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Stadt der Treppen

Stefan Dietrich

Alte Gemäuer, steile Berge und viele Treppen verleihen Marburg seine besondere Atmosphäre. Die oberhessische Stadt ist vor allem durch ihre Universität bekannt – sie ist aber auch ein lohnendes Reiseziel.

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Blick über die Lahn auf das Marburger Schloss, Archivfoto, Quelle: AP
Hoch thront das Schloss über MarburgBild: AP

Das kleine Marburg und das große Venedig - auf diesen Vergleich muss man erst einmal kommen. "Venedig ist bekannt für seine tausend Brücken, Marburg für seine Treppen und Gassen", schreibt die hessische Stadt selbstbewusst auf ihrer Internetseite. Das klingt reichlich vermessen, aber irgendwie hat der Vergleich Charme.

Auch Marburg ist eigentlich eher ein Postkartenmotiv als eine Stadt. Steil erhebt sich die Häuserkulisse über dem Lahntal, und das Landgrafenschloss thront so weit oben, dass selbst die 80 Meter hohen Türme der Elisabethkirche beim Fotografieren nicht im Weg stehen. Noch schöner ist der Ausblick von oben. Romantiker geraten ins Träumen, wenn sie an einem Sommerabend vom Café unterhalb des Schlosses auf die Lichter der Stadt heruntersehen.

Stammsitz der hessischen Landgrafen

Vor dem Ausblick liegt allerdings der Aufstieg. Der Märchensammler Jakob Grimm unkte, dass es in Marburg "mehr Treppen auf der Straße als in den Häusern" gebe. Ein großer Teil des Aufstiegs zur Oberstadt lässt sich inzwischen aber auch mit - teilweise verglasten - Aufzügen bewältigen.

Altes Café-Schild an einer Fachwerkfassade in Marburg
Kunstvoll verzierte Fachwerkhäuser sind typisch für HessenBild: picture alliance/dpa

Das Schloss auf dem 287 Meter hohen Berg ist war im Mittelalter Stammsitz der hessischen Landgrafen, sozusagen die Wiege Hessens. Im Inneren befinden sich heute mehrere Ausstellungen, im benachbarten Park sind regelmäßig Konzerte und Kinovorführungen. Auch die Kasematten, unterirdische Wehranlagen, sind inzwischen wieder zugänglich. Geheimtipp am Schloss ist die Camera Obscura. In einem unscheinbaren Hüttchen werden durch ein System von Spiegeln Bilder aus der ganzen Stadt auf einen Tisch projiziert. Die 20-minütige Vorführung ersetzt somit eine kurze Stadtführung und einen Crashkurs in Optik.

"Marburg ist eine Universität"

Die Camera Obscura hatten vor fünf Jahren Physikstudenten anlässlich des 475. Gründungstages der Philipps-Universität aufgebaut. Zur stolzen Tradition der weltweit ältesten protestantischen Hochschule gehören das älteste Studentenwohnheim Deutschlands sowie acht Nobelpreisträger, die in Marburg studiert oder geforscht haben. Fachbereiche, Anwesen der studentischen Verbindungen sowie Archive und Museen von Anatomie bis Völkerkunde sind über die Stadt verstreut - daneben beherbergt Marburg auch die Deutsche Blindenstudienanstalt. "Marburg hat keine Universität, Marburg ist eine Universität", sagen die Einheimischen.

Das studentische Leben spiegelt sich in vielen kleinen Läden, Cafés und Kneipen wider. Die Behauptung, Marburg habe die "höchste Kneipendichte Deutschlands", ist zweifelhaft - das beanspruchen auch andere Städte für sich. Verdursten muss man jedenfalls nicht in der Stadt, aus der das Studentenlied vom "Wirtshaus an der Lahn" stammt.

Schrein ohne Inhalt

Giebel des Marburger Rathauses mit Uhr, Archivfoto
Die Uhr im Giebel des Rathauses - eine der SehenswürdigkeitenBild: picture alliance/dpa

Außer Kneipen und Treppen hat Marburg viele Fachwerkhäuser und ein Wallfahrtsziel. Die Elisabethkirche, ältestes rein gotisches Gotteshaus Deutschlands (Baubeginn 1235), gilt als Vorbild des Kölner Doms. Sie wurde über dem Grabmal Elisabeths von Thüringen erbaut, deren Geburt sich 2007 zum 800. Mal jährt. Der Schrein in der Kirche ist allerdings leer: Nach der Reformation ließ Landgraf Philipp die Reliquien seiner Urahnin an unbekanntem Ort vergraben. Sehenswert ist auch das historische Rathaus von 1527 am Marktplatz. Der Hahn auf der Giebelspitze schlägt stündlich mit den Flügeln.

In der Umgebung Marburgs gibt es ebenfalls viel zu entdecken - Burgen, Schlösser, dunkle Wälder und natürlich die in dieser Gegend noch recht ungestüme Lahn. An sonnigen Tagen lohnt sich ein Ausflug auf die Ostseite des Lahntals. Der neue Botanische Garten auf den Lahnbergen besticht durch seine schöne landschaftliche Anlage und die großen, klimatisierten Gewächshäuser mit Kakteen und Tropenpflanzen. Wenige hundert Meter entfernt bietet als Gegenpart des Schlosses der Spiegelslust-Turm einen schönen Blick über das Lahntal.