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Bücher

Trend: Digitalisierung des Buchmarkts

Um Verleger und Buchhändler aufzuschrecken, reicht ein Wort: E-Book. Ihm wird nachgesagt, die ganze Buchbranche auf den Kopf zu stellen. Doch die Verkaufszahlen dümpeln weiter vor sich hin.

Buch oder Ebook (Foto: DW/ picture alliance/ dpa)

Elisabeth Ruge ist eine krisenerprobte Verlegerin. In den 90er Jahren gründete sie quasi aus dem Nichts den Berlin Verlag und kann sich heute über rund 200 Neuerscheinungen im Jahr freuen. Auch wenn ihr Verlag mittlerweile recht gut im Sattel sitzt, blickt sie nicht sorglos in die Zukunft. "Ich glaube, dass sehr schwierige Zeiten auf uns zukommen. Wir müssen alle sehr viele Ideen haben, damit wir das, was uns an der bisherigen Verlagswelt wichtig ist, kraftvoll in dieses Neue einbringen können."

Elisabeth Ruge lächelt in die Kamera (Foto: Berlin Verlag)

Verlegerin Elisabeth Ruge

Nicht nur bei Elisabeth Ruge klingt der Blick in die Zukunft wie eine Vorbereitung auf einen großen Sturm. Verleger, Buchhändler, Branchenkenner – alle sind sich einig: Das E-Book stellt die gesamte Buchbranche gehörig auf den Kopf. Angesichts der Umsatzzahlen empfiehlt sich allerdings eher ein Kopfschütteln. Einen Prozent machen die E-Book-Verkäufe derzeit an den Gesamtumsätzen aus.

Bislang keine ernstzunehmende Größe

Das bekommt auch Libreka zu spüren, eine Art E-Book-Onlineshop des Börsenvereins des deutschen Buchhandels. "Das Angebot an Bestsellern ist einfach noch nicht groß genug, so dass es wirklich attraktiv für eine große Anzahl an Lesern wäre", erklärt Geschäftsführer Roland Schild. "Und zum anderen hatten wir bislang noch keine ansprechenden Lesegeräte." Aufwind verspricht er sich von dem gerade auf den Markt gekommen iPad von Apple und auch "von anderen großen Anbieter ist zu hören, dass in diesem Jahr noch sehr viel nachkommen wird, was ähnliche Qualitäten hat."

Ebook von Amazon (Foto: picture alliance/ dpa)

Amazonenhaftes Kindle?

Bei Libreka sind gerade einmal 25.000 E-Book-Titel verzeichnet. Zum Vergleich: auf dem deutschen Buchmarkt sind 1,2 Millionen gedruckte Bücher erhältlich. Klarer lässt sich der Kontrast zwischen dem medialen Wind und der verlegerischen Wirklichkeit kaum widerspiegeln. Hinzu kommt ein schieres Durcheinander bei den Lesegeräten. "Gerade große Anbieter setzen auf eigene Formate, so dass die E-Books nur auf deren eigenen Lesegeräten zu lesen sind", sagt Schild. "Für den Konsumenten ist das natürlich eine sehr unschöne Situation."

Ende der klassischen Verlagswelt?

Mit Online-Anbietern wie beispielsweise dem Internetriesen Amazon oder neu nun auch dem iBook-Store von Apple wird das Durcheinander noch komplexer. Wer ist hier eigentlich Verleger? Das wird zukünftig gar nicht mehr eine so bedeutende Rolle spielen, sagt Dorothee Ritz, Mitglied der Geschäftsleitung bei Microsoft. Zwar sieht sie das Unternehmen nicht als einen Verlag im klassischen Sinne, "aber wir sind sicherlich insofern ein stückweit Verleger, dass Konsumenten auf unseren Plattformen unglaublich viele Inhalte schaffen. Ich denke wir verlegen daher in dem Sinne mit, dass wir diese Inhalte mit dem zusammenführen, was heute ein klassisches Buch ist." So würden daraus "ganz neue, spannende Buchformen" entstehen. "Wir (Microsoft, A.d.A.) sind alles. Das macht ja diese neue Welt so interessant."

iPad von Apple (Foto: AP Photo/Koji Sasahara)

Hilft Apples iPad dem Ebook auf die Sprünge?

Und fordert die alte Welt heraus, insbesondere die Buchhandlungen. Die Osiandersche Buchhandlung aus Süddeutschland hat sich daher entschieden, ebenfalls im Internet mitzumischen, statt klein beizugeben. 22 Filialen gehören zu dem mittelständischen Unternehmen. Hinzugekommen ist ein eigener Internet-Shop. "Wenn sie sich heute ein Ebook kaufen, dann müssen sie bei den unterschiedlichen Anbietern jeweils ein eigenes Konto anlegen. Wenn sie aber zu unserer Buchhandlung kommen, können sie die E-Books all dieser Anbieter über uns beziehen", erklärt Hermann-Arndt Riethmüller, Geschäftsleiter von Osiander.

"Gedruckt wird nur noch das Schöne"

"Außerdem haben wir ja sowieso eine Beratungsfunktion. Wir heißen ja nicht umsonst Sortimenter: Wir wählen aus. Diese Auswahlfunktion sehe ich eher gestärkt." Und auch die Funktion des Buches: "Im Moment wird alles gedruckt. Aber in Zukunft wird nur noch das Schöne gedruckt und Bücher, die nach einmaligen Lesen erledigt sind, zum Beispiel ein Krimi, gibt es dann nur noch als E-Book."

Wie die Leser das E-Book nun künftig nachfragen werden, lässt sich nicht sicher voraussagen. So schielen einige Branchenvertreter auf den US-amerikanischen Markt: Hier soll das E-Book schon fast zehn Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen. Trendvorgabe auch für den deutschen Buchmarkt? Einer Umfrage zu Folge überlegen jedenfalls rund drei von 80 Millionen Deutschen, sich in diesem Jahr ein elektronisches Buch zu kaufen.

Autorin: Nadine Wojcik

Redaktion: Gabriela Schaaf

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