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Kultur

Traum vom neuen Konzerthaus geplatzt

Die Idee eines neuen Konzertsaals für München ist vom Tisch. Stattdessen planen Stadt und Freistaat Bayern, die alte Philharmonie zu entkernen und dort einen neuen Saal einzubauen. Musiker sind entsetzt.

Ministerpräsident Horst Seehofer und Oberbürgermeister Dieter Reiter gaben die Entscheidung am Montag (2.2.) im Münchner Rathaus bekannt. Zunächst war spekuliert worden, die Philharmonie mit rund 2400 Plätzen solle abgerissen werden, stattdessen soll jetzt in der alten Hülle ein neuer Saal mit bestmöglicher Akustik eingebaut werden. "Ich will einen Konzertsaal mit Weltniveau", sagte Seehofer.

Vor allem für das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ist das ein herber Rückschlag. Jahrelang hatte sich Chefdirigent Mariss Jansons für den neuen Saal stark gemacht hatte, um seinem Orchester, einem Ensemble von Weltruf, endlich ein eigenes Zuhause zu verschaffen. Auch Stargeigerin Anne-Sophie Mutter hatte erst Anfang Januar angemahnt, dringend einen zeitgemäßen Bau zu errichten. Der internationale Ruf der bayerischen Hauptstadt als Zentrum der klassischen Musik könne sonst Schaden nehmen.

Jahrelange Debatten und Versprechungen

Koalitionsverhandlungen im Willy-Brandt-Haus in Berlin

Ministerpräsident Seehofer macht sich mit der Entscheidung keine Freunde

Schon bei der Eröffnung 1985 war die Philharmonie, die ungefähr 2400 Plätze fasst, von Experten wegen der schlechten Akustik gerügt worden. Der berühmte Dirigent Leonard Bernstein wollte den Bau angeblich sogar abfackeln: "Burn it!" Auch die zweite Münchner Konzerthalle, der Herkulessaal in der Residenz, konnte Musikfreunde nie völlig überzeugen, weil er schlicht zu klein ist.

Seit mehr als zehn Jahren steht die Forderung nach einem modernen Konzertsaal im Raum. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hatte schon mehrmals ein neues Haus versprochen. Nach der jahrelangen Debatte wolle er endlich "Butter bei die Fische" geben, sagte er jetzt. Zahllose Zahllose Standorte seien geprüft und verworfen worden, gegen das anvisierte Gebäude auf dem Gelände des unter Landschaftsschutz stehenden Finanzgartens machten vor allem Naturschützer mobil.

Die ersten Reaktionen auf die Entscheidung fielen durchweg negativ aus. Das sei ein "schwerer Schlag für die weltweit berühmte Orchesterkultur Bayerns", sagte der Chef des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm. Und SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher sprach von einer Scheinlösung, mit der der infrastrukturelle Engpass für das Musikleben Münchens auf Jahre zementiert werde. In einer Woche will Seehofer den Kabinettsbeschluss auf den Weg bringen.

suc/gmf (dpa/BR)