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Kultur

Trinkerroman "Das verlorene Wochenende"

Eine Trinkerballade von Charles Jackson: "Das verlorene Wochenende" erzählt vom Alkoholismus und vom Niedergang eines Autors. Ein Roman, den Thomas Mann einst schätzte, und der nun nach 70 Jahren wieder zu entdecken ist.

Charles Jackson nimmt in seinem Roman über einen Trinker kein Blatt vor den Mund. Die fünftägige Odyssee seines literarischen Helden Don Birnam dringt schonungslos in die Psyche eines Alkoholikers ein. Doch das Buch bietet keinesfalls nur triste Lektüre, dafür ist es literarisch zu ausgefeilt, zu dicht geschrieben, als dass man die Lust am Lesen verlieren würde. Vielleicht wartet man mit dem Lesen besser auf hellere Jahreszeiten.

Kunst & Leben

Der Autor des Buches Charles Jackson hat sich Zeit seines Lebens dagegen gewehrt, den Roman ausschließlich autobiografisch zu interpretieren. Darauf weist Rainer Moritz im Nachwort der deutschen Ausgabe hin. Allenfalls zu einem Drittel sei das Geschriebene selbst erlebt - alles Andere sei dichterische Kunst, so Jackson in späteren Jahren.

Lange vergriffen

"Das verlorene Wochenende" erschien in den Vereinigten Staaten 1944, wurde zu einem großen Erfolg und in 15 Sprachen übersetzt. Im deutschsprachigen Raum erschien es 1946 zunächst bei einem Schweizer Verlag. Später war das Buch Jahrzehnte vergriffen. Nun also hat der in Zürich beheimatete Dörlemann Verlag, der sich in den letzten Jahren erfolgreich um vergessene Klassiker der Moderne bemüht hat, den Roman neu übersetzen lassen und in einer schönen Ausgabe auf den Markt gebracht.

Verfilmung brachte kein Glück

"Das verlorene Wochenende" sollte der einzige große Bucherfolg für seinen Autor bleiben. Schon die Verfilmung knapp zwei Jahre später durch Billy Wilder brachte Jackson kein Glück. Zwar konnte er sich anfangs über die große Aufmerksamkeit durch die Hollywood-Verfilmung freuen - doch übertrumpfte der Erfolg des Films mit fortschreitender Zeit den des Buches. Der Name des Autors verschwand hinter Wilders Film. Zudem gefiel Charles Jackson damals nicht, wie Billy Wilder und sein Co-Autor Charles Brackett mit dem Roman-Ende umgegangenen waren. Das Buch entlässt den Leser in pessimistischerer und wohl auch realistischerer Stimmung als die Kinoadaption.

Vom Niedergang eines Trinkers

Im Roman erfährt man in allen Einzelheiten, wie es einem Trinker ergeht. Täuschung und Selbsttäuschung, Lügen und Ausflüchte, all das beherrscht der Protagonist Don Birnman bis zur Perfektion - mit dem immer gleichen Ziel: an ein neues Glas Alkohol zu kommen. Man merkt dem Buch natürlich an, dass Jackson beim Schreiben auf eigene Erfahrungen zurückgreifen konnte. Analytisch beschreibt er die Aufs und Abs eines passionierten Trinkers. Ausdenken kann man sich das kaum - zumindest nicht in all den psychologischen Feinheiten.

Deutschland Literatur Geschichte Thomas Mann am Schreibtisch (Foto: ullstein Bild)

Schätzte den Schriftsteller Charles Jackson und dessen Roman "Das verlorene Wochenende"

Ausgerechnet "Das verlorene Wochenende" sei der einzige Roman gewesen, den er in nüchternem Zustand zu Papier gebracht habe, bekannte Jackson später. Seine folgenden Bücher brachten ihm kaum noch Glück. Daran konnte auch die Anerkennung durch Thomas Mann, mit dem er lange in Briefkontakt stand, nichts ändern. Der deutsche Nobelpreisträger schätzte "Das verlorene Wochenende" außerordentlich, Jackson wiederrum war ein großer Bewunderer des "Zauberbergs".

Seiner Alkoholsucht wurde Charles Jackson nicht mehr Herr. 1968 nahm er sich das Leben.

Charles Jackson: "Das verlorene Wochenende", neu übersetzt von Bettina Abarbanell, mit einem Nachwort von Rainer Moritz, Dörlemann Verlag Zürich 2014, 352 Seiten, ISBN 978-3-908778-44-8.

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