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Politik

Trauer um Absturzopfer von Smolensk

Nach dem Tod von Präsident Lech Kaczynski bei einem Flugzeugunglück steht Polen unter Schock. In Warschau versammelten sich Zehntausende, um der Opfer zu gedenken, die bei der Katastrophe ums Leben gekommen waren.

Menschen legen Blumen und Kerzen vor dem Präsidentenpalast nieder (Foto: AP)

Voll Anteilnahme legen die Menschen Blumen und Kerzen vor dem Präsidentenpalast nieder

Der Sarg des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski ist in die Kapelle des Präsidentenpalastes gebracht worden. Über die Beisetzung beraten am Montag (12.04.10) Vertreter der Regierung und der Kanzlei des Präsidenten. Zunächst wird der Leichnam aufgebahrt und für den Abschied der trauernden Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die sterblichen Überreste Kaczynskis waren mit einem Militärflugzeug nach Warschau gebracht worden. Zahlreiche Politiker kamen zum Flughafen, um dem Toten die letzte Ehre zu erweisen, darunter Ministerpräsident Donald Tusk, Kaczynskis Zwillingsbruder Jaroslaw und Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski, der die Geschäfte des Staatspräsidenten verfassungsgemäß übernommen hat. Zehntausende säumten die Wegstrecke, als der Trauerkonvoi vom Flughafen zum Präsidentenpalast fuhr. Dort ist der mit einer rot-weißen Nationalflagge geschmückte Sarg aufgebahrt geworden.

Schweigeminute für die Opfer

Polnische Soldaten in Warschau tragen den mit einer Fahne geschmückten Sarg Kaczynskis auf ihren Schultern (Foto: AP)

Der Sarg mit dem verstorbenen Präsidenten Kaczynski ist in Warschau eingetroffen

Zuvor hatten die Menschen landesweit mit zweiminütigem Schweigen der insgesamt 96 Opfer des Flugzeugabsturzes den Opfern des Unglücks gedacht. Neben Kaczynski kamen bei dem Absturz auch seine Frau Maria und ein Großteil der polnischen Führungselite ums Leben.

Im ganzen Land ertönten um punkt 12 Uhr die Sirenen, Fußgänger in der Hauptstadt Warschau blieben stehen, Autofahrer verließen ihre Fahrzeuge um innezuhalten. Zuvor waren die Menschen landesweit in die Kirchen geströmt, um der Opfer des Absturzes zu gedenken.

Archivbild des verstorbenen polnischen Präsidenten Lech Kaczynski vom 08.04.2010 (Foto: AP)

Polen trauert um sein Staatsoberhaupt

"Wir beten für unser Vaterland", sagte der Kardinal Stanislaw Dziwisz bei einer Messe in der Kathedrale auf dem Wawel, der ehemaligen Residenz der polnischen Könige in Krakau. Er sprach den Angehörigen der Präsidentenfamilie sein Mitgefühl aus. In Warschau strömten Tausende zu einer Messe in der Militärkirche. Der Gottesdienst wurde auf Leinwänden übertragen, da die Kirche nicht alle Besucher fassen konnte.

Einwöchige Staatstrauer angeordnet

Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski ordnete nach der Übernahme der Amtsgeschäfte des Staatsoberhaupts eine einwöchige Staatstrauer an. Ministerpräsident Donald Tusk sagte seine Teilnahme am heutigen Gipfel für nukleare Sicherheit in Washington ab.

Russlands Premier Putin und Polens Ministerpräsident Tusk an der Unglücksstelle im russischen Smolensk (Foto: AP)

Russlands Premier Putin und Polens Ministerpräsident Tusk an der Unglücksstelle im russischen Smolensk

"Die moderne Welt hat noch nie eine solche Tragödie erlebt", sagte er, bevor er ins westrussische Smolensk aufbrach. Dort legte er gemeinsam mit dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin am Unglücksort Blumen nieder.

Auch Die Europäische Union ehrt die Opfer der Katastrophe an diesem Montag mit zwei Schweigeminuten. In Brüssel stehen alle Fahnen auf halbmast.

Vermutlich ist Pilotenfehler Ursache des Unglücks

Von Seiten der russischen Behörden wird ein Fehler des Piloten der polnischen Präsidentenmaschine für die Katastrophe verantwortlich gemacht. Der stellvertretende Generalstabschef der russischen Luftwaffe, Alexander Aljoschin, sagte im Fernsehen, die Piloten der Maschine hätten wiederholt die Anweisungen der Fluglotsen missachtet. Laut Interfax stürzte die Maschine beim vierten Landeversuch in dichtem Nebel ab. Mehr als 40 russische Experten waren am Unglücksort zur Spurensuche im Einsatz. Die beiden Flugschreiber sind sichergestellt.

Wrackteile der Unglücksmaschine bei Smolensk (Foto: AP)

Niemand der 97 Menschen an Bord überlebte das Unglück

Beim Absturz der polnischen Präsidentenmaschine, einer Tupolew-154, waren am Samstagvormittag nahe Smolensk im Westen Russlands alle 96 Insassen ums Leben gekommen. An Bord befanden sich Kaczynski und seine Frau Maria, der polnische Generalstabschef Franciszek Gagor, Nationalbankchef Slawomir Skrzypek, Vize-Außenminister Andrzej Kremer sowie zahlreiche Parlamentarier und nahezu die gesamte Führung der polnischen Armee. Die Delegation wollte an einer Gedenkfeier in Katyn teilnehmen, wo sowjetische Einheiten zu Beginn des Zweiten Weltkriegs etwa 22.000 Polen ermordet hatten.

Autorin: Annamaria Sigrist/Gerd Winkelmann ( afp, dpa, rtr)
Redaktion: Eleonore Uhlich

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