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Filme

Tricks für die Leinwand

Digital, aber auch handgemacht - 1000 Filme in 6 Tagen. Das renommierte Trickfilmfestival in Stuttgart zeigt alles: Kurzfilme vom Nachwuchs und professionelle Langfilme für den globalen Weltmarkt.

Als Kind sei sie immer fasziniert gewesen, wie den Figuren im Zeichentrickfilm bei Walt Disney Leben eingehaucht worden sei. Sie habe davon geträumt so etwas auch einmal zu machen, sagt Julia Reck. Die Studentin der Filmakademie Ludwigsburg ist überaus präsent bei der 19. Ausgabe des Trickfilmfestivals Stuttgart. Julia Reck hat den offiziellen Festival-Trailer gedreht und wohl kein anderer Film unter den rund 1000, die in diesen Tagen auf den zahlreichen Leinwänden zu sehen sind, wird so oft gezeigt wie ihr "Hai Hase".

Einer von 1000…

Gemeinsam mit Florian Greth habe sie die Idee gehabt Tattoo-Figuren auf der menschlichen Haut in Szene zu setzen. Der Festivaltrailer erzählt die Geschichte von einem Hai und einem Hase, die um die Gunst eines schönen Pin-up-Girls kämpfen. Kaum 60 Sekunden dauert der Film, inklusive Happy End. Damit gehört "Hai Hase" zwar zu den kürzeren Trickfilmen in Stuttgart, ist bei weitem aber nicht der kürzeste. Wie auch, bei 1000 Filmen, die in sechs Tagen gezeigt werden? Der Trickfilm ist ein wichtiges Experimentierfeld des Nachwuchses. Aber nicht nur das. Schließlich wird ein großer Teil des weltweiten Kino-Umsatzes mit Trickfilmen gemacht. Die großen Blockbuster wie die der "Ice Age"-Serie sind wahre Geldmaschinen. Auch das ist ein Teil der Stuttgarter Veranstaltung.

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"Hai Hase" - der Festivaltrailer

Seit 30 Jahren gibt es nun schon das "Festival of Animated Film", den zweijährigen Rhythmus hat man längst hinter sich gelassen, Trickfilme sind spätestens seit der digitalen Revolution "in" - nicht nur im Kino. Die Internetrevolution hat dazu geführt, dass Trickfilme heute überall präsent sind: im Netz und auf dem Handy, überall abrufbar, in jeder nur denkbaren Länge. Das will das Stuttgarter Festival abbilden. Eine Mammutaufgabe - die vielen tausend Film-Einreichungen aus aller Welt sind ein Beleg dafür. Was Cannes und die Berlinale für den "normalen" Kinofilm sind, das sind Stuttgart und das französische Annecy für den Trickfilm, sagt Ulrich Wegenast, seit einigen Jahren künstlerischer Leiter des Festivals.

Mittelpunkt der Trickfilmwelt

Wobei Stuttgart, was den Zuschauerzuspruch betrifft, die mit Abstand größte Veranstaltung ist. Die Baden-Württembergische Metropole verwandelt sich jedes Jahr im Mai für ein paar Tage zum Mittelpunkt der Trickfilmwelt. Das ist überall sichtbar in der Stadt. Auf dem Schlossplatz im Zentrum ist eine riesige Leinwand aufgebaut, auf der fast ununterbrochen Filme laufen. Parallel zum Festival findet der international besetzte FMX-Kongreß (Conference on Animation, Effects, Games and Transmedia) statt. FMX steht für Special Effects, und darauf kommt es schließlich an beim Trickfilm. Bei den vielen Vorträgen lauschen hunderte von meist jungen Nachwuchstalenten den Gurus aus Hollywood, wenn sie von den Fortschritten der digitalen Trick-Welt berichten.

Szene aus Liebe und Computer - Julius und Julia von Bruno Böttge (Foto: Internationales Trickfilm-Festival Stuttgart)

Einfach und doch komplex: der Film "Liebe und Computer - Julius und Julia" von Bruno Böttge

Doch nicht nur aus Hollywood kommen die Innovationen im Bereich Trickfilm. Der ist schon lange ein internationales Phänomen. Walt Disney wird zwar über all in der Welt noch verehrt, doch handgezeichnete Filme, wie sie Disney über viele Jahre erfolgreich für den Weltmarkt produziert hat, gehören der Vergangenheit an. Zumindest, was die Herstellung betrifft. Heute entstehen die allermeisten Trickfilme am Computer, selbst die, die zunächst noch mit der Hand und dem Bleistift gezeichnet werden. Während der Postproduktion kann man es sich heute kaum noch leisten, auf die Leistung der Rechner zu verzichten. Digital heißt das Zauberwort der Branche. Und die dritte Dimension (3D) hat sich in den letzten Jahren wie selbstverständlich dazugesellt.

Fantasievolle Kino-Hommage

In 3D und computeranimiert kommen dann auch fast alle der großen Trickfilme daher, die in Stuttgart ihre Deutschland-Premiere erleben und in den nächsten Monaten ins Kino kommen. "Un monstre à Paris" war so ein Film, entstanden ist er in Frankreich und er erzählt, fast ein wenig nostalgisch, noch einmal die Geschichte von der Schönen und dem Biest. Das gibt den Machern um Regisseur Bibo Bergeron die Gelegenheit Neues mit Altem zu kombinieren. Da wird einerseits eine Geschichte erzählt, die nur so von Anspielungen auf die Kinohistorie strotzt. Da wird "Phantom of the Opera" ebenso zitiert wie Cocteau und "King Kong", während man auf neueste filmtechnische Raffinesse setzt. Ein Vergnügen also nicht nur für die Kids. So wie man insgesamt feststellen muss, dass viele Trickfilme heute für ein Publikum aller Alterschichten produziert werden. Die Gleichung Trickfilm = Kinderfilm sei schon lange passé, sagt Ulrich Wegenast.

Szene aus Un monstre à Paris von Bibo Bergeron (Foto: Internationales Trickfilm-Festival Stuttgart)

Großes Trickfilmkino aus Frankreich: "Un monstre à Paris" von Bibo Bergeron

Trotzdem machen die Möglichkeiten der digitalen Revolution die Macher der Filme nicht blind für das gute alte Handwerk. Stuttgart liegt schließlich in Baden-Württemberg und das "Ländle" hat einen Ruf als Standort deutscher Handwerkskunst. Das Festival umrahmt seine vielen Filmprogramme mit Veranstaltungen, die auch an den Ursprung des Trickfilms erinnern. "Machinima und digitales Puppenspiel" ist zum Beispiel ein zweitägiger Workshop betitelt, den Professor Friedrich Kirschner von der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch gibt. Dem interessierten Nachwuchs soll dort - ganz praktisch mit Playmobilfiguren - vermittelt werden, wie Trickfilme mit Kameras und Computern entstehen und welche vielfältigen Möglichkeiten man dabei hat: "Es ist wichtig zu wissen, dass uns die Technik von den Herstellern mit einem engen Nutzungsrahmen zu Verfügung gestellt wird. Dabei kann man sehr schön kreativ mit der Technik, mit Computern, mit der Hardware, umgehen." Da seien immer sehr viel mehr Möglichkeiten drin, als von den Herstellern angegeben, sagt Kirschner.

Leben aus Tinte und Farbe…

Und so ist die junge Julia Reck, die noch ein paar Monate des Studiums in Ludwigsburg vor sich hat, und im nächsten Jahr ihren Diplomfilm machen will, nicht alleine, wenn sie erzählt, dass sie den guten alten 2D-Zeichentrickfilm liebt: "Nicht in erster Linie, weil dort lustige Figuren dabei sind, sondern weil diese aus Tinte und Farbe zum Leben erweckt werden und man mit ihnen fühlt."

Trickfilm umfasst heute alles: digital und dreidimensional erarbeitete Großproduktionen aus Hollywood für den globalen Weltmarkt ebenso wie kurze handgefertigte Filme, gezeichnet und liebevoll koloriert. Irgendwann wird dann zwar auch bei diesen der Computer angeschmissen, das kann im digitalen Zeitalter nicht ausbleiben. Doch das wichtigste sei stets die Geschichte, sagt Juli Reck: "Ein gutes Drehbuch ist immer noch die Basis, da können noch so viele Effekte und Spezialeffekte dabei sein. Ein gutes Drehbuch ist die Grundlage für jeden gelungen Film."

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