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Politik

Trauerzeremonie für Milosevic

Zehntausende Serben haben dem ehemaligen Präsidenten Slobodan Milosevic in Belgrad die letzte Ehre erweisen. Der wegen Kriegsverbrechen angeklagte Ex-Staatschef war vor einer Woche im UN-Gefängnis in Den Haag gestorben.

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Letzte Ehre für Milosevic und die Vergangenheit

Mehr als 50.000 Menschen kamen am Samstag (18.3.) zu der von der oppositionellen Sozialistischen Partei Milosevics organisierten Trauerfeier in Zentrum Belgrads. Die Veranstaltung vor dem Parlament zeigte viele Merkmale eines Staatsbegräbnisses, das aber die Regierung abgelehnt hatte. So wurde die ganze Feier mit den Reden der sozialistischen Politiker live im Fernsehen übertragen.

Mehrere Gefolgsleute hielten als Ehrengarde neben Milosevics Sarg Wache, der in eine serbische Flagge gehüllt vor dem Parlamentsgebäude aufgebahrt war. Die Führung der Sozialistischen Partei nutzte die Zeremonie zu heftigen Angriffen auf den Westen und die Reformbefürworter in der serbischen Regierung.

Für viele ist Milosevic nach wie vor ein Held

"Slobo ist ein Held und Helden sterben nie", hieß es auf einem Transparent, auf einem anderen "Das Tribunal mordet". Dies bezog sich auf Gerüchte, wonach das UN-Tribunal schuld an seinem Tod war. Die Untersuchung der Leiche Milosevics ergab nach UN-Angaben aber keine Hinweise auf eine Vergiftung. Es seien keine Medikamente in lebensbedrohlichen Konzentrationen gefunden worden, sagte der Präsident des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag, Fausto Pocar. Milosevic war am vergangenen Samstag (11.3.) tot in seiner Zelle gefunden worden. Er erlag einem Herzinfarkt.

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Die serbische Regierung hatte ein Staatsbegräbnis für ihn abgelehnt. Vielen Serben gilt der ehemalige Präsident aber trotz seiner Verantwortung für die blutigen Jugoslawienkriege, die Tausenden das Leben kosteten und die den Zerfall des Vielvölkerstaats nicht verhinderten, als Held. Schon am Donnerstag und Freitag hatten ihm rund 70.000 Anhänger die letzte Ehre erwiesen.

"Beerdigung der Vergangenheit"

Der stellvertretende serbische Ministerpräsident Miroljub Labus rief seine Landsleute auf, mit Milosevic auch die Vergangenheit zu beerdigen. "Wir stehen vor der Frage, ob Serbien sich von seiner Vergangenheit lösen kann", sagte Labus in einem Interview der Zeitung Politika. "Ich hoffe sehr, dass Milosevics Vorstellungen von Serbien mit ihm beerdigt werden." Er rief die Serben auf, "an die Generation von morgen" zu denken. Die noch gesuchten Kriegsverbrecher wie der Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, und sein General Ratko Mladic müssten an das Tribunal ausgeliefert werden.

Nach der Trauerfeier vor dem serbischen Parlament wurde der Leichnam Milosevics in das 50 Kilometer südlich gelegene Pozarevac übergeführt, seinen Geburtsort, in dem er beigesetzt wurde. Auch dort wurden zehntausende Trauergäste erwartet. Von Milosevics engsten Familienangehörigen, die in Russland im Exil leben, nahm jedoch keiner an dem Begräbnis teil. Weder Milosevics Frau, Mirjana Markovic, noch sein Sohn Marko und Bruder Borislav reisten nach Serbien. Ihnen droht dort eine Festnahme wegen Vorwürfen des Machtmissbrauchs. (wga)

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