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Afrika

Trügerische Ruhe nach Al-Shabaab-Anschlag

Nach einem Angriff von Al-Shabaab-Miliz auf den Präsidentenpalast in der somalischen Hauptstadt Mogadischu scheint die Lage unter Kontrolle. Doch die Gefahr von Anschlägen besteht weiter.

"Die Lage ist ruhig", versichert Deo Akiiki, Sprecher der Mission der Afrikanischen Union in Somalia, kurz AMISOM. Am Dienstag hatten Kämpfer der islamistischen Al-Shabaab-Miliz den

Präsidentenpalast

in der somalischen Hauptstadt Mogadischu angegriffen. Bei den Auseinandersetzungen waren mehrere Menschen auf beiden Seiten ums Leben gekommen. Doch Akiiki sieht im DW-Interview keinen Grund zur Beunruhigung: "Wir haben Vorkehrungen getroffen, um zu garantieren, dass sich derartige Angriffe nicht wiederholen." Die AMISOM arbeitet eng mit den somalischen Sicherheitskräften zusammen, eine ihrer Aufgaben ist die Ausbildung der somalischen Armee.

Der Präsidentenpalast in Mogadischu nach dem Anschlag Foto: REUTERS/Feisal Omar

Vor dem Präsidentenpalast hatte sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt

Am Tag nach dem Anschlag zog Somalias Premierminister Abdiwali Sheikh Ahmed Mohamed eine erste Konsequenz: Er besetzte die Spitzen von Geheimdienst und Polizei neu. Mit Khalif Ahmed Erig benannte er auch einen neuen Sicherheitsminister. Dessen Vorgänger war schon im Mai wegen der schlechten Sicherheitslage zurückgetreten. Präsident Hassan Sheikh Mohamud gab sich nach dem Anschlag dennoch optimistisch: "Die Terroristen werden in den nächsten Wochen oder Monaten besiegt sein." Der somalische Journalist Mohamed Omar Hussein widerspricht: "Es wäre falsch, zu sagen, dass schwach ist, nur weil sie keine größere Stadt unter ihrer Kontrolle hat", sagt Hussein. "Die Miliz ist sehr effektiv: Sie kann Tag und Nacht Angriffe auf jedes beliebige Ziel ausüben."

Guerillataktik und Unterwanderung

Seit Jahren kämpft Al-Shabaab gegen die Regierung in Somalia. Lange Zeit kontrollierte die Miliz große Teile des Landes. Seit 2011 gelingt es den AMISOM-Truppen, Al-Shabaab aus Mogadischu und einigen anderen Städten zu vertreiben. Doch Tim Glawion, Somalia-Experte beim GIGA-Institut für Afrika-Studien in Hamburg, traut dem Optimismus des Präsidenten nicht. Zwar ziehe sich Al-Shabaab militärisch immer weiter zurück, die Regierung habe dank internationaler Unterstützung inzwischen klar die Überhand. Doch nun führe die Miliz einen sehr asymmetrischen Kampf und setze verstärkt auf eine Guerilla-Taktik - dadurch ist sie schwer zu bekämpfen. "Auch in den vergangenen Monaten hat Al-Shabaab gezielt sehr empfindliche Ziele getroffen", sagt Glawion im Gespräch mit der DW. Am Wochenende hatte es bereits einen Anschlag auf das Parlament gegeben, der Präsidentenpalast war bereits im Februar Ziel eines Angriffs.

Ein Kind gibt einem ugandischen Soldaten in Somalia die Hand Foto: STUART PRICE/AFP/Getty Images

Soldaten der Afrikanischen Union versuchen, die Sicherheitslage in Somalia zu stabilisieren

Dass der Premierminister nun einen Führungswechsel bei Polizei und Geheimdienst erzwinge, werde noch keine Veränderung der Situation herbeiführen, sagt der deutsche Wissenschaftler. Seine einzige Hoffnung: Dass mit den neuen Personalien auch ein frischer Wind in die Organisationen wehe. "Der jüngste Anschlag ist nicht auf Fehler der Polizei- und Geheimdienstchefs zurückzuführen. Das Problem ist vielmehr, dass die Sicherheitskräfte strukturell ganz stark von Al-Shabaab infiltriert sind." Oft müssten zudem Mitarbeiter lange auf ihre Gehälter warten. Außerdem ermöglichten die Dienstvorschriften ihnen, ihre Waffen jederzeit bei sich zu führen: "Das führt dazu, dass desertierende Sicherheitsbedienstete wohltrainiert und wohlbewaffnet zu Al-Shabaab überlaufen."

Militärisch kaum zu besiegen

Für Glawion ist klar: Al-Shabaab lässt sich nicht militärisch besiegen. "Dieser letzte Rückzugsschub liegt nicht daran, dass die Regierung anerkannter und durchsetzungsstärker geworden wäre, sondern schlicht daran, dass sich die internationale Unterstützung mehr als verdoppelt hat." So konnte die AU-Mission ihre Truppenstärke zuletzt deutlich aufbauen. Unterstützung bekommt sie unter anderem von den Vereinten Nationen. Deutschland beteiligt sich mit rund 20 Soldaten an einer Trainingsmission der Europäischen Union.

Trümmer liegen nach einem Anschlag auf einer Straße Foto: Anadolu Agency

Auch im Nachbarland Kenia verübt Al-Shabaab immer wieder Anschläge

Für problematisch hält Glawion, dass Soldaten aus den Nachbarländern Äthiopien und

Kenia

einen großen Teil der AMISOM-Truppen stellen. Denn beide Nachbarländer sind in historische Auseinandersetzungen mit Somalia verwickelt. Seit Kenia sich 2011 der AU-Mission anschloss, haben die Islamisten wiederholt Terroranschläge in dem ostafrikanischen Land verübt, was dem somalischen Konflikt eine neue Dimension verleiht. AMISOM-Sprecher Deo Akiiki macht sich auf einen längeren Kampf gefasst. Auch wenn es gelinge, Al-Shabaab aus einem Teil Somalias zu vertreiben - die Guerillataktik der Gruppe würde die Region vermutlich noch länger beschäftigen.

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