlassen und den Weg freigemacht für einen politischen Wandel in dem nordafrikanischen Land. Tunesien gilt als das Mutterland des Arabischen Frühlings, das als einziges den Übergang zu einer parlamentarischen Demokratie geschafft hat. Allerdings kämpft das Land weiter mit wirtschaftlichen Problemen und einer hohen Jugendarbeitslosigkeit.

sti/kle (dpa, rtr)

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