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Kultur

Tripclubbing – eine neue Konzertform

Bei dem Projekt der Kölner Philharmonie trifft Klassik auf viele andere Musik-Stile. Vor allem junge Leute begeistern sich für die individuellen Crossover-Ereignisse in Lounge-Atmosphäre.

Alter Wartesaal, Köln, Deutschland (Foto: co-by-sa Stefan Flöper)

"Alter Wartesaal" Köln

Der Alte Wartesaal in Köln, Club, Discothek, Restaurant und als Kultstätte weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt, ist Veranstaltungsort für eine neue Konzertreihe, die die Kölner Philharmonie zusammen mit der Musikhochschule und dem Netzwerk Neue Musik veranstaltet. Tripclubbing ist eine Konzertform, die nicht die üblichen Besucher der Philharmonie anspricht, sondern die Altersgruppe von 18 bis 30 Jahren. Louwrens Langevoort, der Intendant der Kölner Philharmonie, erklärt: "Wir haben einen Ort gesucht, wo dieses Publikum normalerweise hingeht, und da wollen wir eine Musik spielen, die sehr traditionell sein kann, aber auch außergewöhnlich und alles, was dazwischen ist. Und das ist sehr viel."

"Eine Konzertinstallation könnte man es nennen "

Neue Musik im alten Saal(Foto: LMR NRW)

Neue Musik im alten Saal

Im schummrigen Licht ist ein Cello zu erkennen, das von der Decke hängt, zwei Leinwände stehen sich gegenüber, auf der einen Seite sitzt regungslos eine Frau, auf der anderen Seite dominiert ein großes Mischpult, von dem aus offensichtlich das Geschehen gelenkt wird. In dem Saal, der rund 300 Personen fasst, sind sieben Stühle für das Publikum verteilt. Eine Stunde Musik ist angekündigt, und zwar Elektronische Musik aus Frankreich. Schnell füllt sich der Raum, provisorische Sitzkissen werden aus den Ecken geholt, wer keins mehr findet, sitzt eben auf dem Boden.

Videos zum Thema "musique concrète" sind angesagt, der Musikrichtung aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in der Geräusche aus der Technik in die Musik einbezogen wurden. Studierende der Musikhochschule Köln haben sich mit Arthur Honeggers Orchesterstück "Pacific 231" beschäftigt, in dem Honegger die Geräusche einer Dampflokomotive eins zu eins in Musik umgesetzt hat, die Klänge elektronisch weiter entwickelt und ihnen visuelle Elemente hinzugefügt: Videos, eine Schauspielerin oder einen Tänzer.

"Man muss nicht still sein"

Louwrens Langevoort, Intendant der Kölner Philharmonie (Foto: picture alliance/ dpa)

Louwrens Langevoort

Für alle, die etwas anderes suchen als Disco oder klassische Konzerte, bietet Tripclubbing ein weites Spektrum. Ganz gleich ob Klassik, Rock, Pop oder Elektro, die Performance macht’s. Die Bar in der Ecke des Wartesaals kann jederzeit besucht werden, man wandert von Bühne zu Bühne, kann sich unterhalten. Eine Idee, die ankommt. Jugendliche, aber auch ältere Besucher sind dabei, Touristen, die zufällig vorbeikommen, schauen rein. Trotzdem hört das Publikum konzentriert zu. Louwrens Langevoort versteht das als Lob für die Musiker.

"Offensichtlich strahlt diese Musik doch etwas aus, was dazu zwingt, dass man sich nicht unterhält. Aber die Bewegung, die die ganze Zeit im Publikum ist, ist wunderschön. Das hat man natürlich nicht in der Philharmonie."

"Unser Rohstoff steckt in den Köpfen"

Das Logo der Initiative Deutschland - Land der Ideen (Foto: Peer Grimm/ dpa)

Wettbewerbslogo

Das Projekt "Tripclubbing" hat etwas zu feiern. Der Innovationswettbewerb "365 Orte im Land der Ideen", initiiert vom Bundespräsidenten und der Deutschen Bank, hat auch dieses Konzertprojekt ausgezeichnet. Louwrens Langevoort freut sich über die Anerkennung: "Jeder Tag hat ein Projekt, das ausgewählt wird als etwas Innovatives in irgendeinem Bereich. Das muss nicht Kultur sein. Es kann genauso gut Wissenschaft oder etwas anderes sein, das etwas Neues bietet, wo andere anknüpfen und mitmachen können als etwas, was es noch nicht gegeben hat und was sicherlich Nachfolge verdient."

Erschienen ist zur Preisübergabe Jürgen Fitschen vom Vorstand der Deutschen Bank. "Wachstum und Fortschritt sind eng mit Ideen und Innovationen verknüpft, dies gilt besonders für Deutschland. Unser Rohstoff steckt in den Köpfen der Menschen."

Autorin: Gudrun Stegen

Redaktion: Conny Paul