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Aktuell Deutschland

Trauer um Ex-Ministerpräsident Lothar Späth

Baden-Württembergs ehemaliger Ministerpräsident Lothar Späth ist tot. Der Christdemokrat starb im Alter von 78 Jahren.

Darüber sei das Staatsministerium in Stuttgart informiert worden, sagte ein Sprecher der Landesregierung. Der Politiker sei nach längerer Krankheit verstorben, teilte der amtierende Bundesratspräsident und sächsische Regierungschef Stanislaw Tillich in der Länderkammer mit. Späth habe sich "großartige Verdienste" um sein Bundesland erworben, sagte Tillich. Auch beim Aufbau der ostdeutschen Bundesländer sei man ihm "zu großem Dank verpflichtet", das gelte für Sachsen, aber auch für Thüringen. "Wir teilen die Trauer der Angehörigen um Lothar Späth." Er sei "ein großartiger Politiker der Bundesrepublik Deutschland" gewesen.

"Mit eigenständigen und zuweilen unbequemen Standpunkten vertrat er konsequent die Interessen seiner Landsleute", beschreibt Bundespräsident Joachim Gauck das Engagement von Lothar Späth. Im Osten habe Späth mit seinem persönlichen Engagement beim Wiederaufbau der Wirtschaft nach der deutschen Einheit Großes geleistet, würdigte er die Lebensleistung des verstorbenen CDU-Politikers. "Lothar Späth hat sich um unser Land verdient gemacht. Wir werden ihn nicht vergessen."

Auch Unionsfraktionschef Volker Kauder hat den Einsatz des gestorbenen Späth für Baden-Württemberg und die CDU gewürdigt. "Seine Kreativität und seine Ideen haben die Wirtschaft beflügelt und damit dem Wohl aller Menschen gedient", erklärte Kauder in Berlin. "Lothar Späth hat das Land Baden-Württemberg vorangebracht." Kauder hat seinen Wahlkreis in Baden-Württemberg.

Späths "Traumschiff-Affäre"

Späth war von 1978 bis 1991 fünfter CDU-Ministerpräsident des 1952 gegründeten Bundeslandes. Anfang der 90-er Jahre stürzte Späth, der sich als Vorstandschef der Baden-Württemberg AG verstand, seine Union in eine tiefe Krise, nachdem Einzelheiten über Auslandsreisen bekannt worden. Es ging um zahlreiche offizielle, halboffizielle und private Reisen auf Kosten der Wirtschaft. Das Wort "Traumschiff-Affäre" machte damals die Runde. Späth zog die Konsequenzen aus den Verdächtigungen und trat damals als dienstältester Ministerpräsident Deutschlands am 13. Januar 1991 zurück. Bei seinen Auftritten im fälligen Untersuchungsausschuss im Landtag wies er einen Zusammenhang von rund 500 Reisen auf Firmenkosten und politischen Gefälligkeiten als "unrealistisch" zurück.

Auch nach seinem Ausscheiden aus der Politik 1991 war er in der Öffentlichkeit und der Wirtschaft stets aktiv. In Thüringen hatte Späth sich mit dem Umbau und der Sanierung des Optik-Industrieunternehmens von Jenoptik beschäftigt. Jenoptik war nach der Umstrukturierung das erste ostdeutsche Unternehmen, das an die deutsche Börse ging.

Seit einigen Jahren äußerte er sich nicht mehr öffentlich. "Er hat sich ins Privatleben zurückgezogen", sagte eine CDU-Sprecherin unlängst im baden-württembergischen Wahlkampf. Die "Bild am Sonntag" hatte kürzlich berichtet, dass Späth an Demenz erkrankt sei und in einem Pflegeheim betreut werde.

pab/stu (afp, dpa)

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