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Wissen & Umwelt

Transplantationsregister soll Organspenden erhöhen

Nach mehreren Skandalen sind immer weniger Deutsche bereit, ihre Organe zu spenden. Mithilfe eines Transplantationsregisters, das das Kabinett jetzt bewilligt hat, soll verlorenes Vertrauen zurückgewonnen werden.

Bislang gibt es in Deutschland keine zentrale Stelle, die Daten über Organspenden, Transplantationen, Spender und Empfänger bündelt. Im Gegenteil - es herrscht ein unkoordiniertes Durcheinander: So erheben Koordinierungsstellen nach dem Tod von Organspendern - postmortal - Daten von Organspendern, andere Stellen sammeln Infos potenzieller Empfänger und in den 47 deutschen Transplantationszentren fallen Daten von Empfängern und von Lebendorganspendern an.

Dieses Datenchaos führte zu Missbrauch. Mehrere Skandale erschütterten in den vergangenen Jahren die deutsche Transplantationsmedizin. So manipulierten Ärzte entscheidende Daten und machten ihre Patienten kranker als sie tatsächlich waren, damit sie auf der Warteliste für ein Spenderorgan nach oben rückten.

Diese Skandale führten zu Angst und Misstrauen in der Bevölkerung. Die Folge: Immer weniger Menschen füllten einen Organspendeausweis aus, immer weniger wollten nach ihrem Tod ihr Herz, ihre Leber oder Nieren spenden.

Zwar steigt die Spendenbereitschaft zumindest seit 2015 wieder geringfügig an, doch das sei bei weitem nicht ausreichend, beklagt Gesundheitsminister Hermann Gröhe: "Mehr als 10.000 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan. Gemeinsam müssen wir alles dafür tun, das verloren gegangene Vertrauen in die Organtransplantation wieder zu stärken, damit mehr Menschen ihre persönliche Entscheidung treffen und einen Organspendeausweis ausfüllen."

Ein wichtiger Schritt dafür soll das vom Bundeskabinett beschlossene Transplantationsregister sein. Hier sollen alle Daten von verstorbenen Organspendern, Organempfängern und Lebendspendern zentral zusammenlaufen und miteinander verknüpft werden. Einheitliche Wartelistenkriterien sollen erstellt werden, Datenmanipulationen und Gemauschele sollen so nicht mehr möglich sein.

Sowohl Organempfänger als auch Lebendorganspender müssen jedoch schriftlich eingewilligt haben, dass ihre Daten an das Transplantationsregister weitergegeben werden dürfen. Die Einrichtung wird unter der Aufsicht der Datenschutzbeauftragten Andrea Voßhoff stehen.

Der Bundesrat muss dem Gesetzentwurf des Bundeskabinetts nicht zustimmen. Deswegen rechnet Gesundheitsminister Gröhe damit, dass das Transplantationsregister noch in diesem Jahr in Kraft treten kann. Damit endet ein langes Ringen, wodurch sich Ärzte und Politiker wieder mehr Vertrauen und potenzielle Organspender erhoffen.

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