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Wissen & Umwelt

Trainingstipps fürs Gehirnjogging

Zum neunten Mal ist Gert Mittring Weltmeister im Kopfrechnen. Ein Jongleur unendlich vieler Zahlen. Sein Spezialgebiet: Potenzrechnen, Primfaktorzerlegung oder Wurzelaufgaben - und das komplett ohne Hilfsmittel.

Sein Trick, sagt Gert Mittring, seien Assoziationen. Die brachten ihm bei der 16. Denksport-Olympiade in London wieder einmal die Goldmedaille. Im Gespräch mit der Deutschen Welle versichert der 46-Jährige, dass sich nicht nur Hochbegabte Merkmethoden aneignen können: "Ich möchte dieses Vorurteil auflösen! Es ist definitiv so, dass das jeder lernen kann. Man braucht explizit keine Hochbegabung zu besitzen."

Merken mit Assoziationen

Auch Professor Christian Elger von der Universität Bonn schwört beim Memorieren auf Verknüpfungen: "Das Allerbeste ist es, sich zwei Dinge zusammen vorzustellen. Wenn Sie beispielsweise Dinge für ihre Haushaltsliste einkaufen, dann schließen Sie die Augen und stellen sich vor, zu putzen." So könne man sich an die Putzmittel erinnern, auch wenn man die Einkaufsliste zuhause auf dem Küchentisch vergessen habe.

Wichtig dabei ist laut Mathe-Ass Mittring allerdings die Originalität und Individualität dieser Assoziationen. Es ist auch von Vorteil, wenn man versucht, sich über Verknüpfungen mit seinem Hobby Dinge zu merken. Mittring selbst erinnert sich an lange Zahlenkombinationen beispielweise anhand von numerischen Eigenschaften: "Wenn ich mir die Zahl 251 merken soll, dann nutze ich die Tatsache, dass das die kleinste Primzahl ist, die größer als ¼ von 1000 ist." Er gibt zu, dass diese Art der Assoziationen wohl eher nicht zum Nachahmen geeignet ist.

Frühstücksei, vierblättriger Klee und die sieben Zwerge

In Mittrings aktuellem Buch "Rechnen mit dem Weltmeister" beschreibt er, wie sich jeder Zahlen mit Hilfe von Assoziationen problemlos merken kann. Um sich eine Zahlenkombination wie 047 zu merken, rät der Mathematiker wie folgt vorzugehen: Die Zahl Null erinnert ihn beispielsweise an ein Frühstücksei, die Ziffer Vier verbindet er mit einem vierblättrigen Kleeblatt und bei der Zahl Sieben denkt er an die sieben Zwerge. In seinem Buch rät Mittring anschließend die Assoziationen in eine Geschichte einzubauen. Diese könnte beispielsweise wie folgt lauten: Das Frühstücksei liegt im vierblättrigen Klee neben den sieben Zwergen. Das ist eine Methode sich die Zahlenkombination 047 besser im Alltag zu merken.

Lernen von Cicero

Prof. Christian Elger (Foto: DW/Gill)

Gedächtnistraining im Supermarkt: Professor Christian Elger

Bereits die Rednerschulen im alten Rom, wie die des berühmten Politikers, Schriftstellers und Philosophen Marcus Tullius Cicero, haben die sogenannte Loci-Technik verwendet, mit der man Vorträge besser auswendig lernen kann. "Die Redner konnten ihre Auftritte deshalb so gut durchstehen, weil sie sich virtuell vorgestellt haben, wie sie durch ein Haus gehen und ihre Argumente in der logischen Reihenfolge im Haus einsammeln", erklärt Epileptologie-Professor Elger die Technik. Mittring beschreibt die Loci-Technik gegenüber der Deutschen Welle mit ähnlichen Worten: "Es gibt die Methode, dass man mental einen Weg abschreitet und sich mit jeder Position an eine Ziffer oder Zahlenkombination erinnert." Diese Methode eignet sich beispielsweise dafür, sich den Einkaufszettel zu merken, indem man beim Shoppen gleichzeitig mental die Wohnung abschreitet.

Schmetterlinge im Bauch helfen sich zu erinnern

Eine weitere Art sich Fakten besser zu merken sind Gefühle. "Kaum ein Mensch kann nicht sagen, wo er während des Anschlags am 11. September 2001 war. Wir erinnern uns auch an unsere Hochzeit oder an sehr wichtige Geburtstage. Insgesamt erinnern wir uns an Dinge besser, die eine ganz hohe Wertigkeit in unserem Leben im Allgemeinen haben", sagt Christian Elger. Laut dem Bonner Professor sind Gefühle deshalb so wichtig, weil eine Struktur im menschlichen Gehirn, der sogenannte Mandelkern, direkt auf dem Hippocampus sitze. "Der Hippocampus ist die zentrale Gedächtnisstruktur im Gehirn und der Mandelkern ist eben für die Gefühle verantwortlich." Die beiden Strukturen seien eng miteinander verbunden.

Bei Gert Mittring scheint es zu funktionieren, sich Zahlen durch starke Gefühle zu merken. In seinem Buch beschreibt er die Emotionen, die eine Primzahl bei ihm auslöst: "Für einen Mathematiker und jenen, der die Zahlen liebt, sind Primzahlen etwas ganz Besonderes. Primzahlen sind die Diven am Zahlenhimmel. Zickig, geheimnisvoll und unberechenbar wie sie sind, lassen sie sich überhaupt nicht berechnen oder vorhersagen. Sie können sich vorstellen, wie sehr ein Mathematiker darunter leidet, dass sich eine Zahl nicht berechnen lässt?" 

Im Alltag jetzt durchstarten

Um sich von nun an mehr im Alltag zu merken, schlägt Christian Elger vor, sich Dinge bewusster zu machen. Er rät, den Einkaufszettel einmal konzentriert zu schreiben und dabei alle Umgebungsreize auszustellen. Anschließend könnte man mal im Geschäft testen, ob man sich nun besser an die Einkaufsliste erinnert. Mathe-Genie Mittring ermutigt Menschen dazu, ihren Alltag mehrdimensional zu gestalten und mal etwas sportliches zu machen, einen Krimi zu lesen, Rätsel zu lösen oder eine neue Sprache zu lernen: "Ich nenne das konstruktive Ungemütlichkeit. Man sollte sich ab und zu auch mal kleinen Herausforderungen stellen und sagen, ich möchte mal gucken, wie weit ich komme. Die eigenen Grenzen sind ja nicht fix, sondern können auch verschoben werden. Da kann ich nur sagen: Kopf hoch und probieren!"