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Welt

Transatlantisches Verhältnis bleibt alternativlos

Es ist eine Besonderheit - eine deutsche Zeitung in Englisch wird in den USA für ein ausgewähltes Publikum vertrieben. Die Atlantic Times feiert 10-jähriges Jubiläum und hat laut Herausgeber Theo Sommer noch viel vor.

DW: Warum haben Sie sich vor zehn Jahren entschieden, die Atlantic Times zu gründen?

Theo Sommer: Vor zehn Jahren waren die Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten wegen unterschiedlicher Ansichten über den Irak-Krieg sehr angespannt. Und wir dachten, dass wir versuchen sollten, den Amerikanern unser Sicht der Dinge zu vermitteln und den Deutschen die amerikanische Sicht der Dinge. Unser grundsätzliches Ziel war es, die Menschen zu überzeugen, dass das deutsch-amerikanische Verhältnis und auch die europäisch-amerikanischen Beziehungen viel zu wichtig sind, um sie den Launen gelegentlicher Meinungsunterschiede zu opfern.

Ihr Ziel ist es, die deutsch-amerikanischen Beziehungen zu fördern. Besteht da nicht zwangsläufig die Gefahr, dass transatlantische Verhältnis durch die rosarote Brille zu betrachten und andere wichtige Themen zu vernachlässigen?

Theo Sommer

Atlantic Times-Herausgeber Theo Sommer

Wenn man die Zeitung betrachtet, sieht man, dass wir drei Bereiche haben – Politik, Wirtschaft und Leben. Das heißt, dass wir uns nicht nur auf die Politik konzentrieren, sondern auf die ganze Bandbreite des transatlantischen Verhältnisses. Außerdem sind wir kein Verlautbarungsorgan der Regierung. Wir bekommen kein Geld von der Regierung, sondern finanzieren uns komplett durch Anzeigen. Und wir präsentieren unterschiedliche Sichtweisen – manchmal auch unsere eigenen. Wann immer es eine große Debatte in Deutschland gibt, versuchen wir, die verschiedenen Perspektiven dazu abzubilden.

Viele Menschen kennen die Atlantic Times möglicherweise noch nicht. Was ist ihre Zielgruppe und wie erreichen sie sie?

Unser Zielgruppe sind Entscheider – Politiker, Regierungsmitglieder, die sich mit Außenpolitik befassen, Botschafter. Aber im Grunde sind es alle, die an Außenpolitik interessiert sind, besonders in den Vereinigten Staaten. Die Atlantic Times wird hauptsächlich in den Vereinigten Staaten verkauft und vertrieben. Unser Adressat ist die amerikanische Öffentlichkeit.

Wie gut erreichen Sie denn dieses Publikum?

Den Rückmeldungen nach zu urteilen, die wir von Senatoren bekommen, die uns schreiben und Anfragen von Diplomaten, machen wir das richtig gut. Es ist kein Massenmedium, aber es ist ein Medium, dass einen sehr wichtigen Teil der außenpolitischen Community erreicht – und ich hoffe, auch bereichert.

Sie sagten, dass die Zeitung sich prinzipiell an alle wendet, die Interesse am transatlantischen Verhältnis und an Außenpolitik haben. Könnten Sie ihre internationale Leserschaft nicht durch eine schlagkräftige digitale Präsenz ausbauen?

Wir geben auch eine German Times für ein europäisches Publikum heraus. Außerdem veröffentlichen wir noch die Asian-Pacific Times und es gab auch einmal eine African Times, die heute jedoch nur noch online erscheint. Wir haben also die Ambition nicht nur die eine transatlantische, sondern eine globale Leserschaft zu erreichen. Und wir sind gerade dabei, unsere Online-Aktivitäten umzustrukturieren und auszubauen.

In den vergangenen zehn Jahren durchliefen die transatlantischen Beziehungen viele Höhen und Tiefen. Wo stehen die deutsch-amerikanischen Beziehungen heute?

Wir hatten immer unsere Differenzen mit den Amerikanern. Und deshalb hatten wir auch einige Differenzen mit der Obama-Administration. Besonders die Tatsache dass die NSA nicht nur das Telefon der Kanzlerin abgehört hat, sondern praktisch überall mithört, war ein wirklich großer Vertrauensbruch. Und das haben wir auch so gesagt. Andererseits wissen wir, dass wir trotz dieses Vertrauensbruches weiter zusammenhalten müssen. Denn wie hat Benjamin Franklin gesagt: If we don't hang together, we shall hang separately ("Wenn wir nicht zusammen hängen, dann werden wir getrennt gehängt." Anm. d. Red.)

Theo Sommer ist der Herausgeber der Atlantic Times. Zuvor war er langjähriger Chefredakteur und Herausgeber der Wochenzeitung Die Zeit.

Das Gespräch führte Michael Knigge.