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Wirtschaft

Treffer im Öl-Lotto

Vor den Falklandinseln sollen etwa 242 Millionen Barrel Öl entdeckt worden sein. Im gesamten Gebiet werden sogar mehr als 60 Milliarden Barrel vermutet. Anspruch darauf melden britische Firmen, aber auch Argentinien an.

Ölbohrungen vor den Falklandinseln. Foto: AP

Oft wurde bei den Falklandinseln nach Öl gesucht - nun lohnt es sich

In den letzten Tagen hat die britische Ölfirma Rockhopper die Aufmerksamkeit der Welt auf eine Region nördlich der Falklandinseln gelenkt. Innerhalb der 200-Meilen-Zone wurde ein Ölvorkommen entdeckt, genannt "Sea Lion". Rockhopper vermutet, die mögliche Gesamtfördermenge dieses Feldes könne bei etwa 242 Millionen Barrel liegen. Bei dem aktuellen Preis von 80 Dollar pro Barrel würde das einen geschätzten Wert von 20 Milliarden Dollar ergeben.

Menschen laufen durch das Wattenmeer vor Friedrichkoog Spitze an der Nordsee. Im Hintergrund steht die Ölplattform Mittelplate, Foto: AP

Vor den Falklandinseln soll ebensoviel Öl lagern, wie hier in der Nordsee

"Ein Treffer wie im Lotto", meint Sam Moody, Teilhaber von Rockhopper, gegenüber der Zeitung Times. Er gab an, dass die Firma mindestens bis zum Jahresende Bohrungen in dem Gebiet durchführen wird und bezeichnete die Region als die neue Öl-Provinz. Inzwischen zirkulieren schon Aussagen, im gesamten Gebiet könnten Ölvorkommen von bis zu 60 Milliarden Barrel liegen. Doch sind diese Zahlen überhaupt realistisch? DW-World hat mit der unabhängigen Institution Energy Watch Group mit Sitz in Berlin gesprochen. Deren Experten relativieren die kursierenden Zahlen.

Von dort heißt es: Die Schätzung sei vermutlich deutlich übertrieben. Denn dann sei das Ölvorkommen ähnlich groß wie das in der gesamten Nordsee, also der britischen und norwegischen Zone, wo bisher etwa 60 Milliarden Barrel gefunden wurden und dies sei die größte in den vergangenen 50 Jahren gefundene Ölprovinz. "Vermutlich möchte die Firma an der Börse ihren Kurswert nach oben treiben. Das führt dann schon mal zu Fantasiezahlen."

Börsianer freuen sich über gute Nachrichten

Tatsächlich ist die Aktie von Rockhopper in nur drei Monaten um 758 Prozent in die Höhe geschossen, wie die britische Zeitung Money Week berichtet. Allerdings ist Rockhopper nicht allein im Rennen um die möglichen Vorkommen.

Übersicht der Explorationsgebiete, Grafik: http://www.fogl.com

Für die markierten Gebiete wurden Bohrlizensen an FOGL vergeben

Auch die Firmen Argos Resources, Falkland Oil & Gas (FOGL), Desire Petroleum und Borders & Southern besitzen Förderrechte in der Region. Diese treten aber nicht nur mit guten Nachrichten vor die Öffentlichkeit: Im Juli diesen Jahres veröffentlichte FOGL eine Mitteilung auf ihrer Homepage, in der berichtet wurde, dass die Probebohrung Toroa östlich der Falklandinseln keinen Erfolg brachte: "Wir haben bis zu einer Tiefe von 2476 Metern gebohrt, jedoch kein Öl entdecken können", heißt in der lapidaren Erklärung.

Gas, Öl und Rentabilität

Symbolbild: Öl aus arabischen Ländern, Foto: AP

Öl bei den Falklandinseln bedeutet auch: etwas mehr Unabhängigkeit vom arabischen Öl

Bei Energy Watch Group ist man darüber nicht überrascht. Bereits Ende der 90er Jahre wurde vor den Falklandinseln exploriert. "Damals fand man nichts, was eine rentable Förderung erlaubt hätte," heißt es aus dem Institut. Zwar gab Shell 1998 bekannt, dass ein Gasvorkommen von geschätzten acht Billionen Kubikmeter gefunden wurde. Zu dieser Zeit lag der Ölpreis jedoch mit nur 12 Dollar pro Barrel am Boden und der Gaspreis war entsprechend niedrig. Somit galt auch eine Förderung des Gases als nicht wirtschaftlich.

Allerdings weist die Existenz von Gas häufig auf das Vorkommen von Erdöl hin. Warum aber haben sich die Ölfirmen bis heute kaum für diese Ölvorkommen interessiert, obwohl sie schon seit 12 Jahren von ihnen wussten? Die Antwort ist einfach: "Weil es vorher nicht notwendig war, in solchen Gegenden nach Öl zu suchen, wo die Erschließung überproportional teuer ist", sagen die Experten der Energy Watch Group. "Es ist also eine Mischung aus wirtschaftlichen Gründen sowie hohe Ölpreise und die Verknappung leicht zu fördernden Öls."

Auch Argentinien meldet Anspruch an

Auf die Nachrichten vom Öl reagierte Argentinien promt, denn es beansprucht ebenfalls das Gebiet um die Falklandinseln und die dortigen Ölvorkommen. Die Falkland-Inseln mit einer Bevölkerung von rund 2500 Menschen sind schon lange ein Zankapfel in den Beziehungen zwischen Großbritanien und Argentinien. 1982 besetzte die damalige argentinische Militärregierung die Inseln. In einem mehrwöchigen Krieg wurden die Inseln von Großbritannien zurückerobert. Die vollen diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Staaten wurden erst 1990 wiederaufgenommen.

Ein Mann in Argentinien verbrennt die britische Flagge, Foto: AP

In Argentinien beansprucht man ebenfalls ein Recht auf das Öl bei den Falklandinseln

In den vergangenen Jahren forderte Argentinien die britische Regierung immer wieder auf, über die Inseln zu verhandeln. Seit Februar diesen Jahres werden nun britische Schiffe kontrolliert. Wenn sie zu den Falklandinseln, nach Südgeorgien oder zu den Sandwichinseln gelangen wollen, müssen sie die argentinischen Behörden um Erlaubnis bitten, um deren Gewässer passieren zu dürfen.

Zudem haben sich die Präsidenten der Mercosur-Staaten vor einigen Tagen auf dem Gipfel von San Juan in Argentinien zusammen gefunden und eine Resolution angenommen, in der vorgesehen ist, dass "sämtliche Handelsdokumente von den Falklandinseln, Südgeorgien und den südlichen Sandwichinseln… die nicht von argentinischen Behörden ausgestellt wurden, nur als vorläufige Dokumente behandelt werden…, damit sind die Behörden, welche diese Dokumente ausgestellt haben, keineswegs rechtmäßig anerkannt."

Große Risiken durch Tiefseebohrungen

Blick auf die Küstenlinie der Falklandinseln

Tiefseebohrungen sind ein Risiko für das Idyll der Falklandinseln

Soweit zum diplomatischen und wirtschaftlichen Säbelrasseln Argentiniens und Großbritanniens. Bei einer potentiellen Erdölförderung sind aber auch ökologische Fragen von großer Bedeutung. "Es bestehen prinzipiell die gleichen Risiken wie im Golf von Mexiko, da es sich auch hier um Tiefseebohrungen handelt. Außerdem wird oft vergessen, dass Erdölförderung auch im Normalbetrieb mit ständiger Umweltverschmutzung, unter anderem durch abfließendes Erdöl, eingesetzte Chemikalien und beim Bohren anfallende radioaktive Abfälle verbunden ist", heißt es bei der Energy Watch Group.

Autor: Pablo Kummetz

Redaktion: Insa Wrede

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