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Kultur

Tristesse auf schwedisch

Grau- und Schwarztöne sind die dominierenden Farben im neuen Film des Schweden Lukas Moodysson: "Lilja 4-ever" ist eine düstere Teenager-Geschichte, die den Zuschauer fordert.

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"Mein Herz brennt" schreit die deutsche Band Rammstein zur Eröffnung und mit dem gleichen Satz schließt Anthony Lane im "New Yorker" seine Besprechung des Films "Lilja 4-ever".

In zwei Stunden erzählt Moodysson die Geschichte der 16-jährigen Lilja. Mit Erzählungen vom Erwachsenwerden, wie man sie aus den amerikanischen Slacker-Filmen oder dem deutschen Kino kennt, hat "Lilja 4-ever" nichts gemein.

Nur weg von hier

Lilja wohnt mit ihrer Mutter irgendwo in der ehemaligen Sowjetunion. Das Leben der Menschen ist geprägt von dem Wunsch zu entkommen. Liljas Mutter lernt einen Exil-Russen aus den USA kennen und entflieht der verwahrlosten Plattenbauruine. Ihr Versprechen, Lilja später abzuholen, löst sie natürlich nie ein. Das Mädchen bleibt im Nichts zurück, ohne Geld, ohne Job, ohne Hoffnung.

Filmszene Lilja 4-ever

Abreise der Mutter

Schließlich verspricht ihr ein netter flüchtiger Bekannter einen Job in Schweden, das ein Paradies zu sein scheint. Um das Angebot anzunehmen, lässt nun Lilja selbst den zwei Jahre jüngeren Wolodja zurück, der in sie hoffnungslos verliebt ist und ihr selbst wie ein kleiner Bruder ans Herz gewachsen ist. Und dann, nach mehr als einer Stunde des Films, bekommt man eine Ahnung, worauf Moodysson eigentlich hinaus wollte: Schweden offenbart Lilja das gleiche Elend wie ihr trostloses Zuhause – selbst äußerlich ähnelt sich die Gegend, nur das im Westen die Fassaden natürlich gepflegter sind.

Mildtätigkeit Gottes

"Eigentlich sollte es ein Film über die Mildtätigkeit Gottes werden, doch dann nahm die Realität ihren Lauf und er wurde etwas ganz Anderes", sagt Moodysson über seinen Film. Die deutsche Fassung ist komplett synchronisiert, im Original sprachen die Schauspieler Russisch. "Ich kann nicht garantieren, dass sie sich an den Text hielten", sagt der Regisseur, der selbst nur einige Worte Russisch kann. Aber nachdem der erste Drehtag mit vorgeschriebenen Dialogen enttäuschend verlief, habe er sie einfach frei reden lassen. "Es war das komplette Chaos – und dann habe ich beschlossen, das Chaos walten zu lassen."

Mit Erfolg: "Lilja 4-ever" wurde 2002 in den Kategorien Bester Film und Beste Schauspielerin für den Europäischen

Filmszene Lilja 4-ever

Lilja und Wolodja

Filmpreis nominiert. Ein düsterer, harter Film, der den Zuschauer fordert. "Ich möchte Lilja4-ever noch einmal sehen, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich es aushalten würde", lautet das Fazit des Filmkritikers Lane im "New Yorker". (mik)