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Politik

Transatlantische Wertedifferenzen

Der Irak-Krieg hat tiefe politische Gräben zwischen den USA und den europäischen Partnern sichtbar gemacht. Doch schon vorher gab es Differenzen zwischen der Alten und Neuen Welt.

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Powell, Bush, Rumsfeld: Träger von Antipathie in Europa

Ob auf transatlantischen Konferenzen, in Umfragen oder Zeitschriftenartikeln – immer öfter wird die Frage gestellt, ob Amerika und Europa noch die gleichen Werte verbinden. Wie es scheint, haben im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg und seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 deutliche Ausdünnungen im einst dicht gewebten Netz der transtalantischen Wertgemeinschaft stattgefunden.

Unilateralismus als Konzept der USA

Wachsende Kritik am einseitigen Auftreten der USA bei globalen Themen wie beispielsweise dem Klimaschutz gab indes es auch schon vorher. "Wir wissen nicht, ob es an der Todestrafe liegt, am Kyoto-Klimaprotokoll oder an genetisch manipulierten Lebensmitteln. Aber es gibt eine wachsende Wahrnehmung auf beiden Seiten des Atlantiks, dass wir unterscheidlichen Wertvorstellungen anhängen", sagt Karen Donfried vom German Marshall Fund in Washington. Das Institut für transatlantische Zusammenarbeit hat im Sommer 2003 eine umfassende Studie zu diesem Thema aufgelegt.

Religiosität bestimmt das Denken in Amerika

Auch im Bereich des Glaubens gibt es Differenzen – nach einer aktuellen Studie des Pew Research Center finden es über 80 Prozent aller Amerikaner wichtig, zu beten. Fast 90 Prozent haben keinerlei Zweifel an der Existenz Gottes. Eng damit verbunden ist der ausgeprägte Hang der Amerikaner zum Patriotismus. Eine Tendenz, die von den Terroranschlägen des 11. Septembers unterstützt wurde. Über 90 Prozent der von vom Pew-Institut Befragten bezeichneten sich als patriotisch. Damit einher geht politisches Sendungsbewusstsein, dass von keinem besser formuliert wird als von US-Präsident George Bush.

Differenz im außenpolitischen Denken

Doch während die meisten Europäer es für unakzeptabel halten, anderen Staaten die Demokratie aufzuzwingen, wird diese Form des außenpolitischen Engagements von einer Mehrheit der Amerikaner befürwortet. "Die Zahl derer, die in den USA eine aktive politische Einmischung Amerikas auf der Welt wünscht, ist seit 1947 nicht mehr so hoch gewesen wie heute. Die Öffentlichkeit in den USA scheint eine Notwendigkeit sich einzumischen zu akzeptieren", so Marshall-Fund-Expertin Donfried.

"Europäer verstehen die Amerikaner nicht"

Zum schleichenden Ansehensverslust Amerikas auf der anderen Seite des Atlantiks hat das aggressive Auftreten der Regierung von Präsident Bush in der Irak-Frage sicher beigetragen. Doch für John Parker, Washington-Korrespondenten des britischen Wirtschaftsmagazins "Economist", beruht die gegenseitige Entfremdung vor allem auf einem Missverstehen Amerikas durch die Europäer: "Wir Europäer denken: 'Irgend etwas läuft falsch in unseren Beziehungen. Daran ist diese komische Regierung in den USA schuld.' Ich meine jedoch, das zeigt nur, dass man in Europa eins nicht verstanden hat: der Charakter dieser amerikanischen Regierung ist tief in der amerikanischen Geschichte verwurzelt."