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Politik

Trauerfeier für Arafat in Kairo

Nach dem Tod Arafats laufen die Vorbereitungen für die Trauerfeier in Kairo und seine anschließende Beerdigung in Ramallah. Die Nachfolge Arafats scheint für eine Übergangszeit erst einmal geregelt.

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Palästinensische Sicherheitskräfte in Ramallah

Bei den Palästinenser löste der Tod tiefe Trauer aus. In Gaza gingen am Donnerstag (11.11.2004) tausende trauernde Palästinenser auf die Straßen, schossen in die Luft und steckten Autoreifen an. Die Palästinenserführung rief 40 Tage Trauer aus. Vor Arafats Hauptquartier in Ramallah fuhren Autos mit schwarzen Fahnen, während in den Radiosendern aus dem Koran gelesen wurde.

Überführung nach Kairo

Jassir Arafat war fast zwei Wochen nach seiner Einlieferung in das Militärkrankenhaus Percy bei Paris am frühen Donnerstagmorgen nach langer Krankheit gestorben. Im Krankenhaus Percy bei Paris begannen die Vorbereitung für die Überführung Arafats. Der Leichnam soll noch am Donnerstagabend mit einer Maschine der französischen Luftwaffe nach Kairo geflogen werden.

Die Palästinenserführung hatte sich mit dem Vorschlag des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak einverstanden erklärt, am Freitag in Kairo eine Trauerfeier für Arafat abzuhalten Das Totengebet werde in der Faisal-Moschee in der Nähe des internationalen Flughafens abgehalten, ließ Mubarak verlauten. Anschließend sollen Arafats sterbliche Überreste per Militärhubschrauber zu seinem Hauptquartier Mukataa nach Ramallah im Westjordanland geflogen werden, wo der Verstorbene beigesetzt werden soll.

Arafat solle in einem Steinsarg beerdigt werden, um eine spätere Umbettung nach Jerusalem zu ermöglichen, erklärte Fatah-Sprecher Assam al Ahmed. Israel hat eine Bestattung in Jerusalem abgelehnt und den Gazastreifen als letzte Ruhestätte des verstorbenen Präsidenten vorgeschlagen.

Nachfolge vorübergehend geklärt

Das Exekutivkomitee der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) hat den ehemaligen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas zu ihrem neuen Vorsitzenden ernannt.Faruk Kaddumi wird neuer Generalsekretär der Fatah-Organisation. Regierungschef Ahmed Kureia wird weiter auch den Nationalen Sicherheitsrat der Palästinenser führen. Zudem bestätigte das Parlament am Donnerstagmittag gemäß der palästinensischen Verfassung Parlamentspräsident Rauhi Fattu als Übergangspräsident.

Laut palästinensischem Grundgesetz müssen binnen 60 Tagen Neuwahlen abgehalten werden. Als aussichtsreicher Anwärter gilt der ehemalige Ministerpräsidenten Abbas.

Aus Sorge vor Anschlägen riegelte die israelische Armee dem Militärrundfunk zufolge das Westjordanland vollständig ab und versetzte Polizei und Armee am Donnerstag in erhöhte Alarmbereitschaft. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon sieht den Tod Arafats als mögliche "historische Wende in Nahost". Israels Präsident Mosche Katsav erklärte, Arafats Tod könnte einen Neubeginn in den Beziehungen zwischen Israel und den Palästinensern bedeuten.

Reaktionen aus aller Welt

Regierungen in aller Welt würdigten Arafat. US-Präsident George W. Bush äußerte die Hoffnung, dass die Zukunft den Palästinensern "Frieden und die Erfüllung ihres Strebens nach einem unabhängigen, demokratischen Palästina" bringe, das in Frieden mit seinen Nachbarn lebe. Frankreichs Präsident Jacques Chirac würdigte Arafat als "Mann des Mutes und der Überzeugung". Zugleich pochte er auf die Umsetzung des internationalen Nahost-Friedensplans.

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat den Tod Arafats in einem Beileidstelegramm als großen Verlust für das palästinensische Volk bezeichnet. Arafats Streben sei lebenslang auf die Schaffung eines unabhängigen, lebensfähigen Staates für die Palästinenser gerichtet gewesen. "Es war Jassir Arafat nicht vergönnt, sein Lebenswerk zu vollenden", schrieb Schröder. Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) sprach vom "Ende einer Ära". Arafats Leben stehe für die "wechselvolle und tragische Geschichte des palästinensischen Volkes und des Nahen Ostens insgesamt". Fischer wird im Gegensatz zu Bundeskanzler Schröder an der Trauerfeier am Freitag teilnehmen. (stl)

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