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Kultur

Trekking trotz Konflikt: Tourismus in Nepal

Die Wanderung im Himalaja, ein Traum für hart gesottene Abenteurer, ist wieder gefährlicher geworden. In den Bergen Nepals kämpfen Maoisten, in der Hauptstadt Kathmandu schießt die Polizei auf Demonstranten.

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Bergsteigertraum: der Mount Everest

Sonja Zorn hat ein besonderes Erinnerungsstück aus dem Urlaub in Nepal mitgebracht, keinen handgeknüpften Teppich und auch keinen bunten Schal. Ihr Souvenir ist ein Stück Papier: Eine Quittung über 5000 Rupien, ausgestellt von der maoistischen Partei Nepals. "Darauf steht: 'Willkommen in der neuen Republik Nepal, und vielen Dank für ihre Spende'. Ein freundlicher junger Mann hat sie uns ausgestellt", erzählt Sonja Zorn. Der freundliche Vertreter der maoistischen Partei hat Sonja Zorn und ihren Mann bei einer Trekkingtour im Everest-Gebiet angehalten und den Wegzoll, umgerechnet 60 Euro, gefordert. "Eine Waffe hatte er nicht dabei – trotzdem haben wir lieber gezahlt", so Zorn.

Im Land des Königs

Generalstreik in Nepal

Maoisten wollen an die Macht: Demonstration in Kathmandu

Sonja Zorn und ihr Mann gehören zu den 300.000 Trekking-Touristen, die das Königreich Nepal pro Jahr besuchen. Sie kommen wegen der atemberaubenden Berglandschaft, der farbenprächtigen Kultur – und trotz des bewaffneten Konfliktes, der bisher mehr als 13.000 Menschen das Leben gekostet hat.

Seit 1996 bekämpfen sich Maoisten und Militär im Königreich Nepal. Die Maoisten wollen einen kommunistischen Bauernstaat errichten, den König stürzen und das hierarchische Kastensystem abschaffen.

Maoisten und Demokraten

König Gyanendra, der den Thron im Jahr 2001 bestieg, hat seither seine Kompetenzen stetig ausgebaut. Im Februar 2005 setzte er die Regierung ab und übernahm selbst die ganze Macht im Staat. Nachdem Gyanendra auch die Meinungs- und Versammlungsfreiheit außer Kraft setzte, bildete sich eine breite Protestbewegung: die oppositionelle Sieben-Parteien-Allianz. Sie schloss ein Bündnis mit den Maoisten und fordert die Rückkehr zur Demokratie.

Um den König unter Druck zu setzen, hat die Opposition am 6. April den Generalstreik ausgerufen. In den Trekkinggebieten des Himalaja-Gebirges sei davon nicht viel zu bemerken, sagt Sonja Zorn. "In der Hauptstadt Kathmandu dagegen ist es gespenstisch ruhig. Es fahren fast keine Autos, die meisten Geschäfte sind geschlossen. Auf den größeren Straßen versammeln sich die Menschen und protestieren gegen den König."

Touristen im Streik

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Auch einige Rucksacktouristen haben sich den Protesten angeschlossen. "In den engen Gassen des Touristenviertels Thamel habe ich am Montag (17.04) ein paar Europäer unter den Demonstranten gesehen", so Zorn. Sie selbst sei den Versammlungen jedoch aus dem Weg gegangen. Schließlich könne man als Tourist nicht einschätzen, wann es gefährlich werde. Polizei und Militär gehen brutal gegen Demonstranten vor, seit Beginn des Streiks wurden 13 Menschen erschossen. Wer sich nicht an die Ausgangsperre hält, muss mit Prügeln, Stockhieben und Verhaftung rechnen.

Gerüchten zufolge wurden auch einige der protestierenden Touristen von der Polizei verschleppt und stundenlang festgehalten. Trotzdem reisen nach wie vor Backpacker in das höchstgelegene Land der Erde. "Bisher habe ich noch keine einzige Stornierung vornehmen müssen", sagt Andreas Khanal, der jedes Jahr 600 Reisen nach Nepal vermittelt. Wenn man sich an die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes halte, müsse man nicht mit direkter Bedrohung rechnen. "Niemand in Nepal möchte die Touristen vertreiben, auch nicht die maoistischen Rebellen. Solange man denen Wegzoll zahlt, passiert nichts. Allerdings sollte man nicht versuchen, in ein abseitiges Tal zu wandern, das man nicht kennt", so Khanal.

Wegzoll am Flughafen

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Andreas Khanal rät unerfahrenen Reisenden deshalb von einer Reise ab. Man solle zurzeit nicht hinfahren, wenn man vorher noch nie in Nepal war. "Aber viele Reisende waren schon 14 oder 15 Mal dort - die wissen meist, was sie machen können und was nicht. Das sind Individualtouristen, die sich nicht so leicht abschrecken lassen." Sinnvoll sei es, sich vorher bei der Botschaft registrieren zu lassen, so könne einem im Notfall besser geholfen werden. Von den Protesten in der Hauptstadt Kathmandu solle man sich aber in jedem Fall fernhalten und möglichst den direkten Weg vom Hotel zum Flughafen einschlagen.

Die Wagen von Taxifahrern, die den Streik brechen, sind in Kathmandu jedoch zum Ziel für Steine werfende Demonstranten geworden. Sonja Zorn und ihr Mann haben die sechs Kilometer von Kathmandu zum Tribhuvan International Airport deshalb mit dem Bus zurückgelegt. "Der wurde extra bereitgestellt", so Zorn. "An einer grün-weißen Flagge konnte jeder erkennen, dass es ein Touristenbus ist. Wir wurden zwar kreuz und quer durch die Stadt geschaukelt, aber passiert ist uns nichts." Am Flughafen war dann noch einmal Wegzoll fällig: Die Beamten des Königs verlangen eine "Ausreisegebühr" von 1700 Rupien pro Person.

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