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Aktuell Deutschland

Trauer und viele Fragen nach dem Feuer

Große Betroffenheit und Trauer herrschen in Baden-Württemberg nach dem Feuer in einer Behindertenwerkstatt. 14 Menschen starben bei dem Unglück in Titisee-Neustadt. Die Opfer sind inzwischen identifiziert.

Das beim Brand verwüstete Caritas-Gebäude am Tag danach (Foto: dpa)

Nach Großbrand in Caritaswerkstatt

Zehn Frauen und drei Männer mit Behinderungen sind ums Leben gekommen. Auch für eine 50-jährige Betreuerin kam jede Hilfe zu spät. Nach Einschätzung des Einsatzleiters der Polizei, Alfred Oschwald, starben alle vermutlich an einer Rauchvergiftung. Der Großbrand in Titisee-Neustadt war die bislang folgenschwerste Katastrophe in einer Einrichtung dieser Art in Deutschland. Acht Menschen wurden bei dem Brand schwer verletzt, sind aber nicht in Lebensgefahr.

120 Menschen waren in dem Haus

Als das Feuer ausbrach, seien 120 Menschen in dem Gebäude gewesen, sagte Kreisbrandmeister Alexander Widmaier. Die Feuerwehr hatte in einer dramatischen Aktion viele der geistig oder mehrfach behinderten Menschen aus dem brennenden und völlig verrauchten Betrieb der Caritas gerettet. Einige der Behinderten saßen hilflos im Rollstuhl.

Video ansehen 01:47

Deutschland: Trauer nach Großbrand

Die Ursache des Brandes ist noch nicht geklärt. Bereits in der Nacht hatte eine Gruppe von Ermittlern der Polizei nach Spuren gesucht. Da Feuer und Rauch im Inneren des Gebäudes große Schäden anrichteten, gestaltet sich die Spurensuche allerdings schwierig. Im Einsatz sind auch Brandsachverständige. Hinweise auf fehlende Sicherheitseinrichtungen oder Mängel beim Brandschutz habe es bisher nicht gegeben, hieß es.

Möglicherweise explodierten in einem Lagerraum Chemikalien, der Betrieb verarbeitet Holz. Gut zwei Stunden brauchte die Feuerwehr, um den Brand unter Kontrolle zu bekommen.

Auch die Feuerwehr blieb in der Nacht am Unglücksort, um ein erneutes Aufflammen des Brandes zu verhindern. Etwa 300 Feuerwehrleute, Sanitäter und Polizisten waren insgesamt im Einsatz, auch Rettungshubschrauber waren vor Ort.

Ein Feuerwehrmann begleitet einen Verletzten (Foto: dpa)

Helfer vor Ort unterstützten die Überlebenden nach Kräften

Politiker zeigten sich erschüttert

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erkundigte sich bei dem Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann (Grüne), über die Katastrophe. "Sie ist tief erschüttert, sprachlos und fassungslos angesichts dieser schrecklichen Ereignisse", sagte Kretschmann, der sich bestürzt vor Journalisten am Unglücksort äußerte. Auch Bundespräsident Joachim Gauck gedachte der Opfer.

Ministerpräsident Kretschmann und Landesinnenminister Reinhold Gall (SPD) waren mit einem Hubschrauber zum Unglücksort geflogen, der rund 40 Kilometer östlich von Freiburg im Breisgau liegt. "Der Brand ist eine Katastrophe für die Betroffenen, für den Ort und ganz Baden-Württemberg", sagte Kretschmann.

Unterdessen setzte auch eine Diskussion über mögliche Konsequenzen ein. Der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) forderte spezielle Sicherheitskonzepte für solche Einrichtungen. "Menschen mit Behinderungen haben verlängerte Reaktionszeiten und können in Gefahrsituationen unberechenbar handeln", heißt es in einer Erklärung des Verbandes. Dem müssten sogenannte vernetzte Sicherheitskonzepte Rechnung tragen.

Vor sechs Jahren saniert

Feuerwehr und Rettungskräfte in Titisee-Neustadt (Foto: dpa)

Die Feuerwehr blieb in der Nacht am Unglücksort

In der betroffenen Caritas-Werkstatt arbeiten bis zu 120 Menschen mit Behinderungen. Für Gerettete, Angehörige und Einsatzkräfte richtete die Einsatzleitung einen Betreuungsstützpunkt ein. Dort kümmerten sich Psychologen um etwa 100 Menschen, wie ein Polizeisprecher sagte. Beim Deutschen Caritas-Verband herrschte große Trauer und Verwirrung. "Man versteht nicht, was passiert ist. Man kann sich das nicht erklären", sagte eine Sprecherin. Die Werkstatt wurde 1979 gegründet und vor sechs Jahren grundlegend saniert und um einen Neubau erweitert. In dem Neubau war das Feuer ausgebrochen.

ml/se (dpa, rtr, dapd)

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