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Deutschland

Trendwende: Deutschlands attraktiver Osten

Ostdeutschland zieht immer mehr Menschen an. Im Gegenzug wandern immer weniger Menschen in den Westen ab. Von der Trendwende profitieren aber nur einige Großstädte. Ländliche Gegenden verlieren weiter.

Einkaufsstraße in Leipzig (Foto: picture-alliance / P. Endig)

Zieht Senioren und junge Familien an: Leipzig

Seit 2012 ziehen mehr Menschen aus dem Westen oder dem Ausland in die fünf neuen Bundesländer, als sie an Einwohnern verlieren. Das geht aus einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung hervor. Ein Trend, der sich aber nur auf wenige große Städte positiv auswirkt.

Exodus nach dem Mauerfall

Der Osten Deutschlands hatte nach der deutschen Wiedervereinigung einen regelrechten Exodus erlebt. Die fünf neuen Bundesländer verloren rund 1,8 Millionen Bürger. Vor allem junge, qualifizierte Menschen zog es in die attraktiven westdeutschen Großstädte und Industriestandorte. Strukturschwache Regionen büßten sogar bis zu 40 Prozent ihrer Einwohner ein. Die verbliebene Bevölkerung alterte stark, die Zahl der Geburten ging zurück.

Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. (Foto: Sabine Sütterlin)

Klingholz: "Das Wachstum ist nachhaltig"

Die neu veröffentliche Studie "Der Osten auf Wanderschaft", unterstützt durch die Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, zeigt: Inzwischen ist der Osten wieder Zuwanderungsland - teilweise. Denn die Trendwende brachte nur wenige Gewinner hervor: Leipzig, Dresden, Jena, Erfurt, Rostock, Potsdam und Weimar. Es sind lediglich 15 Prozent der 2695 untersuchten ostdeutschen Gemeinden (außer Berlin), die zwischen 2008 und 2013 mehr Zuzüge als Abwanderungen verzeichneten. Ein Trend, der laut Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts, absehbar war. "Man hat sehr viel Geld in den Aufbau Ost gesteckt, damit die Region nicht ausblutet."

Die Großstädte sind zu Magneten, sogenannten "Leuchttürmen", vor allem für junge Menschen geworden, die einen Ausbildungs- oder Studienplatz suchen. Auch die Familiengründung findet vermehrt in diesen Städten statt. "Sie sind auch für Ältere spannend geworden, weil sie sich fit gemacht haben", sagt Klingholz. Aufgrund des verbesserten Arbeitsmarkts blieben viele auch nach der Ausbildung dort.

Infografik Wanderungssaldo in Ostdeutschland

Hipster-Stadt Leipzig

Leipzig zum Beispiel zog zwischen 2008 und 2013 rund 44.000 Menschen mehr an als es verlor. Die dynamischen Zentren könnten als "wichtige Wachstumsmotoren" bei ansonsten rückläufigen Einwohnerzahlen wirken, erklärt Klingholz. Auch als Wirtschaftsstandorte hätten sie sich entwickelt. Dort entstünden neue Unternehmen, die aus den neuen Forschungslandschaften hervorgegangen seien, so der Direktor.

Ein Trend, der aber auch von der Zuwanderung aus dem Ausland abhänge, denn bei der niedrigen Geburtenrate sei kein Wachstum zu erwarten. Durch die Abwanderung der jungen Menschen ist die Bevölkerung im Osten stark gealtert. So bringt das Verhältnis zwischen Geburten und Sterbefällen keine stabile Bevölkerungsentwicklung hervor.

Ländlicher Raum blutet aus

Verlierer sind die ländlichen Gemeinden, die vor allem junge Leute in die Großstädte ziehen lassen müssen. Das Gefälle zwischen schrumpfenden und wachsenden Regionen wird damit immer größer. So verzeichnen 85 Prozent der ostdeutschen Gemeinden laut Studie nach wie vor mehr Abwanderungen als Zuzüge.

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Bilanz - Subventionen in Ostdeutschland

Auch Antonia Milbert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung bestätigt, dass die Wanderungsbewegungen innerhalb Ostdeutschlands enorm zugenommen haben. Manche Städte mittlerer Größe verzeichnen zwar keinen Boom. Doch sie trotzen dem Schrumpfprozess und wollen mit einer bedarfsgerechten Infrastruktur punkten. Sie sorgen für Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, die für die Bevölkerung attraktiv sind.

"Diese Orte wachsen, weil sie das Umland leerräumen", erklärt Reiner Klingholz. "Das ist eine schlechte Nachricht für die entlegenen ländlichen Regionen. Die, die schon in den vergangenen Jahren viel Bevölkerung verloren haben, werden noch weiter Bevölkerung verlieren." Dort gingen 90 Prozent der jungen Bevölkerung weg, weil sie keinen Ausbildungsplatz finden, sie bleiben in den Städten. Ein solcher Strukturwandel würde sich mit viel Geld bestenfalls verzögern lassen, könnte aber den Trend nicht stoppen.

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