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Kultur

Trauerfeier für Ralph Giordano

Ein unermüdlicher Mahner vor Antisemitismus und ein streitbarer Publizist bis ins hohe Alter: Am 10. Dezember 2014 starb Ralph Giordano mit 91 Jahren. Jetzt wurde er in seiner Heimatstadt mit einer Trauerfeier geehrt.

Einen Tag nach dem Terroranschlag auf die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" in Paris war das Thema auch bei der Trauerfeier (8.1.) allgegenwärtig. "Er hätte auch zu Charlie Hebdo die richtigen Worte gefunden", sagte Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz im Ernst Deutsch Theater vor rund 250 Zuhörern. Scholz würdigte den 1923 in Hamburg geborenen

Giordano

als einen "Freiheitskrieger, der aggressiv, feinsinnig, aber klar und differenziert" war. Hamburg und die Kultur in Deutschland hätten eine wichtige Stimme verloren.

Die politische Publizistin Lea Rosh (78), die als Mitiniatorin des Berliner Holocaust-Mahnmals Giordano als streitbaren Gesprächspartner schätzte, nannte ihn einen "Mahner, der die richtigen Sachen richtig ausdrückte". Sie erinnerte nochmal an seine Warnungen vor dem Islamismus im Zusammenhang mit dem Bau der Großen Moschee in Köln. Giordano hatte sich mit seiner kritischen und unbequemen Position viele Feinde gemacht.

Seine Freundin, die Journalistin und Schauspielerin Peggy Parnass (80), verwies in ihrer Rede auf die vielen Drohbriefe bis hin zu Morddrohungen, die Giordano nach jeder publizistischen Veröffentlichung erhielt.

Stolz auf seine Zugehörigkeit zum Judentum

Ralph Giordano

Der Hamburger Landesrabbiner Slomo Bistritzky hob hervor, wie eng sich Giordano als bekennender Atheist mit dem Judentum verbunden fühlte. "Herr Giordano war kein gläubiger Jude, aber sehr stolz auf seine Zugehörigkeit zum Judentum." Unter den Nazis waren Ralph Giordano und seine Familie als Juden verfolgt worden und hatten in einem Versteck in der Hamburger Innenstadt knapp überlebt.

Diese Erlebnisse verarbeitete der Schriftsteller, der sich auch als engagierter politischer Fernsehjournalist einen Namen machte, in der Familiensaga "Die Bertinis". Der Roman sei längst Teil der Hamburger Stadtgeschichte und Giordanos Vermächtnis für seine Heimatstadt, sagte Peter Schmidt von der Hamburger Autorenvereinigung. Später war Köln zu Ralph Giordanos Wahlheimat geworden.

hm/suc (dpa/welt.de)

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