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Afrika

Trügerische Ruhe in Bujumbura

Internationale Beobachter befürchten weiterhin einen Völkermord in Burundi. Fast jede Nacht kommt es zu Schießereien in der Hauptstadt. Tagsüber ist davon nichts zu merken, berichtet Jesko Johannsen aus Bujumbura.

Die Bewaffneten kamen am späten Abend in eine Bar in Burundis Hauptstadt Bujumbura. Dann eröffneten sie das Feuer auf einen hohen Armeeoffizier und erschossen ihn. Der Fall vom Sonntag ist einer in einer Reihe von Angriffen, die Beobachter mit Sorge sehen: Immer

gewaltsamer wird der Protest gegen Präsident Nkurunziza

und seine dritte Amtszeit. Regierung und Opposition geben sich gegenseitig die Schuld an den nächtliche Morden.

Tagsüber merkt man in Bujumbura dagegen nichts von einem Konflikt. In den Straßen herrscht alltäglicher Betrieb. Die Geschäfte sind offen, der Verkehr staut sich. Straßenhändler verkaufen Fußbälle, Hosen oder Mangos. Reden will hier aber niemand über die Situation. Es gibt zu viele Ohren. An jeder Ecke stehen schwer bewaffnete Polizisten. Wer hier etwas sagt, hat Angst deshalb später verfolgt zu werden.

Strenge Kontrollen in verdächtigen Stadtteilen

Anders ist das in Mutakura. Auf der Fahrt in das Stadtviertel im Norden Bujumburas passiert man gleich mehrere Kontrollpunkte der Polizei. Am Anfang des Viertels wird jedes Auto durchsucht. Die Menschen empfinden das als Bedrohung und nicht als Beitrag für ihre Sicherheit, klagt Anwohner Pascal Toyi: "Es gibt bei uns hier keine Sicherheit. Wir können nicht arbeiten. Die Läden sind zu. Die Jugendlichen sind zu Hause, weil es nicht sicher ist."

Marktstände im Stadtteil Mutakura, Foto: J. Johannsen

Tagsüber ist es hier momentan friedlich: Straßenszene im Stadtteil Mutakura

Mutakura ist eine der Hochburgen der Gegner von Präsident Nkurunziza. Hier gab es wochenlang heftige Straßenschlachten mit der Polizei. Viele haben den Stadtteil verlassen. Die Polizei überwacht das Viertel besonders genau. Trotzdem reden die Menschen - in den Nebenstraßen und wenn kein Polizist sie sehen kann. "Die Regierung wird ausgetauscht werden. Wir sind nur kleine Leute, aber das werden wir erreichen”, sagt eine Frau, die anonym bleiben will. "Die Preise auf dem Markt werden immer höher und die Menschen hungern. Deswegen wollen wir Frieden", sagt ihr Nachbar dazu.

Auch in Mutakura ist es derzeit ruhig. "Wir sind froh, dass es seit einiger Zeit keine Kämpfe bei uns im Viertel gegeben hat", sagt Anwohner Rémovat Musabiko. Er erzählt, dass mehr und mehr Menschen zurückkehren. Aber an einen stabilen Frieden ohne Verhandlungen glaubt auch er nicht.

Monatelang ohne Anklage im Gefängnis

Aline Nkurunziza wohnt auch in Mutakura. An Alltag kann sie derzeit nicht denken: "Wenn geschossen wird, hauen wir immer aus dem Viertel ab und kommen erst am nächsten Tag wieder." In ihrem Hinterhof macht sie den Abwasch. Zwei ihrer vier Kinder malen mit kleinen Stöcken Bilder in den Lehmboden. Seit einem Sonntag Anfang Oktober ist sie alleinerziehend.
Bei einer Razzia in ihrem Haus wurde ihr Mann festgenommen und ist seitdem im Gefängnis. "Ich weiß nicht, was ihm vorgeworfen wird", klagt sie. Seit er weg ist, kann sie nicht mehr arbeiten. Das hat Konsequenzen für die Familie: "Ich kann die Schulgebühr nicht bezahlen. Da sind zwei meiner Kinder aus der Schule geworfen worden." Und zum Essen gibt es heute auch nicht genug.

Aline Nkurunziza und ihre drei Kinder stehen vor ihrem Haus, Foto: J. Johannsen

Aline Nkurunziza muss allein für ihre Kinder sorgen

6.000 Menschen wurden wegen ihrer Beteiligung an den Protesten bisher festgenommen. Gezielt werden Regime-Gegner ausgeschaltet. Die

burundische Zivilgesellschaft wird zunehmend eingeschränkt.

Vielen Nichtregierungsorganisationen wurde ihre Arbeit verboten.

Denis Ndayishemeza spricht nur an einem geheimen Ort und ohne Zeugen. Er ist Vizepräsident der NGO Focode. Auch seine Organisation wurde Ende November geschlossen. "Wir haben uns nicht in unser Büro getraut. Wir hatten Angst dort getötet zu werden. Da waren Mitglieder der Imbonerakure, der Jugendorganisation der Regierungspartei. Und auch Agenten der Sicherheitsdienste sind um unser Büro patrouilliert." Die Bankkonten der Organisation wurden eingefroren. Wichtige Computer und Aktenordner konnten die Mitarbeiter aber in Sicherheit bringen. Ndayishemeza will trotzdem weiter machen: "Wir werden weiterhin sagen, das wir gegen eine dritte Amtszeit von Pierre Nkurunziza sind. Dass sie illegal und nicht legitimiert ist."

Vereinte Nationen schicken vorerst keine Blauhelme

Portrait Denis Ndayishemeza, Foto: J. Johannsen

Auch seine NGO musste schließen: Denis Ndayishemeza

Ndayishemeza bedauert, dass die Vereinten Nationen

Pläne zur Entsendung von Blauhelmen

nach Burundi vorerst wieder ad acta gelegt haben. Der UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte dem Sicherheitsrat am Montag empfohlen, im Moment nur ein "Unterstützungsteam" nach Burundi zu entsenden, das einen politischen Dialog voranbringen soll. Dabei warnte selbst sein Sondergesandter Adama Dieng ausdrücklich vor einem Genozid und ethnischen Spannungen wie vor dem Völkermord in Ruanda 1994. Der NGO-Vertreter Ndayihemeza drängt: "Die UN muss so schnell wie möglich etwas tun. Wenn sie keine Blauhelme schicken, die sich zwischen Polizei und Bevölkerung stellen, um das Töten zu beenden, werden sie es später bereuen."

Wenn es dunkel wird in Bujumbura, gehen deshalb auch Aline Nkurunziza und ihre Kinder vorerst noch mit Angst ins Bett: "Wir befürchten, dass wir von der Polizei oder anderen Leuten wieder angegriffen werden. Ich bete, dass wir bald wieder Frieden in Burundi finden."

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