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Asien

Tragödie im "Land der Morgenstille"

Auch 50 Jahre nach dem Ende des Koreakrieges bleibt das "Land der Morgenstille" geteilt. Ein Kommentar von Hans Jürgen Mayer.

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35 Jahre, von 1910-1945, war Korea japanische Kolonie. Dann endete mit der Kapitulation Japans im "Pazifischen Krieg" das Besatzungsregime, das den Koreanern Zwangsarbeit, Zwangsprostitution und sogar das Verbot der Benutzung der eigenen Sprache gebracht hatte. Doch die Befreiung endete mit der Teilung Koreas, zementiert durch den Koreakrieg, der am 27. Juli 1953 durch einen Waffenstillstand beendet wurde.

Seit nunmehr 50 Jahren trennt die wohl undurchdringlichste Demarkationslinie der Welt die beiden Koreas. Erst jetzt wird sie für Wirtschaftskontakte etwas durchlässiger. Doch nach wie vor gibt es keinen Post- und Telefonverkehr. Nur wenige, kurze, hochdramatische Familienbegegnungen für einige hundert Menschen kamen zustande. Selbst in den finstersten Zeiten der DDR gab es keine vergleichbare Unterbindung der Familienbande, die in einem asiatischen Staat noch viel wichtiger sind als im Westen.

Agressive Rhetorik

Nordkorea mit dem aus dem sowjetischen Exil zurückgekehrten Kim Il-sung wurde bereits 1948 zu einem kommunistisch ausgerichteten Staat als Gegenmodell zur Republik Korea. Dort wurde der erzkonservative Synghman Rhee nach Wahlen unter UN-Aufsicht Präsident. Beide, Kim Il-sung und Synghman Rhee pflegten eine aggressive Wiedervereinigungsrhetorik. Doch Nordkorea, rohstoffreich und industriell entwickelt, war dem agrarischen Süden voraus. Hinzu kam die militärische Überlegenheit nach der Aufrüstung durch die Sowjetunion.

Der von Nordkorea unter bis heute ungeklärten Umständen im Juni 1950 eingeleitete Angriff auf Südkorea zementierte die Teilung. Abgewehrt wurde die Agression durch UN-Truppen unter dem Oberkommando der USA.

Kein Interesse an Wiedervereinigung

Die Unbarmherzigkeit, mit der vor allem Nordkorea an der Teilung festhält, ist bestürzend. Doch es gibt einen weiteren tragischen Moment. Südkorea, das - im Gegensatz zum Norden - unter den brutalen Entwicklungsdiktaturen der Generäle Park Chung-hee, Chun-Doo-hwan und Roh Tae-woo zu einem der "Kleinen Tiger" Asiens geworden ist, zeigt kein sonderliches Interesse mehr an der Wiedervereinigung.

Der Grund: Die jüngere, konsumoriente Generation fühlt sich den nach der langen Teilung des Landes völlig fremden Verwandten in Nordkorea nicht mehr emotional verbunden. Hinzu kommt die Sorge vor der finanziellen Bürde, die eine Wiedervereinigung mit der völlig verarmten und seit dem Zerfall des Ostblocks auf den Stand eines Entwicklungslandes abgesunkenen Volksdemokratischen Republik Korea mit sich bringen würde. Das Beispiel der deutschen Wiedervereinigung hat in Südkorea für Ernüchterung gesorgt.

Grotesker Personenkult

Gestützt wird diese Einstellung durch das abstoßende Bild, das die Diktatur der psycho-pathologischen Kim-Herrscherdynastie bietet. Grotesker Personenkult, ein Terrorregime wie in schlimmsten Zeiten des Stalinismus. Ein System, das sich mittlerweile durch Drogen- und Waffenhandel am Leben hält und ein gefährliches Pokerspiel mit einem angeblichen oder faktischen Kernwaffenprogramm betreibt: Nordkorea ist zum Zerrbild der "Juche" (spr.: Dschutsche)-Ideologie geworden. Die propagiert den unbedingten Willen Pjöngjangs, aus eigener Kraft den Weg in eine lichte Zukunft zu bewältigen.

Der Koreakrieg hat die Frontstellungen im Kalten Krieg in Asien wie in Europa zementiert. Aufrüstung und Blockbildung statt vertrauensbildender Maßnahmen und Dialog waren die Folge. Der Kalte Krieg ist vorbei. Doch Nordkoreas isoliertes Regime hält sich eisern und verzweifelt an der Macht. Ob eine Politik des harten Verhandelns gepaart mit wirtschaftlichen Anreizen wenigstens die Aufgabe des Nuklearprogramms Pjöngjangs bewirken kann, ist nicht sicher. Doch einen Versuch ist es allemal wert.