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Bildung

Traumjob Schriftsteller

Einen Roman, eine Kurzgeschichte oder ein Gedicht herauszugeben, das wünschen sich viele Studenten. Damit die Veröffentlichung kein Traum bleibt, haben Studenten in Würzburg ihren eigenen Verlag gegründet.

Christiane Busch, Michael Pfeuffer und Christine Ott (v.l.n.r.), Mitbegründer des Studentenverlages Stelllwerck (Foto: dpa)

Weichensteller: Christiane Busch, Michael Pfeuffer und Christine Ott (von links)

Als die beiden Würzburger Studenten Christine Ott und Michael Pfeuffer vergangenes Jahr im Zug von Berlin nach Hamburg saßen, kam ihnen die Idee: Stellwerck – so sollte ihr neuer Verlag heißen. So wie die Häuschen neben den Schienen, in denen Bahnmitarbeiter die Züge auf die richtigen Gleise lenken und die Signale steuern. "Wir wollen Weichen stellen für junge Literaten und ihnen eine Möglichkeit geben, ein Publikum zu finden", erklärt Annalena Schott.

Denn das ist heute keinesfalls leicht. So mancher Student hat sich schon gewünscht, in Goethes oder Schillers Fußstapfen zu treten und seine Gedichte oder Erzählungen an einen großen Verlag geschickt. Natürlich in der Hoffnung, dort als Nachwuchstalent entdeckt zu werden. Meistens aber landet sein Manuskript ungelesen in einem Papierkorb. Zusammen mit zahlreichen anderen unverlangt eingesendeten Texten. Im Stellwerck-Verlag dagegen wird jede Zeile aufmerksam gelesen und diskutiert.

Ein Verlag von Studenten für Studenten

Noch ist der Verlag winzig: Vier Studenten bilden das Team. Christine Ott und Michael Pfeuffer kümmern sich als Gründungsmitglieder um Programm und Produktion, Annalena Schott betreut das Lektorat und Christiane Busch ist für den Vertrieb zuständig. Das Gründungskonzept der vier Studierenden ist ehrgeizig. "Wir wollen uns um all diejenigen kümmern, die im deutschen Literaturbetrieb keine Chance haben, weil sie zu jung, zu unbekannt oder zu ausgefallen sind", sagt Christine Ott. "In dieser Hinsicht verstehen wir uns als Richtungsweiser für die neue junge Literatur."

Weichen hat der Stellwerck-Verlag bereits gestellt. "Signalstärke hervorragend" heißt das erste Buch, das im Oktober 2009 erschienen ist. Eine bunte Mischung aus Gedichten, Kurzgeschichten, szenischen Texten und Zeichnungen von 24 jungen Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Weit über 100 hatten seit Oktober 2008, der Geburtsstunde von Stellwerck, Texte nach Würzburg geschickt. Alltagssituationen wurden darin erzählt. Einige Beiträge zeichnete ein radikaler Blick auf die Wirklichkeit aus. Andere Texte jonglierten mit der Erzählperspektive, wie es seit Alfred Döblin, dem Verfasser des Romans "Berlin Alexanderplatz", keiner mehr wagte.

Buchpremiere: Die Autoren Maria Held, Nathalie Keigel, Axel Roitzsch, Oliver Berger und Annelie Kaufmann tragen ihre Texte vor (Foto: Stellwerck-Verlag)

Buchpremiere! Die Autorinnen und Autoren lesen aus der Anthologie "Signalstärke hervorragend".

Professionelle Textarbeit

Zu den Autoren des Erzählbands gehört der 25-jährige Oliver Berger, der in Würzburg Pädagogik und Literaturwissenschaft studiert. Seine Texte führte er zunächst auf Poetry Slams auf, jetzt ist er stolz auf seine erste Veröffentlichung in einem Buch. Auch die Pädagogikstudentin Dorothea Weismantel sieht sich bestätigt: "Für mich ist es ein erster Schritt zum häufigeren Veröffentlichen, vielleicht werde ich auch selbst einmal etwas herausgeben."

Die beiden Autoren waren zunächst unsicher, ob sich ihre Texte für eine Veröffentlichung eignen. Im Austausch mit den Stellwerck-Mitarbeitern hatten sie jedoch die Chance, professionell an den Texten zu feilen. "Das war ziemlich anstrengend", erinnert sich Oliver Berger. "Die Texte gingen häufig hin und her, und ich wollte anfangs nicht wirklich etwas ändern." Über die Kompromisse ist er im Nachhinein aber froh.

Finanziert aus eigener Tasche

Auch für die Verleger war die Buchproduktion anstrengend. Als das Buch im Sommer fertig werden sollte, arbeiteten sie beinahe ununterbrochen daran. Finanziell lohnt sich dieser Aufwand nicht. Die vier Studenten bezahlen alles aus eigener Tasche. Ihre Motivation ist eine andere: "Weil man Literatur liebt", sagt Annalena Schott. "Und wenn man an einen besonders guten Text gerät, dann ist das ein Hobby, ein sehr schönes Erlebnis."

Deshalb sucht der Stellwerck-Verlag weiter nach Autoren. Gerne nehmen die Studenten auch fremdsprachige Texte etwa in Englisch oder Französisch. Am 31. März ist Einsendeschluss für das nächste Buch. Dann werden die vier Stellwerck-Mitglieder wieder Weichen stellen für die Literatur und die Autoren von morgen.

Autorin: Eva Maria Marquart (mit dpa)
Redaktion: Sabine Damaschke