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Aktuell Welt

Trauer nach dem Blutbad in Orlando

Eine Nacht mit Tanz und Musik endet mit dem Tod von mindestens 50 Menschen. Es ist die schwerste Schießerei in der Geschichte der USA. Dabei mehren sich die Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund.

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Zahlreiche Tote bei Schießerei in Orlando

Ein Sprecher der US-Bundespolizei FBI erklärte, der Täter sei Omar Mateen, ein US-Bürger. Bevor er in einer Bar in Orlando im US-Bundesstaat Florida um sich geschossen und mindestens 50 Menschen getötet habe, hätte er den Polizeinotruf gewählt und sich zum "Islamischen Staat" bekannt. Eine dem IS nahestehende Nachrichtenagentur meldete ihrerseits am Sonntag, der Schütze von Orlando sei ein "Kämpfer" der Miliz gewesen.

Nach Darstellung des IS-Radiosenders Al-Bajan war Mateen ein Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat. "Gott hat Omar Mateen geholfen", einen Angriff gegen Kreuzfahrer in einem Nachtclub auszuführen, berichtete der Sender am Montag. Al-Bajan gilt als offizielles Verlautbarungsorgan der Dschihadisten in ihrem Herrschaftsbereich in Syrien und dem Irak. Es wurde nicht gesagt, dass die Tat von der Führungsebene des IS geplant und in Auftrag gegeben wurde.

Das FBI kannte den Mann

Sicher ist: Mateen hatte bereits zwei Mal Kontakt mit dem FBI gehabt, in den Jahren 2013 und 2014. Er sei von der Bundespolizei auch schon einmal verhört worden. Gegenüber Arbeitskollegen habe der 29-Jährige über mögliche Verbindungen zu Terroristen gesprochen. Er habe aber aktuell nicht unter Beobachtung gestanden. Die Waffen habe Mateen kurz vor seiner Tat legal erworben.

Laut US-Medienberichten wurde der Todesschütze in New York als Sohn afghanischer Eltern geboren. In den vergangenen Jahren lebte er in Florida. Er arbeitete für eine private Sicherheitsfirma.

War es Hass auf Schwule?

Der Vater des mutmaßlichen Attentäters nannte Hass auf Schwule als mögliches Motiv, religiöse Beweggründe schloss er aus. Sein Sohn sei sehr aufgebracht gewesen über zwei Männer, die sich in der Gegenwart seiner Frau und seines Sohnes geküsst hätten, sagte Mir Seddique dem Sender NBC News. "Sie tun das, und mein Sohn sieht zu", habe er gesagt. Mateens 2011 von ihm geschiedene Ex-Frau sagte, ihr Mann sei
gewalttätig, unberechenbar und mental gestört gewesen. Vier Monate nach der Heirat sei sie von Mitgliedern ihrer Familie gerettet und dem Zugriff Mateens entzogen worden.

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Der mit einem Sturmgewehr und einer Handfeuerwaffe ausgerüstete Schütze hatte in der Nacht zu Sonntag in dem Club das Feuer eröffnet. Nach Angaben der Behörden in Orlando verwickelten Polizisten den Mann vor der Tür des Clubs in ein Feuergefecht. Der Angreifer sei dann ins Innere des Gebäudes zurückgeflüchtet und habe dort Geiseln genommen.

Die Beamten verschafften sich eigenen Angaben zufolge unter anderem mit Hilfe eines Sprengsatzes Zugang zum Club. Dieser ist laut Medienberichten keine große Halle, sondern ein verzweigtes Gebäude mit vielen Räumen. "Mindestens 30 Geiseln konnten durch die Aktion gerettet werden", sagte der örtliche Polizeichef John Mina. Der Täter sei "sehr gut organisiert und vorbereitet gewesen".

Viele Schüsse in schneller Folge

Der Club war Mina zufolge mit mehr als 300 Menschen gut besucht. Laut Medienberichten stand eine "Latin Night" auf dem Programm, eine Nacht mit lateinamerikanischer Musik. Nach Augenzeugenberichten fielen die Schüsse, als viele Menschen tanzten. Augenzeugen berichteten von Dutzenden Schüssen in schneller Folge.

Neben den mindestens 50 Toten gibt es auch mehr als 50 Verletzte. Die Bar, in der sich die folgenschwerste Schießerei in der US-Geschichte ereignete, befindet sich im Zentrum von Orlando. Die Stadt ist ein beliebtes Reiseziel. Auch durch seinen Freizeitpark Disney World zieht Orlando jährlich mehrere Millionen Touristen an.

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Der mutmaßliche Attentäter Omar Mateen war US-Bürger

Der Todesschütze hatte zuletzt in St. Lucie in Florida gelebt. Mit einem Mietwagen war er in das rund 170 Kilometer entfernte Orlando gefahren. Der Angriff ereignete sich während des sogenannten Gay Pride-Monats, in dem im ganzen Land Homosexuellenparaden und Feste stattfinden.

CAIR verurteilt das Verbrechen

Die größte Muslim-Organisation der USA verurteilte das Massaker von Orlando auf das Schärfste. "Es gibt für solch ein Verbrechen keinerlei Rechtfertigung", sagte Nihad Awad vom CAIR (Council On American-Islamic Relations). Er sagte: "Wie kann so jemand glauben, für uns zu sprechen? Er ist das Gegenteil von allem, wofür wir stehen, als Muslime und als Amerikaner." Der Täter von Orlando sei auch nach islamischem Recht ein Gesetzloser.

Die Tat von Orlando ist der schwere Terrorakt in den USA seit den Attentaten vom 11. September 2001. Sie gilt zudem als blutigste Tat eines Einzelschützen in der modernen US-Geschichte. Das Attentat ereignete sich während des Gay Pride-Monats, in dem im ganzen Land Homosexuellenparaden und Feste stattfinden. In New York ordnete Bürgermeister Bill de Blasio zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für schwule und lesbische Einrichtungen an.

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In Los Angeles wurde am Sonntag vor Beginn einer großen Schwulen-Parade ein bewaffneter Mann festgenommen. Zunächst hatte es von seiten der Behörden geheißen, der Mann habe "Schaden anrichten" wollen. Die Polizei zog diese Darstellung aber inzwischen zurück. Der Festgenommene habe doch keine üblen Absichten erkennen lassen, er bleibe aber wegen des Besitzes von Waffen und explosivem Material in Gewahrsam.

haz/wl/as (afp, rtr, dpa)

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