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Aktuell Europa

Trauer um Gyula Horn

Eine Tat machte ihn weltberühmt: 1989 öffnete Gyula Horn die Grenze zu Österreich, zehntausende DDR-Bürger konnten in den Westen gehen. Jetzt ist Horn nach langer Krankheit gestorben.

Es war ein Schritt von hoher Symbolik, der Europa verändern sollte: Am 27. Juni 1989 durchschnitt Horn als Außenminister der reformkommunistischen Regierung Ungarns zusammen mit seinem österreichischen Kollegen Alois Mock die Stacheldraht-Grenze zwischen beiden Ländern. Die Öffnung des "Eisernen Vorhangs" war ein Meilenstein bei der Überwindung der Teilung Europas.

Horn (r) und der österreichische Außenminmister Mock zerschneiden den Grenzzaun (Foto: dpa)

Horn (rechts) und der österreichische Außenminmister Mock zerschneiden den Grenzzaun

In den folgenden Wochen gelangten zehntausende fluchtwillige DDR-Bürger über die nun kaum noch bewachte Grenze in den Westen.  Am 10. September 1989 gab Horn im ungarischen Staatsfernsehen bekannt, dass die in Ungarn festsitzenden DDR-Bürger fortan auch offiziell das Land in Richtung Österreich verlassen könnten. Der gewaltige Ausreisestrom führte mit zum Machtverfall des DDR-Regimes und zum Fall der Berliner Mauer zwei Monate später.

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Seit Jahren im Koma

Von 1994 bis 1998 war Horn Ministerpräsident der zweiten frei gewählten Regierung Ungarns. Er stand damals an der Spitze der sozialdemokratischen Ungarischen Sozialistischen Partei (MSZP), die aus dem Reformflügel der Kommunistischen Partei hervorgegangen war. 2007 erlitt er einen gesundheitlichen Zusammenbruch. Seitdem lag er im Budapester Militärkrankenhaus im Koma.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle äußerte "große Betroffenheit" über Horns Tod. Der Politiker sei ein "großer Europäer" gewesen, der "in einem entscheidenden Moment der europäischen Geschichte das Richtige tat und die europäischen Werte der Freiheit und Menschlichkeit gelebt hat", erklärte Westerwelle in Berlin. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sagte, Horn sei als Außenminister maßgeblich an der Öffnung des Eisernen Vorhangs 1989 beteiligt gewesen. "Als Ministerpräsident hat er das Zusammenwachsen Europas entscheidend vorangetrieben. Deutschland verliert mit Gyula Horn einen besonderen Freund, die SPD einen engen Weggefährten", so Gabriel.

wl/kle (dpa, afp)