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Wirtschaft

Trauriger Geburtstag

Der Neue Markt wird fünf Jahre alt. Doch zum Feiern gibt es keinen Grund. Die Börse für Wachstumswerte steckt tief in der Krise.

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Die Geldvernichtungsmaschine

Tonne oder Tresor: Für viele Anleger, die sich am Neuen Markt engagiert haben, ist diese Frage längst entschieden: Sie rühren Aktien dieses Börsensegments nicht mal mehr mit spitzen Fingern an. Am 10. März jährt sich in Frankfurt die Gründung des Neuen Marktes zum fünften Mal - zum Feiern ist jedoch kaum jemandem zumute. Gegründet als Börsensegment für junge, vielversprechende Unternehmen aus so genannten Zukunftsbranchen wie Telekommunikation, Internet oder Biotechnologie, löste der Neue Markt in den ersten drei Jahren einen wahren Goldrausch aus. Doch seit zwei Jahren herrscht Katzenjammer, der Ruf ist runiert.

Gier frisst Hirn

Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut, einer Lobby zur Förderung des Aktienbesitzes, bringt die Misere auf diese Formel: "Gier frisst Hirn - das ist eine alte Weisheit, und die trifft leider auch auf manche Erscheinung am Neuen Markt zu." Einen Vorwurf könne man jedoch niemand machen. Wenn die Kurse jahrelang nur stiegen und in einigen Bereichen explodierten, wolle einfach jeder dabei sein, betont Leven. "Dabei gerät dann leider manchmal aus dem Blick, dass große Steigerungen von 50, 60, 70 Prozent pro Jahr mal eine kurze Zeit möglich sind, aber auf Dauer nicht durchgehalten werden können."

In Zahlen ausgedrückt, liest sich der Boom so: 1997 startete der Neue Markt mit gerade einmal vier bösennotierten Unternehmen, am Ende des Jahres waren es elf. Der Kurswert ihrer Aktien belief sich auf knapp vier Milliarden Euro. Zwei Jahre später waren es schon 70 Unternehmen mit einem Kurswert von rund 37 Milliarden Euro. In den ersten beiden Jahren stiegen die Kurse um rund 500 Prozent. Im Frühjahr 2000 erreichten die Kurse ihre Höchststände, der Kurswert der über 300 gelisteten Unternehmen belief sich auf eine Viertelbillion Euro (250 Milliarden Euro). Doch eine Kursexplosion um 1.550 Prozent geht selten gut.

"Story" statt Substanz

Während einige Anleger reich geworden sind, haben viele bis zu 90 Prozent ihrer Investitionen verloren. Der Auswahlindex Nemax 50 sackte von 9.600 Punkten im Frühjahr 2000 auf 900 Punkte - über 175 Milliarden Euro mussten die Anleger inzwischen abschreiben. Ursachen für Aufstieg und Fall sind inzwischen bestens bekannt. Als Gegenstück zur US-Wachstumsbörse Nasdaq gegründet, sollten junge Firmen der New Economy die Chance haben, sich schnell mit Kapital zu versorgen. Nicht Umsatz oder Gewinn waren entscheidend, sondern eine vermeintlich überzeugende "Story". Jede vage Geschäftsidee versprach zur Goldgrube zu werden und lockte Anleger an, die von amerikanischen Vorbildern träumten: Von der Garage zum milliardenschweren Weltkonzern.

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