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Fokus Osteuropa

Transnistrien: Wirtschaftsprobleme verschärfen sich

Seit einem Jahr gelten neue Zollbestimmungen am transnistrischen Abschnitt der ukrainisch-moldauischen Grenze. Chisinau und Kiew wollen damit den Schmuggel bekämpfen. Tiraspol spricht hingegen von einer Blockade.

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Sitz der international nicht anerkannten Regierung in Tiraspol

Auf dem zentralen Platz von Tiraspol befinden sich nahe dem Suworow-Denkmal immer viele Menschen. Nebenan sind ein Markt und mehrere Bushaltestellen. Dort halten sich oft Rentner auf. Auf die Frage, wie sich der Durchschnittsbürger in Transnistrien fühlt, sagen sie nur: "Sehr schlecht." Sie berichten, dass die Renten nicht rechtzeitig ausgezahlt werden. Und diejenigen, die im Ausland Verwandte hätten, seien längst fort. Vor allem die Jugend verlasse Transnistrien. Junge Menschen zieht es auf der Suche nach Arbeit meist ins Ausland. Aleksandr Pakur erzählte, er habe nur wenig Geld verdient. Deshalb habe er sich entschieden, in Russland auf Baustellen zu arbeiten: "Man kann hier mit dem wenigen Geld nicht überleben. Man hat die Menschen so weit gebracht, dass sie in Moskau oder sonst wo Gastarbeiter sein müssen."

Es ist nicht verwunderlich, wenn viele Menschen unter diesen Bedingungen versuchen, Transnistrien zu verlassen. Dies ist aber nicht gerade einfach, denn derzeit gibt es nur einen Passagierzug, und der ist nur eine Transitverbindung in die Republik Moldau. Um Transnistrien zu verlassen, müssen die Menschen erst die Grenze in einem Auto passieren. Erst dann können sie in einen Zug steigen.

Vorwürfe gegen Kiew und Chisinau

Die separatistische Führung Transnistriens weist jegliche Verantwortung für die Wirtschaftslage zurück. Tiraspol beschuldigt vor allem die Ukraine und die Republik Moldau, die vor einem Jahr neue Zollbestimmungen am transnistrischen Abschnitt der Grenze zwischen beiden Ländern eingeführt hatten. Kiew und Chisinau wollen in Zusammenarbeit mit der Europäischen Union den unkontrollierten Transport von Gütern über die Grenze stoppen und insbesondere Schmuggel und illegalen Waffenhandel in der Region verhindern. Seit der Einführung der neuen Zollbestimmungen spricht Tiraspol von einer Wirtschaftsblockade. Den Vorwurf, dass über das Territorium Transnistriens Waffen und Schmuggelwaren transportiert wurden, weist man in der selbsternannten Republik zurück.

Gemäß den neuen Zollbestimmungen müssen transnistrische Unternehmen in der Republik Moldau registriert sein. Sie müssen zudem ihre Transporte ausschließlich über den moldauischen Zoll abfertigen. Transnistrische Unternehmen bemühen sich allerdings nicht sonderlich um eine Registrierung in der Republik Moldau. Sie begründen dies mit zusätzlichen Kosten. Aber auch die Führung Transnistriens ermuntert sie, die neuen Bestimmungen nicht zu befolgen. Dies führte schließlich dazu, dass die Produktion in den transnistrischen Unternehmen zurückgefahren werden musste. Der Direktor eines der größten Unternehmen in Tiraspol, Wiktor Iwantschenko, sagte der Deutschen Welle: "Die Menschen erhalten keine Löhne, wenn die Produktion stillsteht, und manche mussten wir in Zwangsurlaub schicken."

Menschen hoffen auf Russland

Fast die Hälfte der Einwohner Transnistriens sind ethnische Ukrainer. In Tiraspol gibt es ein ukrainisches Lyzeum, das etwa 300 Kinder besuchen. Oleksandr Sajtschuk arbeitet dort als Lehrer für Geschichte der Ukraine und Gesellschaftskunde. Ihm zufolge schauen die Menschen aber heute eher nach Russland. Sie hoffen, dass dort über das weitere Schicksal Transnistriens entschieden wird: "Transnistrien hat Verbindungen zur Ukraine, aber es gibt auch Verbindungen nach Russland. Derzeit orientiert man sich eher nach Russland hin. Natürlich muss die Ukraine eine wichtige Rolle spielen und man sollte dort nicht nur mit der moldauischen Führung sprechen, sondern auch mit der Transnistriens."

Viele der Menschen, die sich auf dem zentralen Platz von Tiraspol treffen, verfolgen gespannt die Diskussion um das Kosovo. Sie sind überzeugt: wenn das Kosovo unabhängig würde, dann müsste auch Transnistrien das Recht auf Souveränität bekommen. Andere sagen hingegen, ihnen sei der Status ihrer Region egal, denn sie hätten andere, wichtigere Probleme.

Serhij Osadtschuk, Odessa
DW-RADIO/Ukrainisch, 20.3.2007, Fokus Ost-Südost

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