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Alltagsdeutsch – Podcast

Traumberuf Friseur(in)?

Kreativ sein können, relativ gering entlohnt werden und mit einer großen Konkurrenz leben müssen: Das trifft auf den Friseurberuf zu. Er ist zwar immer noch beliebt, aber die Zahl der Auszubildenden geht zurück.

Audio anhören 07:33

Traumberuf Friseur(in)? – die Folge als MP3

DAS MANUSKRIPT ZUR FOLGE

Sprecher:
Er gehört zu den ältesten und in Deutschland noch immer zu den beliebtesten Handwerksberufen: der Beruf der Friseurin beziehungsweise des Friseurs. Trotzdem hat auch das Friseurhandwerk mit einem großen Problem zu kämpfen: Immer weniger Frauen und Männer in Deutschland wollen sich in einem handwerklichen Beruf ausbilden lassen. Im Friseurberuf sank die Zahl der Auszubildenden von rund 40.000 im Jahr 2006 auf rund 25.000 im Jahr 2013. Ein Grund für den Rückgang ist die geringe Bezahlung, ein weiterer die Vielzahl von Friseursalons – besonders in den Städten –, die sich gegenseitig Konkurrenz machen. Die 20-jährige Rebecca ließ sich trotz allem nicht abhalten, eine Ausbildung in ihrem Traumberuf zu machen. 2012 begann sie ihre Lehre in einem Friseursalon in Leipzig und steht jetzt kurz vor ihrer Abschlussprüfung, der so genannten Gesellenprüfung. Einen Tag, bevor die Prüfer in den Friseursalon kommen, bereitet sie sich mit Hilfe von Kerstin, einer Kundin, die sich dazu bereiterklärt hat, vor:

Rebecca:
„Also wir machen heute normal Wimpern färben und Augenbrauen und Höhen – alles, was für morgen vorzubereiten ist.“

Sprecher:
Seit beinahe einem Jahr kommt Kerstin alle zwei Wochen in den Salon und lässt sich von Rebecca frisieren und schminken. Dieses Mal ist es jedoch etwas anderes. Rebecca will sie schon etwas für die eigentliche Prüfung vorbereiten. Dazu gehört, Kerstin die Wimpern zu färben, die Augenbrauen zu zupfen und die Höhen zu machen. Rebecca verwendet den Begriff hier für eine bestimmte Färbetechnik am Oberkopf. In den etwa 45 Minuten, die die ganze Vorbereitung dauert, mischt Rebecca Farben, trägt sie auf, wäscht und föhnt Kerstins Haare. Extra für die Prüfung hat diese sich die Haare langwachsen lassen. Vor den Augen der Prüfer wird Rebecca sie dann wieder abschneiden. Dass ihr eine Auszubildende die Haare schneidet, stört Kerstin nicht:

Kerstin:
„Immer wieder was Neues. Also wie sie auch meine Haare föhnt, und sie hat ja auch zweimal Haare gefärbt, und da hab ich auch schon gemerkt, wie gut das geworden ist. Und, ja, hatte ich nie irgendwelche Bedenken.“

Sprecher:
Kerstin ist mit Rebeccas Arbeit zufrieden, nicht nur, weil sie Ideen hat, ihr immer etwas Neues vorschlägt. Sie hat sie auch immer gut frisiert. Der Anfang für die Auszubildende war allerdings nicht leicht. Die ersten Versuche unternahm sie an einer Puppe, denn am Menschen zu schneiden ist – wie sie sagt – ein großer Schritt:

Rebecca:
„Man hat gerade da Angst, was falsch zu machen. Weil, gerade an Modellen ist es halt so, man kann halt trotzdem was falsch machen. Und die laufen dann so mit den Haaren rum. Man ist sehr vorsichtig am Anfang.“

Sprecher:
Wer sich als Übungsmodell zur Verfügung stellt, muss für den Haarschnitt oder das Färben meist nur wenig zahlen. Diese Person muss aber dennoch damit rechnen, dass die oder der Auszubildende einen Fehler macht. Das Problem ist – wie Rebecca es umgangssprachlich ausdrückt –, dass diese Person dann so herumlaufen muss, sich so in der Öffentlichkeit zeigt. Zu der Ausbildung gehört neben der praktischen Arbeit auch der Besuch der Berufsschule. Drei Jahre ging Rebecca abwechselnd zwei Wochen dahin, sechs Wochen arbeitete sie im Friseursalon. In der Berufsschule lernte sie einiges: Farbenmischen, den Umgang mit Chemikalien, verschiedene Frisiertechniken, aber auch wirtschaftliches Fachwissen – wie etwa das Führen eines Friseursalons, Rechnungswesen und Wirtschaftslehre. Wer das Friseurhandwerk gut ausüben will, muss manches mitbringen, sagt Charlotte, Rebeccas Ausbilderin, im typisch sächsischen Dialekt:

Charlotte:
„Also klar, das Vorstellungsvermögen muss man haben, kreative Ader muss man schon ‘n bisschen haben und hilft auch viel, wenn man sich e‘ bissel umschaut, was ist so modern. Oder dass man sich e‘ bissel informiert oder bei den Kollegen ‘n bisschen mitguckt. Jeder hat klar auch seine Gebiete, wo er stark drin ist. Aber wir machen auf jeden Fall alle alles. Also von Damenhaarschnitt, Herrenhaarschnitt, Farbe, Kinderhaarschnitt, Dauerwelle.“

Sprecher:
Obwohl jede oder jeder Auszubildende, wie Charlotte sagt, einen Bereich hat, den sie oder er sehr gerne und besonders gut macht, in dem sie oder er stark ist, müssen die übrigen Bereiche auch beherrscht werden. Außerdem müssen sie sich vorstellen können, wie eine Frisur aussieht und wie sie kunstvoll gestaltet werden könnte. Friseurin und Friseur müssen – wie Charlotte es formuliert – ein Vorstellungsvermögen sowie eine kreative Ader haben. Die Redewendung „eine kreative Ader haben“ wird für Menschen verwendet, die künstlerisch begabt sind. Ungeachtet dessen gehen die Ausbildungszahlen zurück, auch im Osten Deutschlands. Katrin Riedel, Vertriebsmanagerin eines sehr großen deutschen Friseurunternehmens, ist seit den 1990er Jahren im Geschäft. Sie hat den Vergleich, wie es vor der deutschen Wiedervereinigung in der früheren DDR war und wie es heute ist:

Katrin Riedel:
„Noch zu DDR-Zeiten ist es so gewesen, dass man sehr, sehr gute Leistungen haben musste, um den Friseurberuf zu lernen, da die Lehrstellen sehr rar gesät waren. Jetzt ist es natürlich ‘n bissel anders. Handwerksberufe sind nicht mehr ganz so interessant, aktuell, bei den Jugendlichen. Jetzt ist es für uns schon schwieriger, diese Lehrstellen zu besetzen. Wir müssen einfach den Beruf attraktiver machen.“

Sprecher:
In der früheren DDR waren besonders gute Schulnoten ausschlaggebend dafür, dass jemand einen Ausbildungsplatz im Friseurhandwerk erhielt. Denn es gab nur wenige Lehrstellen, sie waren rar gesät. Momentan, aktuell, wie Katrin Riedel formuliert, gehört der Beruf aber nicht mehr zu den Traumberufen vieler Jugendlicher. So gibt es mehr angebotene Lehrstellen als Bewerberinnen und Bewerber. Um das zu ändern, meint Katrin Riedel, müssen bessere Bedingungen geschaffen werden. Der Beruf muss attraktiver gemacht werden. Dazu gehört unter anderem auch die Bezahlung. Nach einer gesetzlichen Änderung im Jahr 2014 erhalten Friseure einen gesetzlichen Mindestlohn. Rebecca bekommt jetzt 7,50 Euro die Stunde. Bereits vor Abschluss ihrer Ausbildung hatte sie schon einen Arbeitsvertrag – umgangssprachlich – in der Tasche.






Arbeitsauftrag
Erarbeitet in eurer Lerngruppe ein Vokabular, das ihr bei einem Friseurbesuch braucht. Was versteht man beispielsweise unter dem Begriff „Dauerwelle“, was ist ein „Kurzhaarschnitt“? Schreibt anschließend einen kurzen Dialog unter der Überschrift: „Mein Besuch beim Friseur“.

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