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Deutschland

Trauer um Bertelsmann-Patriarch Mohn

Der Unternehmer und Verleger Reinhard Mohn ist tot. Der frühere Chef des Bertelsmann-Konzerns machte aus einem kleinen Verlagshaus einen der größten Medienkonzerne der Welt. Mohn wurde 88 Jahre alt.

Reinhard Mohn (Foto: AP/Bertelsmann AG)

Reinhard Mohn: 'Herausragende Persönlichkeit'

Aus einem kleinen Verlag in Gütersloh machte Reinhard Mohn Europas größten Medienkonzern. Er leitete das Unternehmen von 1947 bis 1981 und repräsentierte zusammen mit seiner Ehefrau Liz Mohn die fünfte Generation der Unternehmerfamilien Bertelsmann und Mohn. 1977 gründete er die gemeinnützige Bertelsmann-Stiftung, die heute mit 76,9 Prozent der größte Anteilseigner des Medienunternehmens ist. Die Stiftung soll Vorhaben im Bereich der Ausbildung, Kultur und Sozialpolitik fördern.

Wie die Stiftung am Sonntag (04.10.2009) mitteilte, starb Mohn am Samstag nach langer Krankheit im Alter von 88 Jahren. Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Gunter Thielen, bezeichnete Mohn als "herausragende Persönlichkeit", die die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft der Nachkriegszeit maßgeblich geprägt habe. Der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann AG, Hartmut Ostrowski, sagte, "Mohn habe wie kein anderer" verkörpert, "was Bertelsmann ist: ein weltoffenes und den Mitarbeitern verpflichtetes Unternehmen".

Neumann würdigt Reinhard Mohn

Kanzlerin Merkel (links) mit Reinhard Mohn (Mitte) und dessen Tochter Brigitte Mohn (rechts) bei der Verleihung des Bertelsmann-Preises (Foto: AP)

Mit den Großen der Politik war Mohn auf Tuchfühlung

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) würdigte das kulturelle und soziale Engagement des Bertelsmann-Patriarchen, auch im Namen von Kanzlerin Angela Merkel. Mohn habe seinen legendären Erfolg als Medienunternehmer immer mit einem vorbildlichen gesellschaftlichen, kulturellen und sozialen Engagement verbunden. Sein Lebenswerk werde in der von ihm gegründeten Bertelsmann-Stiftung fortwirken, sagte Neumann.

Mohn wurde am 29. Juni 1921 in Gütersloh geboren. Nach dem Abitur wurde er 1939 zum Wehrdienst eingezogen. Als Leutnant des Afrika-Korps geriet er 1943 in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Kurz nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft übernahm er auf Wunsch des Vaters die Geschäftsleitung des damals noch eher provinziellen Bertelsmann Druck- und Verlagshauses.

Großer Wurf gelang mit "Bertelsmann Lesering"

Eine Filiale des Bertelsmann Buchclubs in Berlin (Foto: dpa)

Buchclub gilt als 'Königsidee'

Als eine der bahnbrechenden Neuerungen galt der Buchclub, den Mohn in den 50er Jahren ins Leben rief. Später erweiterte der langjährige Bertelsmann-Chef den Konzern sowohl ins Ausland als auch um weitere Medien: Plattenfirmen, Zeitschriftenverlage und Fernsehen kamen hinzu. Das Familienunternehmen wurde zu einer nicht börsennotierten Aktiengesellschaft umgebaut. Dabei habe er eine Unternehmenskultur mit dezentralem Führungsverständnis entwickelt, erklärte Thielen.

Reinhard Mohn schied 1981 mit 60 Jahren aus dem Bertelsmann-Vorstand aus, galt aber weiterhin als einflussreich. Die Verantwortung für die Familieninteressen legte er seiner Frau Liz in die Hände. Zuletzt war er Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats und gehörte außerdem dem Kuratorium der Bertelsmann-Stiftung an.

Jeden Tag mit den Mitarbeitern in die Kantine

Die Geschichte des Unternehmens reicht bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Im Juli 1835 gründete der Drucker Carl Bertelsmann den Verlag mit eigener Druckerei in Gütersloh. In der Anfangszeit gab der Verlag schwerpunktmäßig christliche Liederbücher heraus. Gegen Ende des Jahrhunderts heiratete Johannes Mohn in die Familie Bertelsmann ein und führte die Geschäfte fort. Er war der Großvater von Reinhard Mohn.

Mohn galt als leidenschaftlicher Spaziergänger, der in jüngeren Jahren am Wochenende bis zu 30 Kilometer wanderte, um Ruhe zum Nachdenken zu haben. Seine Mitarbeiter haben ihn Berichten zufolge als uneitel erlebt. Mohn soll jeden Tag um 13.00 Uhr mit den Angestellten in der Kantine gegessen haben.

Sein geschäftlicher Erfolg bescherte dem Unternehmer ein Milliardenvermögen. Doch sagte er selbst über sich: "Reichtum war nicht mein Ziel." Vielmehr gehe es ihm darum, einen positiven Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.

Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern

Für sein Lebenswerk erhielt Mohn zahlreiche Auszeichnungen, darunter das große Bundesverdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland, die Ehrenmitgliedschaft im "Club of Rome", das Spanische Großkreuz und den Prinz-von-Asturien-Preis.

Der Tod Mohns fällt in eine schwierige Zeit für den Medienkonzern. Bedingt durch die Wirtschaftskrise verzeichnete die Bertelsmann AG im ersten Halbjahr 2009 einen Verlust von 333 Millionen Euro. Konzernchef Ostrowski hat dem Unternehmen deshalb ein umfassendes Sparprogramm verordnet, das auch Stellenstreichungen vorsieht.

Autorin: Ursula Kissel (mit dpa/ap/afp/rtr/epd)

Redaktion: Martin Schrader