″Traumschiff″-Star Siegfried Rauch gestorben | Aktuell Deutschland | DW | 12.03.2018
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Deutschland

"Traumschiff"-Star Siegfried Rauch gestorben

Er stand unter anderem mit Steve McQueen vor der Kamera und war 14 Jahre lang das Gesicht des ZDF- "Traumschiffs". Nun ist Siegfried Rauch im Alter von 85 Jahren tödlich verunglückt.

Rauch verunglückte bei einem Treppensturz in seinem Wohnort Untersöchering südlich von München. "Er starb noch an der Unfallstelle", teilte das Management mit. Um die genaue Todesursache herauszufinden, werde der Leichnam obduziert. Zunächst hatten verschiedene Medien den Tod des Schauspielers gemeldet.

Bayerische Heimat statt Hollywood

Nicht zuletzt durch seine Rolle im ZDF-"Traumschiff" war Rauch zu einem der beliebtesten deutschen Schauspieler aufgestiegen. Als Kapitän Jacob Paulsen stand er dort ab 1999 für 14 Jahre auf der Kommandobrücke. Der Durchbruch als Schauspieler gelang ihm jedoch bereits Anfang der 1970er Jahre: 1971 spielte er im Klassiker "Le Mans" an der Seite seines guten Freundes Steve McQueen einen Rennfahrer und überzeugte dabei ohne viele Worte. Der Sprung nach Hollywood wäre möglich gewesen, doch die bayerische Heimat war Rauch wichtiger als das große Geld in Amerika.

In der ländlichen Idylle mit Blick auf die Alpen fühlte er sich wohl, seit 1973 lebte er in einem Bauernhaus in der Nähe von Murnau. "Wenn ich arbeite, muss ich glücklich sein, und das kann ich nur in meinem Bauernhaus in Bayern und mit meiner Familie", sagte er einmal in einem Interview.

Von der Kinoleinwand zum Fernsehn-Star

Statt auf den Kinoleinwänden war Rauch immer öfter im Fernsehen zu sehen. So jagte er etwa in der Familienserie "Es muss nicht immer Kaviar sein" ab 1977 als Spion Thomas Lieven über den Fernsehschirm - und zeigte dabei seine charmante Seite. Auch nach der Zeit als "Traumschiff"-Kapitän stand er noch als Dr. Roman Melchinger in "Der Bergdoktor" bis ins hohe Alter vor der Kamera.

Erst 2015 erfüllte sich Rauch "einen Lebenstraum" und veröffentlichte die CD "Moonlight & Lovesongs". "Früher spielten Männer abends vorm Schlafzimmerfenster ihrer Angebeteten auf der Gitarre. Heute sind nur noch Italiener wahre Romantiker", sagte er dazu in einem Interview. Mehr als 30 Jahre zuvor hatte er schon einmal eine Platte herausgebracht.

Bodenständig und pragmatisch

Auch nach seinem Abschied vom "Traumschiff" blieb der vom Ammersee stammende Rauch dem Wasser treu: Das Segeln wurde seine liebste Freizeitbeschäftigung, wie er in einem Interview erzählte. "Ich bin jetzt Kapitän auf meinem eigenen Segelboot." Auch bei den Dreharbeiten habe er von seiner Seetauglichkeit profitiert. "Je mehr es auf dem Wasser wackelt und schaukelt, umso wohler fühle ich mich", erzählte er 2015.

Von seinen Zuschauern wurde Rauch, der ursprünglich Architekt werden wollte, für seine sanfte und bodenständige Art mit großer Beliebtheit belohnt. Ihm selbst war das eher suspekt. "Meine zwei Söhne sagen dazu immer: 'Weil du so bist, wie du bist', sagte Rauch vor seinem 85. Geburtstag - und blieb wie so oft pragmatisch: "Wieso soll ich denn auch anders sein?"

Pragmatisch war Rauch auch, wenn es um das Leben und den Tod ging. Das Schicksal habe alles in der Hand, da sei er sich sicher. Und auch, dass es da "irgendetwas zwischen Himmel und Erde" gebe, "was wir nicht so ganz begreifen können", war für ihn ausgemacht. Überraschen lassen wollte er sich aber nicht von diesen Kräften und suchte sich daher schon vor vielen Jahren einen schönen Platz auf dem Friedhof aus - mit Alpenblick.

ww/bri (afp, dpa)