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Europa

Trauer und Politik am Invalidendom

Bei der Trauerfeier für die Opfer der Terrorattacken vom 13. November gab es persönliche Momente und eine politische Botschaft des französischen Präsidenten an den "Islamischen Staat". Aus Paris berichtet Barbara Wesel.

Es war eine sehr französische Trauerfeier: Eine Mischung aus staatlicher Repräsentation, nationaler Selbstvergewisserung und persönlichen Emotionen, nicht nur bei den Angehörigen der Opfer, sondern auch bei Präsident Francois Hollande. Geladen waren in den Ehrenhof des Invalidendoms in Zentrum von Paris neben den Spitzen der französischen Regierung und der Parteien die Familien der Opfer, Überlebende der Anschläge und die Helfer aus der Nacht vom 13. November. Unter ihnen Ärzte, Polizisten, Feuerwehrleute, die alles getan hatten um so viele Verletzte zu retten wie möglich. Der Ort der Feier hatte durchaus symbolische Bedeutung: Hier ehrt die Nation sonst ihre Kriegsgefallenen, zum ersten Mal wurde dort ziviler Terroropfer gedacht.

Frankreich erinnert an seine kulturelle Tradition

Es waren die Chansons, die durch den Ehrenhof des Gebäudes aus dem 17. Jahrhundert schallten, die den emotionalen Grundton dieser Feier setzten. Jaques Brels "Wenn uns nur Liebe bleibt", vorgetragen von drei jungen Sängerinnen, sollte eine Hommage an die vielen jungen Menschen sein, die bei den Anschlägen ihr Leben verloren. Ein Lied, das die alles überwindende Kraft der Liebe angesichts von Trauer und Verlust beschwört. Und danach eines der bekanntesten Chansons von Barbara, "Perlimpinpin" mit seiner Absage an die Gewalt: "Für wen, wie, wann und warum" heißt es da, "genug von eurer Gewalt". Und es endet mit der Erinnerung an die Lebensfreude und einen Neubeginn.

Frankreich Trauer für die Opfer der Anschläge Verletzte

Unter den Gästen waren auch Menschen, die bei den Terrorangriffen verletzt wurden

Der feierlichste Moment dieser Zeremonie war die Verlesung der Namen aller 130 Toten, deren Bilder zugleich auf einer großen Leinwand erschienen. Alle Anwesenden erhoben sich von ihren Plätzen, und nicht nur Präsident Hollande war die Rührung anzusehen, auch den Politikern an seiner Seite war die Bewegung anzumerken. Wobei die Kameras der Fernsehübertragung auf Anweisung des französischen Innenministeriums nicht die Gesichter der trauernden Angehörigen zeigen durften. Ihnen sollte soviel Diskretion zuteil werden, wie im Rahmen eines solchen Staatsaktes mit mehr als 1000 geladenen Gästen möglich.

Weder Hass noch Angst

Der Präsident ergriff als einziger bei dieser Feier das Wort. Die Trauerfeier sollte keine politische Manifestation sein, hatte sein Sprecher zuvor erklärt, sondern allein dem Gedenken der Opfer gewidmet sein. Das begründet auch die Abwesenheit ausländischer Staatsgäste, obwohl Menschen aus 17 Ländern den Terroranschlägen zum Opfer gefallen waren.

Frankreich Trauer für die Opfer der Anschläge Trauergäste Francois Hollande Rede

Im Ehrenhof des Invalidendoms

"130 Namen, 130 die aus dem Leben gerissen sind, 130 zerstörte Schicksale, 130 Mal Lachen, das wir nicht mehr hören werden, 130 Stimmen, die für immer verklungen sind", sagte Francois Hollande in seiner kurzen Rede. "Sie kamen aus unseren Städten, aus den Vororten, aus den Dörfern. Sie kamen auch aus dem Ausland. 17 Länder trauern heute mit uns". Und er nannte es ein Zeichen der Brüderlichkeit, dass die Franzosen immer noch zu den Orten der Anschläge in Paris pilgerten, um dort Blumen niederzulegen und Kerzen zu entzünden. Diese Terrorattacken seien auch Angriffe auf die Jugend gewesen, eine Jugend, die die Kultur liebe, nicht nur die eigene, sondern alle Kulturen. Und Hollande versprach, das sich das nicht ändern werde, sondern die Franzosen weiter Konzerte und Sportveranstaltungen besuchen würden: "Wir werden weder dem Hass noch der Angst nachgeben".

Haltung: kämpferisch

Im politischen Teil seiner Trauerrede erlebte man den französischen Präsidenten dann in der gleichen kämpferischen Haltung, wie er sie seit den Anschlägen durchweg zeigt: "In einem aus der Ferne organisierten und kaltblütig ausgeführten Kriegsakt hat eine Horde von Mördern im Namen einer wahnsinnigen Sache 130 der Unseren getötet". Und der Präsident fügte hinzu: "Ich verspreche, dass Frankreich alles tun wird, um die Armee von Fanatikern, die für diese Verbrechen verantwortlich sind, zu zerstören".

Frankreich Trauer für die Opfer der Anschläge Trauergäste Invalidendom

Hollande nutzte seine Rede für eine erneute Kampfansage an den IS

Erst Stunden zuvor war Francois Hollande aus Moskau zurückgekehrt, wo er die Hilfe des russischen Präsidenten für den Kampf gegen den IS suchte. Zuvor hatte er bereits die Unterstützung von Angela Merkel erhalten und die Zusage des britischen Premiers, sich ebenfalls militärisch an den Luftangriffen in Syrien gegen IS-Stellungen beteiligen zu wollen. Er sieht sich und sein Land seit den Anschlägen im Krieg, und lässt unablässig Luftangriffe gegen IS-Stellungen in Syrien fliegen. Sein wichtigstes politisches Ziel ist dabei, mit einer möglichst breiten internationalen Koalition den sogenannten "Islamischen Staat" militärisch zu vernichten.

Mit kriegerischen Tönen endete schließlich auch die Trauerfeier am Invalidendom - mit der "Marseillaise", der französischen Nationalhymne. Sie soll die Franzosen in ihrem Nationalgefühl und im Kampfesmut vereinen, wie es auch diese Stunde des nationalen Gedenkens in Paris versucht hat.

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