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Kultur

Traumatische Zustände im Flutgebiet

UN-Generalsekretär Kofi Annan hat die Katastrophengebiete in Indonesien besucht - und psychologische Hilfe für die Überlebenden angemahnt. Deutsche Krisenhelfer berichten ebenfalls von erschütternden Erlebnissen.

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Angehörige suchen noch immer nach ihren Verwandten

"Noch nie zuvor habe ich eine derart vollständige Zerstörung gesehen", sagte UN-Generalsekretär Kofi Annan am Freitag (7.1.) nach einem Flug über das indonesische Katastrophengebiet auf der Insel Sumatra. "Man fragt sich, wo die Menschen sind und was ihnen passiert ist." Annan besuchte nach eigenen Angaben die Stadt Meulaboh an der Westküste von Aceh, die von der Flut fast vollständig mitgerissen wurde. "Wir sahen dort, wie Menschen wieder anfingen, ihr Leben zu organisieren, das sagt etwas über die seelische Belastbarkeit der Menschen aus", sagte Annan. "Aber sie brauchen noch viel Hilfe."

Betende Mädchen in einer Moschee in Banda Aceh, Indonesien

Betende Mädchen in einer Moschee in Banda Aceh

Kofi Annan hat psychologische Hilfe für die Überlebenden angemahnt. "Wir haben viele traumatisierte Menschen gesehen", sagte Annan. Die Überlebenden benötigten nicht nur Unterstützung beim Wiederaufbau ihrer Häuser. Auch müsse ihnen geholfen werden, damit es nicht zu psychologischen Spätfolgen durch die Katastrophe komme. Er glaube aber, dass die Menschen mit Hilfe der indonesischen Regierung und der internationalen Gemeinschaft mit der Zeit in der Lage sein werden, den Folgen der Flutkatastrophe Herr zu werden. Indonesien rechnet inzwischen mit fast 114.000 Toten. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums verloren mehr als 517.000 Menschen durch die Katastrophe auf Sumatra ihr Obdach. Insgesamt werden im Katastrophengebiet mehr als 200.000 Todesopfer befürchtet.

"Das kann sich niemand vorstellen"

Erschöpft und angespannt wirkten auch die elf deutschen Psychologen und Rettungsassistenten, die am 5. Januar aus der Katastrophenregion zurückgekehrt sind. Die Eindrücke werden die Mitarbeiter des Malteser Hilfsdiensts lange nicht vergessen. "Dabei sind uns die schlimmsten Bilder noch erspart geblieben", sagte der 43-jährige Wolfgang Höfges, ein ehrenamtlicher Krisenhelfer, sonst Landesbeamter in Düsseldorf.

"Es ist etwas paradox. Aber eigentlich sind wir ins Paradies geflogen", berichtete Norbert Dietrich, ein Helfer aus Mainz. Bei der Ankunft in Phuket sei die Verwüstung aus der Luft nicht zu erkennen gewesen. "Das war ja nur ein schmaler Streifen an der Küste. Wenige Meter weiter ist die heile Welt." Am Ziel angekommen verschlug es ihm die Sprache. "Das kann sich keiner vorstellen, keine Kamera vermitteln." Auch Höfges war entsetzt. "Ich bin jetzt seit 25 Jahren im Einsatz. So etwas habe ich noch nie gesehen."

Kaum noch Hoffnung

Eine Woche lang halfen die überwiegend hessischen und rheinland- pfälzischen Mitglieder eines Kriseninterventionsteams im Auftrag des Auswärtigen Amtes in Südthailand. Sie suchten in den Krankenhäusern nach deutschen Urlaubern, versorgten sie mit Medikamenten und Verbandsmaterial und bereiteten, wenn nötig, den Transport nach Deutschland vor. "Die Bandbreite ging von leichten Schürfwunden bis zu schwersten Verletzungen", berichtet Höfges. Für die weiterhin vermissten Touristen hat er wenig allerdings nur Hoffnung. "In den Krankenhäusern waren keine Europäer mehr." Positiv überrascht war Höfges jedoch von der guten Ausstattung in den Krankenhäusern. "Das ist fast europäischer Standard." Allerdings würden europäische Touristen bevorzugt behandelt - vor den Einheimischen.

Wer hilft den Einheimischen?!

An den Alltag in Deutschland denken die Rückkehrer noch nicht. "Erst einmal freue ich mich riesig auf meine Familie", sagt Norbert Dietrich. Er habe in Thailand gesehen, wie wichtig neben Psychologen das private Umfeld bei der Aufarbeitung des Erlebten ist. Nach kurzer Pause stellt er, geistig leicht abwesend, fest: "Die Thailänder bekommen keine psychologische Hilfe. Denen bleibt nur die Familie." (arn)

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