1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Filme

"Traum und Exzess"

Als das Kino laufen lernte - ein faktengesättigter Band zur Frühgeschichte des Kinos. Der Filmwissenschaftler Klaus Kreimeier erinnert an die ersten Jahre der siebten Kunst.

100 Jahre Babelsberg, die fünf wichtigsten Oscars für den Stummfilm "The Artist", Martin Scorseses Hommage an den französischen Stummfilmpionier Georges Méliès - all dass hat dazu beigetragen, dass der Stummfilm und die Anfangsjahre des Kinos in den Köpfen der Zuschauer so präsent sind wie schon lange nicht mehr.

Ein Standardwerk

Etwas länger auf dem Markt ist das Buch "Traum und Exzess - Die Kulturgeschichte des frühen Kinos" von Klaus Kreimeier. Der hatte vor zwei Jahrzehnten schon die Geschichte der UFA in einem voluminösen Band zusammengetragen. Ein Standardwerk bis heute. Auch Kreimeiers neuer Text dürfte schnell dieses Status erringen.

Kreimeier, lange Jahre Professor für Medienwissenschaft an der Universität Siegen, blickt in seinem Buch zurück auf ein Kapitel Film, dass meist übergangen wird. Die 1920er Jahre mit den großen Filmen vor allem des deutschen Kinos und Hollywoods stehen im Vordergrund der frühen Filmgeschichtsschreibung. Dabei sagen uns doch gerade die allerersten Anfangsjahre des Kinos viel über die Entstehung der siebten Kunst.

Das Medium ist die Botschaft

Gerade heute, im so viel und oft beschriebenen digitalen Zeitalter, lohnt der Blick zurück auf die ersten Jahre, als die Bilder laufen lernten. Vieles erscheint im Rückblick als schon einmal dagewesen: "Gesellschaftliche Aufmerksamkeit erlangt nicht das Ereignis selbst", schreibt Kreimeier im Hinblick auf die ersten Filmprojektionen, "sondern seine visuelle Präsenz im Film, in den Fernsehnachrichten oder den Top-News des Internets. Das Kino um 1900 steht am Anfang dieser Entwicklung."

Stummfilmtage in Bonn. Leinwand mit Film (Foto: Praktikantin Katja Kryzhanowskaja)

Faszination frühes Kino: die Internationalen Stummfilmtage in Bonn

Das Kino als Vorbote des Internets? Immer wieder drehen sich Kreimeiers Gedanken um jene Jahre, als Technik und Fortschritt neue Medien wie den Film befruchteten, eine Zeit, die, wie Kreimeier anmerkt, "Schnittstelle zwischen den modernen Fortbewegungs- und Wahrnehmungsapparaten" war. Nicht zufällig ist es eine Eisenbahn, die bei der so oft beschriebenen ersten Kinovorstellung in Paris auf das überraschte Publikum zuraste, so dass dieses, in Unkenntnis des Erlebnisraums Kino, aufschreckte und das Lichtspieltheater panikartig verließ. So zumindest geht die Legende. Immer wieder kommt der Autor auf die Eisenbahn zurück, für ihn Sinnbild der neuen, schnellen Fortbewegungsmittel, die sich parallel zum Kino entwickelten.  

Nur 5 % der Filme sind erhalten...

"Die so populäre wie summarische These, die Brüder Lumière hätten den Dokumentarfilm, der Trickzauberer Méliès den Spielfilm 'erfunden', erwies sich bald als unhaltbar - ebenso die simple Unterscheidung zwischen 'ungestellt' und 'inszeniert', - Kreimeiers unglaublich faktengesättigtes Buch räumt auf mit allen vorschnellen Kategorisierungen und Einordnungen. Wer lesen will und Muße hat, der kann in dem Text wirklich fast alles finden, was es über die Frühgeschichte des Kinos zu wissen gibt. Man muss sich allerdings als Leser erst einmal mit der traurigen Tatsache abfinden, dass die allermeisten Filmstreifen aus der Frühzeit des Kinos als verschollen oder vernichtet gelten. Nur rund 5 % der Filme aus den Anfangsjahren der Kinematografie sind erhalten. Kreimeier zumindest hat viele von ihnen gesehen. Das merkt man seinem Buch an.

Klaus Kreimeier: "Traum und Exzess - Die Kulturgeschichte des frühen Kinos", Zsolnay/Kino, Wien 2011, 414 Seiten, 24,90 Euro, ISBN 978-3-552-05552-0.

Autor: Jochen Kürten
Redaktion: Angela Müller
 

Symbolbild Film Festival roter Teppich

Dossier KINO Favoriten: Die Besten des deutschen Films

Was sind die besten Dramen, die lustigsten Komödien, die Top-Schauspielerinnen und die größten Leinwandhelden? In der Serie "KINO Favoriten" präsentiert das DW-Filmmagazin seine ganz persönliche Auswahl.