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Welt

Treue Partnerin: First Lady Asma al-Assad

Wegen ihrer Schönheit, Jugend und ihres Mitgefühls wird sie häufig mit Prinzessin Diana verglichen: Asma al-Assad. Private Emails werfen nun ein anderes Licht auf die Gattin von Syriens Präsident Baschar al-Assad.

Aus dem Scheinwerferlicht ist Asma Al-Assad seit Beginn des Aufstandes weitgehend verschwunden. Lediglich zweimal sah man die 36-Jährige an der Seite ihres Mannes in der Öffentlichkeit. Zu einer Rede des Staatspräsidenten im Januar erschien sie unscheinbar mit Baskenmütze auf dem Kopf, umklammerte ihre beiden Kinder und lächelte in die Kameras. Elegant in schwarz gekleidet dagegen ihr Auftritt zur Stimmabgabe beim Volksentscheid über die von der Opposition als Farce bezeichnete Verfassungsreform Ende Februar. Selbstbewusster als zuvor lächelte sie in die Menge und begrüßte ihre Unterstützer, während zur gleichen Zeit das Regime die Aufstandsbewegung in Homs mit Mörsern und Raketen beschoss. Auf mindestens 8.000 Tote beziffern die Vereinten Nationen die Zahl der Opfer des Aufstands. Kurz zuvor hatte die First Lady noch in Großbritannien für Empörung gesorgt, als sie in einer Email an die Times schrieb: “Der Präsident ist der Präsident von Syrien, nicht eines Teils der Syrer und die First Lady unterstützt ihn bei seinen Aufgaben."

Die Email-Korrespondenz von Asma al-Assad steht derzeit im Zentrum der Berichterstattung. Am Donnerstag (15.03.2012) veröffentlichte die britische Zeitung "The Guardian" Teile des privaten Mailverkehrs der Assads, an den die syrische Opposition offenbar durch einen Hack gelangt worden waren. Die Mails zeichnen das Bild einer Frau, die für Zehntausende Dollar Kronleuchter, Kerzenständer und andere Luxusartikel bestellt, während im Land ein Bürgerkrieg tobt und das Volk unter Nahrungsmittelknappheit leidet. Asma al-Assad unterhielt in dieser Zeit auch Kontakt zur Tochter des Emirs von Katar, Hamad bin Chalifa Al Thani, die das Paar aufforderte, Syrien zu verlassen und ins Exil nach Doha zu gehen.

Ein nettes englisches Mädchen?

Porträt der syrischen Präsidentengattin Asma al-Assad (Foto: dpa)

Asma al-Assad: Spagat zwischen der Sympathie für westliche Werte und der brutalen Repression des Regimes

Das öffentliche Gesicht von Asma al-Assad, die bedingungslose Treue der First Lady zu ihrem Mann, sorgt in ihrer früheren Heimat Großbritannien für Erstaunen: Wie konnte ein nettes englisches Mädchen einen Mann heiraten, dessen Schergen das eigene Volk abschlachten?

Asma al-Assad Akhras wurde in London geboren. Ihre Mutter, eine pensionierte syrische Diplomatin, und ihr Vater, ein in der britischen Hauptstadt praktizierender Kardiologe aus Homs, kamen in den 1970er Jahren Studium nach Großbritannien. Bis heute leben die Eltern in einem bescheidenen Reihenhaus im Londoner Stadtteil Acton, der vielen Einwanderern aus der Mittelschicht zur Heimat geworden ist.

Ein Nachbar und frührer Spielkamerad von Asmas Bruder, Malik al-Abdeh, arbeitet heute als Chefredakteur von Barada-TV, einem TV-Satellitensender der Oppositionsbewegung, der über die Gräueltaten des Assad-Regimes berichtet. Für ihn ist Asma al-Assad mindestens so syrisch wie britisch. "Warum sollte man von einem Mädchen erwarten, dass sie anders handelt als die anderen Frauen in der arabischen Welt, nur weil sie in England erzogen wurde?“

Durch dick und dünn

"Tief in ihrem Inneren ist sie ein syrisches Mädchen, dem in seiner Erziehung beigebracht wurde, dass es mit dem Ehemann durch dick und dünn gehen muss - unabhängig von jeglichen privaten Zweifeln, die sie haben könnte. Wir sollten nichts anderes von ihr erwarten, nur weil sie einen britischen Pass besitzt“, so al-Abdeh im DW-Interview.

Aber es gibt auch diejenigen, die von der First Lady erwarten, dass sie die Politik ihres Mannes verurteilt, weil sie selbst in einer Demokratie aufgewachsen ist. "Ich hatte mehr Vertrauen in Asma als in andere arabische First Ladys, weil Asma in einer demokratischen Gesellschaft aufgewachsen ist. Was wir heute über das Regime wissen, hat nichts mit den Werten zu tun, für die Asma vor zehn Jahren stand", beklagt die syrische Dokumentarfilmerin Halla Diyab, die einen Film über ein NGO-Projekt der Präsidentengattin über Mikrofinanzierung für Kleinbetriebe gedreht hat. Asma Assad arbietete vor ihrer Heirat mit Assad jahrelang als Investmentbankerin bei der Deutschen Bank und JP Morgan in London, New York und Paris.

Porträt der syrischen Aktivistin Halla Diyab (Foto: Diana Fong)

Dokumentarfilmerin Halla Diyab: "Mangel an Zivilcourage"

Die First Lady hätte die Chance ergreifen müssen, gleich zu Beginn des Arabischen Frühlings die Massaker von regimetreuen Schergen gegen junge Demonstranten in Daraa zu verurteilen, glaubt Diyab. Die Jugendlichen hatten damals lediglich pro-demokratische Graffiti an Wände gesprüht. Auf diese Weise hätte Assad die Unterstützung von Millionen Syrern erhalten, so Diyab. "Sie hätte öffentlich verurteilen müssen, was die Regierung tut. Ich weiß: Asma ist Ehefrau und Mutter von drei Kindern, aber wenn man First Lady wird, kann man nicht mehr die Rolle der Mutter, Ehefrau und Tochter spielen. Man hat eine nationale Verantwortung gegenüber den Menschen, die an die First Lady glauben."

"Asma ist sehr zerbrechlich"

Die First Lady hätte ein Vorbild für junge Menschen und besonders Frauen sein können, glaubt die heute in Großbritannien lebende Aktivistin. Sie sieht vor allem einen Mangel an Zivilcourage: "Asma ist sehr zerbrechlich. Es gibt das Bild der Damaszener Rose. Sie ist keine besonders starke Frau. Sie ist geboren und aufgewachsen in England, wo man kein Durchsetzungsvermögen braucht, um zu seiner Meinung zu stehen. Vielleicht hindert sie ihre Zerbrechlichkeit daran, ihr Volk zu unterstützen.“

Obwohl sich Diyab heute betrogen fühlt von Asmas Schweigen zur Gewalt in Syrien, hatte sie die First Lady einst bewundert: "Asma war die erste First Lady in der syrischen Öffentlichkeit. Diese Vitalität, Energie und Leidenschaft hat mich als junges syrischen Mädchens inspiriert. Sie hatte viele kreative Ideen", so Diyab, die davon ausgeht, dass Asma al-Assad demokratische Prinzipien in Syrien etablieren wollte.

Der Weg in die Politik

Geheiratet haben Asma und der zehn Jahre ältere Baschar al-Assad nur wenige Monate nachdem Assad im Jahr 2000 die Nachfolge seines verstorbenen Vaters Hafez al-Assad als syrisches Staatsoberhaupt angetreten hat – gekannt hatten sich beide aber schon seit Jahren. Ursprünglich sollte Baschars Bruder Basil an die Spitze des Staates rücken, doch der 30-Jährige starb 1994 bei einem schweren Autounfall. Der als eher sanft geltende Baschar machte in dieser Zeit in London eine Ausbildung zum Augenarzt und wurde umgehend nach Syrien zurückbeordert und auf die Nachfolge seines Vaters vorbereitet.

Syrer setzten große Hoffnung in das moderne Paar

Bild von einer Pro-Assad-Demo in Damaskus im März 2012 (Foto: AP)

Unterstützung im Volk: Pro-Assad Demonstration im März 2012

Das moderne, attraktive junge Paar wurde damals eng mit westlichen Werten verbunden, und viele sahen in ihm ein Symbol der Hoffnung für die geschundene Nation. Gaio Servadio, eine italienisch-britische Schriftstellerin und Kulturhistorikerin, die sich mit der First Lady anfreundete als sie vor einigen Jahren ein Kulturfestival in Syrien organisieren sollte, fand die anfängliche Offenheit Asma al-Assads erfrischend: "Sie tat alles, um Syrien zu öffnen, und ich glaube, alle Reform-Versprechungen ihres Mannes an das Volk kamen von ihr."

Doch die junge Engländerin habe sich Illusionen über ihre Möglichkeiten gemacht, in Syrien Veränderungen anzustoßen. "Sie sprach über ein Syrien, das so nicht existierte. Ich habe schnell gemerkt, dass sie falsch informiert war über das Land, weil sie niemand informiert hatte.“ Macht habe Asma ohnehin nie gehabt, glaubt Servadio, die das innere Machtgefüge des Regimes beobachtet hat. Die Kulturhistorikerin traf bei ihrer Arbeit für das Filmprojekt auf eine junge Frau, die vom machtbewussten Sicherheitsapparat eingeschüchtert wurde, der sich wiederum nicht für ihre Reformideen interessierte. "Ihre Schwägerin, die Schwester von Baschar, war sehr mächtig. Man hat sie nie gesehen, aber sie hat sich sehr stark in politische Angelegenheiten eingemischt. Sie, ihre Mutter und andere hatten wirklich Macht über die Geheimdienste, die grausam und sehr mächtig waren", erklärt Servadio.

"Als wir diese große Diskussion während dieses Festivals geführt hatten, sah ich, wie sie die Oberhand hatten und wie Asma gegängelt wurde. Sie war sehr verängstigt. Das sind sehr  sind sehr gewalttätige Leute, und ich habe nicht das Schlimmste gesehen. Es ist wie die Mafia, wirklich. Sie töten und denken darüber nicht einmal nach."

Porträt von Ribal al-Assad, der Cousin des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad (Foto: Ribal al-Assad)

Ribal al-Assad, Cousin von Syriens Präsidenten Baschar al-Assad

Servadio glaubt, dass die öffentlichen Auftritte der First Lady und ihre Botschaften von anderen inszeniert werden. "Ich vermute, dass sie vorgeschrieben bekommt, was sie zu sagen hat und dass die Sicherheit ihrer Kinder bedroht ist. Diese Erklärung in der "Times": Das würde sie nie sagen.“

Wie Asma al-Assad den Spagat aushält zwischen den demokratischen Prinzipien, für die sie vermutlich immer noch steht, und dem Blutvergießen, für das ihr Mann Verantwortung trägt, darüber kann nur spekuliert werden. Familienmitglied Ribal al-Assad, Gründer der in London ansässigen Organisation für Demokratie und Freiheit in Syrien, nimmt die heutige First Lady in Schutz: "Ich bin sicher, dass sie entsetzt ist. Natürlich hat sie die Werte nicht vergessen, mit denen sie aufgewachsen ist in Großbritannien", sagte Assad im DW-Interview.