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Aktuell Amerika

Trauer um US-Journalistin Helen Thomas

Sie saß in der ersten Reihe. Sie sah Präsidenten kommen und gehen. Für Berichte aus Washington stand sie wie Woodward und Bernstein, die Enthüller des Watergate-Skandals. Nun ist die Journalistin Helen Thomas gestorben.

Die 92-Jährige sei am Samstag nach langer Krankheit in Washington verstorben, teilte die Journalisten-Organisation Gridiron Club mit. Helen Thomas war selbst Vorsitzende der prestigeträchtigen Vereinigung und deren erstes weibliches Mitglied gewesen. Seit 1961 hatte sie als Korrespondentin in Washington gearbeitet, zunächst für die Nachrichtenagentur United Press International (UPI). Fast ein halbes Jahrhundert berichtete sie aus dem Weißen Haus, wo in der ersten Reihe des Pressesaals stets ein namentlich gekennzeichneter Platz für sie reserviert war.

"Endlich aus Palästina verschwinden"

Im Jahr 2010 zog sich Thomas, die für ihre direkte Wortwahl bekannt war, nach kritischen Äußerungen über Israel in den Ruhestand zurück. Bei einer Feier im Weißen Haus zum jüdischen Erbe hatte sie auf die Frage, ob sie etwas zu Israel zu sagen habe, mit den Worten geantwortet: "Sagen Sie ihnen, sie sollen endlich aus Palästina verschwinden." Die Palästinenser seien Opfer einer Besatzung, "und es ist ihr Land", fügte sie damals hinzu. Später entschuldigte sich die damals für den Medienkonzern Hearst arbeitende Journalistin für diese Äußerungen.

US-Präsident Barack Obama (Foto:Reuters)

Ihr letzter....

Präsident Barack Obama würdigte die White-House-Korrespondentin als "wahre Pionierin". Sie habe für Generationen von Frauen im Journalismus Türen geöffnet und Hürden eingerissen. "Was Helen zur Vorsitzenden des White-House-Pressekorps gemacht hat, war nicht allein die Länge ihres Wirkens, sondern der tiefe Glaube, dass Demokratie am besten funktioniert, wenn wir scharfe Fragen stellen und unsere Führer zur Verantwortung ziehen", erklärte Obama in Washington. Der frühere US-Präsident Bill Clinton und seine Frau Hillary sprachen von Thomas' "außerordentlicher" Arbeit und lobten ihren "Einsatz für die Rolle einer starken Presse in einer gesunden Demokratie".

John F. Kennedy

...und ihr erster Präsident

Helen Thomas gehörte dem von männlichen Journalisten dominierten White-House-Pressekorps seit 1961 an und berichtete in dieser Zeit über zehn Präsidenten - von John F. Kennedy bis Barack Obama. Zuletzt war es Tradition, dass die linksgerichtete Thomas die erste Frage stellen durfte, wenn der Präsident selbst vor die Journalisten trat. Das machte ihr Gesicht über die USA hinaus bekannt. Dem Journalismus wird es fehlen.

ml/sti (dpa, rtr, afp)