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Filme

Tricks auf der Leinwand

Ironie, Satire, Groteske und ein überspitzter Blick auf die Welt – das 17. Internationale Trickfilmfestival in Stuttgart überzeugte mit wunderbaren Filmen. Noch heute entstehen längst nicht alle nur am Computer.

Der Tod als Sensenmann im spanischen Zeichentrickfilm 'La dame y la muerte' (Internationales Trickfilm-Festival Stuttgart)

Schaut man auf das Angebot der Kinos in deutschen Städten, dann findet man mit verlässlicher Sicherheit immer den einen oder anderen Blockbuster aus Hollywoods Computerstudios. Oft in der überaus populären 3D-Technik entstanden, begeistern Filme wie "Alice im Wunderland" oder "Der Fantastische Mr. Fox" nicht nur ein junges Millionenpublikum. Auch der Zeichentrick-Gigant Walt Disney hat die Hilfe der Computer längst in Anspruch genommen. Und "Avatar", inzwischen erfolgreichster Film aller Zeiten, ist schließlich auch eine Mischung aus Realfilm und computergeneriertem Trickfilm.

Die Welt des Tricks ist allerdings vielfältiger, als es unser Kinoalltag vermuten lässt. Das Stuttgarter Trickfilmfestival ist Beweis dafür. Im Wettbewerb und zahlreichen Nebenreihen zeigten die Veranstalter die ganze Bandbreite des Trickfilms von heute: Gezeichnet und geknetet, mit Puppen und Phantasiewesen aller Art animiert, handkoloriert und in allen möglichen Formen der Malerei auf die Leinwand gebracht – nichts scheint unmöglich in der Welt des Trickfilms.

Animations-Software statt Zeichenstift

Der Festival Garden - Open Air beim Stuttgarter Trickfilmfest (Internationales Trickfilm-Festival Stuttgart)

Tricks auch unter freiem Himmel

Natürlich spielt der Computer oft eine entscheidende Rolle, doch das ahnt der Zuschauer nur in den seltensten Fällen. Animationssoftware hilft den Machern von Trickfilmen heute oft, ihre Arbeit schneller zu erledigen. So muss nicht mehr 24 Mal der Stift in die Hand genommen werden für eine Sekunde Film, sondern mitunter nur zweimal. Den Rest besorgt der Computer. Viele scheinbar klassische Zeichentrickfilme sind heutzutage mit Hilfe moderner Software entstanden.

Häufig waren es diese oder auch vollkommen handgezeichnete Filme, die besonders überzeugten. Der kanadische Film "Runaway" zeigt beispielsweise die Abenteuer einer alten Eisenbahn, die mit einer Kuh auf den Gleisen kollidiert. Das führt zu einer Art Klassenkampf zwischen den Passagieren. Ein witziger, rasant montierter und erzählter Zeichentrickfilm. Und "Dog Walking Ground" des Russen Leonid Shmelkov erzählt mit einfachsten zeichnerischen Mitteln die Geschichte eines Stadtparks und seiner Spaziergänger mit deren Hunden. Ein in seiner Einfachheit bezaubernder und humorvoller Trickfilm.

'Das Sandmännchen - Abenteuer im Traumland' Szene aus dem Film mit Puppensandmännchen (Internationales Trickfilm-Festival Stuttgart)

Deutscher Beitrag: 'Das Sandmännchen'

Von Hunden und Menschen

Überhaupt die Hunde. Oft sind es die Vierbeiner, die den Platz des Menschen in den Filmen eingenommen haben. Mal liebevoll und mit menschlichen Zügen ausgestattet, mal grausam und zynisch, der Deutschen liebstes Haustier ist das Zeichentrickwesen dieses Festivals. Sie zeigen den Zweibeinern, wo es langgeht, wie man es besser machen kann im Leben. Aber auch, wie grausam die Welt sein kann auf vier Beinen.

Die Menschen hingegen ringen nicht selten mit dem Tod. Ein besonders schönes Filmbeispiel kam aus Spanien. "La dame y la muerte" von Javier Recio García erzählt den Leidensweg einer Greisin, die vom Tod – in Form des klassischen Sensemannes – geholt wird. Doch vorher bemüht sich noch die Hochleistungsmedizin um sie. Was folgt, ist ein irrwitziger Kampf zwischen dem Tod und dem medizinischen Personal eines Krankenhauses – voll rabenschwarzem Humor erzählt, mit grausamen Witz und einer bodenlosen Pointe.

Intensiver kurzer Blick auf die Welt

Dittmar Lumpp und Ulrich Wegenast vom Stuttgarter Trickfilmfestival (Internationales Trickfilm-Festival Stuttgart)

Die Macher: Dittmar Lumpp und Ulrich Wegenast

Der Film zeigt, was animiertes Kino zu leisten vermag: Einen Stoff, ein eigentlich ernstes und schwieriges Thema in kürzester Zeit von vielen verschiedenen Seiten zu beleuchten und zu durchdringen, und das Ganze dabei ungeheuer unterhaltsam zu präsentieren. Solche kleinen Geniestreiche gab es häufig zu sehen in Stuttgart.

Satire und Witz, Humor und Übertreibung, das tauchte in fast jedem Film in Stuttgart auf. Der internationale Wettbewerb strotzte nur so von aberwitzigen, überdrehten Grotesken, von ironischen Blicken auf die Gesellschaft und die Welt. Vielleicht kann man den Trickfilm – neben allen Formdefinitionen, wie er denn entstanden ist, am Computer oder mit dem Zeichenstift auf dem Papier – auch so beschreiben: als überspitzte, witzige, kurze Filmform mit Bildern, die 24 mal in der Sekunde vor dem Betrachter aufleuchten und dabei einen ganz eigenen, neuen Blick auf die Welt erlauben.

Autor: Jochen Kürten

Redaktion: Aya Bach

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