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Kölsch

Trinken, reden, feiern

Karneval, Christopher Street Day, Halloween – Kölner feiern gerne. Der Anlass ist unwichtig, solange es ein oder zwei Kölsch gibt. Die Autorin Elfi Steickmann ist das ganze Jahr auf der Suche nach Nachwuchs für die Bütt.

Noch sitzt Elfi Steickmann ganz ruhig auf ihrem Stuhl. Schließlich ist es noch nicht soweit. "Sobald aber dä Trumm oder irgendeine Musik angeht, dann ston ich op’m Stohl. Dat is wie ne Lampe, die angeht", sagt die Mundart-Autorin. Elfi Steickmann ist ein echtes kölsches Mädsche, wie man im Rheinland sagt. Kaum sind die Karnevalstage zu Ende, startet sie schon in die neue Session. Ihr Auftrag: Nachwuchs suchen. Gute kölsche Redner für die Bütt, das Rednerpult des Karnevalisten, sind schwer zu finden.

der mittelalterliche Alter Markt in Köln

Rheinischer Frohsinn
Kaum ein Rheinländer möchte sich auf den Karneval reduzieren lassen. Aber Karneval ist doch eine rheinische Herzensangelegenheit – nicht nur für Elfi Steickmann. Und Herzensangelegenheiten brauchen Platz. "Ganz typisch für den Rheinländer ist eben die Lust am Feiern", sagt Fritz Langensiepen, Leiter des Amts für rheinische Landeskunde. Ob Christopher Street Day oder Köln-Marathon, der Rheinländer sei dankbar, wenn er inmitten einer Menschenmenge am Straßenrand stehen dürfe.

Halloween-Partys hätten sich im Rheinland fast wie ein Lauffeuer ausgebreitet. Nur die hässliche Fratze der Kürbismaske wurde durch ein freundlicheres Grinsen ersetzt. Ein Lachen passt besser ins Rheinland, findet Langensiepen.

Parade zum Christopher Street Day in Köln

Das sieht Elfi Steickmann genauso: "Ich glaube, wir haben hier schon eine bestimmte Herzlichkeit und Wärme, die wir auch Fremden gegenüber zeigen." Mit "wir" meint Steickmann die Kölner und "fremd" bezieht sie auch auf einen Düsseldorfer oder einen Bayern. "Man nimmt sich hier tatsächlich schnell in de Ärm und sagt: 'Drink doch eine met'." Und schon sei man mittendrin und gehöre dazu. Allerdings: Freundschaften fürs Leben dürfe man nicht sofort erwarten. Das braucht auch im Rheinland seine Zeit.

Römisches Mosaik im Römisch-Germanischen Museum in Köln

Schweigen kann tödlich sein
Böse Zungen behaupten, dass der Rheinländer nur deshalb gerne ein Bad in der Menge nimmt, um zu monologisieren, nicht um sich zu unterhalten. Zumindest ist der Rheinländer nicht mundfaul. Zuhören fällt ihm da schon schwerer, behauptet der Kabarettist Konrad Beikircher in seinem Buch Et kütt wie’t kütt: "Nach zehn Minuten Schweigen kommt es beim Rheinländer zu dramatischen Veränderungen: Pupillenerweiterung, Schweißausbruch, Atemstillstand, Tod."

Irgendwann aber findet der Rheinländer sein Stichwort und dann es hä am verzälle un verzälle. Er redet ununterbrochen, notfalls bis zum Abschied. Aber selbst der kann dauern: "Ein Kölscher sagt ja hundertmal tschüss", lacht Steickmann. In diesem und in Beikirchers Sinne: Also dann, ne, tschöö, jo, ne, weiß Bescheid, maach et jot, tschöö, ne, is klar...

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