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Wirtschaft

Trichet geht, Draghi kommt

Nach acht Jahren Amtszeit an der Spitze der EZB übergibt Jean-Claude Trichet sein Amt an den Italiener Mario Draghi. Was hat der Franzose in seiner Amtszeit geleistet, was ist von seinem Nachfolger zu erwarten?

Die Euro-Skulptur und Europäische Zentralbank in Frankfurt (Foto: dapd)

Seinen offiziellen Abschied hat Jean-Claude Trichet schon Mitte des Monats gefeiert - im Kreise von Notenbankern, Regierungschefs und der Finanzelite. Sogar Christine Lagarde, inzwischen IWF-Chefin, machte ihre Aufwartung und nahm am Festakt in Frankfurts Alter Oper teil. Trichet ist der erste Präsident der Europäischen Zentralbank, der die volle Amtszeit von acht Jahren absolviert hat. Sie endet nun offiziell am Dienstag (01.11.2011). Und Trichet erzählt, wie er in den ersten vier Jahren den Druck der drei großen Regierungen zu spüren bekam, die den Stabilitäts- und Wachstumspakt schwächen wollten. Doch dann kam zuerst die Finanz - und schließlich die aktuelle Schuldenkrise.

Jean-Claude Trichet (Foto: dapd)

Jean-Claude Trichet: Eine Krise, die ihresgleichen sucht

Zum ersten mal seit über 60 Jahren habe sich das Epizentrum einer globalen Krise im Finanzsystem der entwickelten Volkswirtschaften befunden, und diese Krise sei mit nichts anderem vergleichbar seit dem zweiten Weltkrieg, so der Franzose in seiner Festrede in der Alten Oper. Und diese Krise hat seine Amtszeit bis zum Schluss bestimmt. Seine Verdienste um die Stabilität der Gemeinschaftswährung sind dabei etwas aus dem Blickfeld geraten. Doch stabiler Geldwert, der sei vor allem wichtig für die ärmsten und schwächsten Mitbürger, das ist Trichets Grundüberzeugung.

Überzeugter Stabilitätspolitiker

Diese zutiefst europäische Grundhaltung und seine geldpolitische Leistung würdigen die meisten Experten auch uneingeschränkt. Doch mit der Entscheidung der EZB, Staatsanleihen zunächst Griechenlands, inzwischen auch solche der anderen Krisenstaaten Eurolands zu kaufen, sind viele Kritiker vor allem in Deutschland nicht einverstanden. Die EZB habe sich instrumentalisieren lassen, ihre Unabhängigkeit verloren. Diese Käufe seien in der Abwicklung nicht immer optimal gelaufen, meint auch Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz, warnt aber:

"Man sollte sie auch prinzipiell nicht ausschließen, denn am Ende ist die EZB die wirksamste Verteidigungslinie, die wir zur Bekämpfung der Krise haben. Die Krise laufen zu lassen, wäre keine politisch akzeptable Strategie - sie würde Deutschland mit enormer Wucht treffen."

Mario Draghi (Foto: dapd)

Hardliner beim Schaulaufen: Mario Draghi

Um die Stärke einer unabhängigen Notenbank weiß auch Trichets Nachfolger, der italienische Notenbankpräsident Mario Draghi. Er muss nun beweisen, dass er seinen Spitznamen "Super Mario" verdient. Freunde sagten über ihn, er scheue nicht vor unmöglichen Aufgaben zurück, so Draghi. Doch gerade weil er Italiener ist, muss er erst einmal beweisen, dass er es mit der Stabilität des Euro ebenso ernst meint wie Trichet. Daran hat Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, seine Zweifel: "In der Bewerbungsphase, beim Schaulaufen, hat Draghi sich natürlich als Inflationsbekämpfer profilieren wollen, um der Vermutung entgegenzuwirken, er sei als Italiener da irgendwie lockerer unterwegs."

Doch dürfte er wohl darauf bedacht sein, die Käufe von Staatsanleihen nicht zu einem Dauerinstrument der EZB werden zu lassen, glaubt Allianz-Chefvolkswirt Heise: "Er wird bemüht sein, das Volumen dieser Käufe zu reduzieren, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, er sei als italienischer Notenbankpräsident derjenige, der diese Programme nun auch noch verstärkt. Er wird versuchen, sie zurückzufahren und er wird versuchen, auf die eigene Regierung zu Hause, aber auch auf andere und auf die Europapolitiker in Brüssel Druck zu machen, dass man Reformen beschleunigt. "

Autorin: Brigitte Scholtes
Redaktion: Rolf Wenkel

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