1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Trauer um ermordete DW-Journalisten

Die Deutsche Welle trauert um zwei ermordete Mitarbeiter in Afghanistan. Karen Fischer und Christian Struwe waren in der Nacht zum Samstag im Norden Afghanistans von bisher unbekannten Tätern erschossen worden.

Polizisten untersuchen das Auto der ermordeten Journalisten

Polizisten untersuchen das Auto der ermordeten Journalisten

Am Montag (9.10.2006), 11 Uhr Ortszeit, haben die Mitarbeiter der Deutschen Welle in Bonn und Berlin ihrer beiden ermordeten Kollegen mit einer Trauerfeier gedacht. "Viele Kolleginnen und Kollegen haben Karen Fischer und Christian Struwe gut gekannt und geschätzt. Keiner kann fassen, dass sie nicht mehr da sind. Wir wollen allen hier in der Deutschen Welle die Möglichkeit geben, ihre Anteilnahme und ihr Mitgefühl auszudrücken", sagte Johannes Hoffmann, Pressesprecher der Deutschen Welle. In einem internen Kondolenzbuch der Deutschen Welle werden derzeit persönliche Abschiedsworte gesammelt, die später den Angehörigen überreicht werden sollen.

Erfahrene Auslandsberichterstatter

Die 30-jährige Journalistin Fischer und der 39 Jahre alte Techniker und Fernsehautor Struwe waren in der Nacht zum Samstag (7.10.2006) im Norden Afghanistans von bisher unbekannten Tätern erschossen worden. Die beiden Deutschen waren freie Mitarbeiter der Deutschen Welle und diesmal privat am Hindukusch unterwegs. Sie galten als erfahrene Auslandsberichterstatter und kannten sich aufgrund zahlreicher Dienst- und Privatreisen gut in Afghanistan aus.

Nach Angaben des Innenministeriums in Kabul wurden Fischer und Struwe nachts gegen 1.20 Uhr beim Zelten nahe eines Dorfes im Bezirk Tala wa Barfak ermordet. Martin Ebbing, freier Journalist für den Iran und Afghanistan und ebenfalls gelegentlich für die DW tätig, recherchierte am Tatort und sprach mit Polizei-Vertretern: "Alle Spuren deuten darauf hin, dass die beiden Journalisten Geräusche gehört haben, aus dem Zelt gestürzt sind und dann von Unbekannten erschossen wurden. Beide Körper haben mehrfache Einschusswunden." Durch die Schüsse seien Einwohner auf den Überfall aufmerksam geworden und zu dem Ort. Daraufhin seien vier unbekannte Personen weggelaufen. Man habe zwar versucht, ihnen hinterherzufahren, aber niemanden mehr erwischt", sagte Ebbing.

Taliban bestreiten die Tat

Die Fahndung nach den Tätern läuft, bisher gibt es laut Angaben des afghanischen Innenministeriums aber noch keine eindeutigen Hinweise auf deren Identität oder Motive. Die Regierung der nordafghanischen Provinz Baghlan teilte mit, es seien vier bis sechs Verdächtige identifiziert worden. Weitere Ergebnisse der Fahndung liegen bislang aber nicht vor. Die radikal-islamistischen Taliban dementierten, etwas mit der Ermordung zu tun zu haben. Allerdings gilt nach bisherigem Stand auch ein Raubüberfall als wenig wahrscheinlich, da offenbar weder persönliche Gegenstände noch das Auto der beiden gestohlen wurden.

Steinmeier: "schreckliches Verbrechen"

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier sprach von einem "schrecklichen Verbrechen" und forderte, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. DW-Intendant Erik Bettermann hatte den Angehörigen bereits am Samstag sein Mitgefühl ausgesprochen. Am Sonntag forderte er die afghanischen Behörden und den Partnersender Radio Television Afghanistan auf, die Hintergründe der Ermordung zu klären. Das erwarte er auch von der internationalen Schutztruppe ISAF, sagte Bettermann in einem Interview.

Zugleich betonte er, dass die Deutsche Welle trotz des tragischen Ereignisses ihr Engagement für den Wiederaufbau Afghanistans und ihre Bemühungen um einen Dialog der Kulturen fortsetzen werde. Dies verstehe er auch als Vermächtnis der beiden ermordeten Kollegen, sagte Bettermann. "Sie mussten in einem Land sterben, für das sie ihr ganzes Engagement eingesetzt haben und das sie, so glaube ich zumindest, auch in besonderer Weise lieb gewonnen haben. Sonst hätten sie ihre private Reise nicht auch wieder nach Afghanistan geplant."

Christian Struwe hatte bei dem von der Deutschen Welle unterstützten Aufbau einer internationalen Nachrichtenredaktion beim staatlichen Fernsehen Afghanistans mitgewirkt. Karen Fischer hatte für den Hörfunk der Deutschen Welle unter anderem im vergangenen Jahr über die Parlamentswahlen in Afghanistan berichtet.

Die Redaktion empfiehlt