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Wirtschaft

Trinkwasserversorgung bleibt ein Problem

Eine Umfrage der Universität Witten/Herdecke bei Führungskräften von Wasserversorgern in den Entwicklungsländern kommt zu dem überraschenden Ergebnis: Es fehlt nicht etwa an Geld, sondern an Fachwissen.

Wasserhahn mit fließendem Wasser (Foto: Bilderbox)

Verliert schnell Qualität bei unsachgemäßer Aufbereitung: sauberes Trinkwasser

Dipl.-Volkswirt Michael Harbach Institut für Umwelttechnik und Management an der Universität Witten/Herdecke (Foto: Uni Witten)

Michael Harbach: "Es fehlt am Know How vor Ort."

In vielen Entwicklungsländern stellt die Versorgung mit sauberem Trinkwasser nach wie vor ein Problem dar. Allerdings resultieren diese Probleme nicht aus einem Mangel an Geld, sondern es fehlt an Fachwissen. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Umwelttechnik und Management an der Universität Witten/Herdecke nach der Auswertung einer Umfrage unter 150 Führungskräften großer staatlicher Wasserbetriebe aus Afrika, Asien, Europa, Ozeanien und Lateinamerika. Diese Betriebe zeichnen immerhin für die Versorgung von 22 Millionen Menschen verantwortlich.

Bislang, resümiert Diplom-Volkswirt Michael Harbach, sei man davon ausgegangen, dass es an finanziellen Mitteln fehle, um die Versorgung oder Entsorgung zu verbessern. Aber nach den offenen Antworten der Wasserwirtschafts-Führungskräfte aus den Entwicklungsländern stellt er fest: "Unsere Erfahrung ist, dass es in der Regel am know-how der Mitarbeiter vor Ort mangelt."

Kein nachhaltiges Wissen

Eine Kläranlage in Algerien (Foto: Uni Witten)

Versagt schnell, wenn sie nicht fachgerecht gewartet wird: Kläranlage in Algerien

Und das gilt, so Michael Herbach, nicht unbedingt für die Management-Ebene bei den Wasserversorgern, sondern insbesondere für das Personal, das mit der Wartung der Anlagen betraut ist. "Es fehlt in der Regel an Erfahrung, aber auch an spezifischem Wissen, das nur von vereinzelten Personen vorhanden ist und nicht tief in das Unternehmen hineingeht."

Und wenn dieses Fachwissen unternehmensintern nicht nachhaltig vermittelt werde, dann könne die Qualität des Wassers bei der Versorgung nach den Worten Harbachs sprichwörtlich "den Bach hinuntergehen." Mitarbeiter des Instituts der Universität Witten/Herdecke sind auf dem Wasser- und Abwassersektor weltweit beratend tätig. Zum Beispiel in Südostasien, im Mittleren und Nahen Osten sowie in Südafrika. In Namibia etwa geht es um Lösungen bei der Klärung von Industrieabwässern.

Es gibt sowieso eine neue Pumpe

Kläranlage in Südafrika (Foto: Uni Witten)

Wenn die Pumpe versagt, gibt's eine neue: Kläranlage in Südafrika

Zur ausreichenden Versorgung mit sauberem Trinkwasser rücken Weiterbildungsmaßnahmen für das Personal, und zwar vor Ort, auch für die befragten Manager der staatlichen Wasserversorger zunehmend in den Mittelpunkt. Nach Überzeugung von Michael Harbach gibt es genug Geld aus Förderprogrammen der Entwicklungshilfe, so dass Mitarbeiter der Versorgungsunternehmen etwa der Wartung von Pumpen nicht genügend Bedeutung zumessen. Oft herrsche die Einstellung vor: Wenn die Pumpe nicht funktioniert, dann gibt es demnächst eine neue. Deshalb zieht Harbach aus der Umfrage die Schlussfolgerung: "Es muss ein Wandel stattfinden, dass die Leute qualifiziert ausgebildet werden."

Schließlich, wissen die Wittener Wasser-Experten, kann es schon zu Verunreinigungen des gelieferten Trinkwassers kommen, wenn zu wenig durch die Leitungen fließt. Mancherorts versickern bis zu 50 Prozent des eingespeisten Wassers in den Boden.

Abwanderung und Konferenz-Tourismus

Eine Coca Cola Abfüllanlage (Foto: AP)

Gute Wasserfachleute wandern ab - zum Beispiel zu Coca Cola

Hinzu kommt ein weiteres Problem. Gut ausgebildete und engagierte Wasserfachleute in den öffentlichen Versorgungsunternehmen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas wandern in die Privatwirtschaft ab, da sie dort ein Mehrfaches ihres bisherigen Gehaltes verdienen können. Etwa bei Chemieunternehmen, da diese auch ihre Wasserversorgung und -entsorgung sicherstellen müssen. Und, wie Michael Harbach ergänzt, "dann natürlich auch zu den Getränkeherstellern Coca, Nestle oder den großen Brauereien."

Von Geberländern finanzierte Fachtagungen tragen nach Einschätzung des Diplom-Volkswirtes der Universität Witten/Herdecke von Michael Harbach übrigens nicht zur Versorgungsverbesserung in den jeweiligen Regionen bei. Vielmehr habe sich inzwischen ein uneffizienter Konferenz-Tourismus entwickelt. Denn: "Es findet kein wirklicher Wissenstransfer statt, da an solchen Konferenzen meistens die Vorstandsvorsitzenden der Unternehmen oder Ministeriumsmitarbeiter teilnehmen."

Lösungsansatz: Water-Franchise

Nach der Auswertung der Umfrage betrachtet ein Großteil der Führungskräfte eine Kooperation mit der Privatwirtschaft als einen gangbaren Weg, um Engpässe bei der Versorgung zu vermeiden. Und zwar bevorzugt mit lokalen privaten Unternehmen, die über das nötige Know-how verfügen. Ein Ergebnis, das die Autoren der Studie insofern als bemerkenswert bezeichnen, da sogenannte Global Player den Weltmarkt für Wasserdienstleistungen dominieren. Mit anderen Worten: die Bedarfsanalyse widerspricht diametral den wirtschaftlichen Realitäten.

Deshalb empfehlen die Wittener Umweltfachleute den Wasserversorgern neue, lokal verankerte Managementmodelle wie Water Franchise. In dem Fall könnten internationale Player als Know-how-Träger ebenso profitieren wie die lokalen öffentlichen Wasserversorger. Ein Modell, das den Franchise-Nehmern finanzielle Anreize bietet. Dabei gilt die Faustformel: Je erfolgreicher sie das zur Verfügung gestellte Know-how umsetzen, desto mehr Geld können auch die öffentlichen Versorgungsunternehmen in den Entwicklungsländern verdienen.

Autor: Klaus Deuse

Redaktion: Rolf Wenkel

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