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Aktuell Afrika

Trügerische Ruhe in Ägypten

Nach den blutigen Unruhen infolge der Räumung der Protestlager in Kairo herrscht in Ägypten gespannte Ruhe. Die Angst vor neuer Gewalt ist allgegenwärtig. In Kairo stürmten Demonstranten erneut ein Regierungsgebäude.

Mehr als 525 Menschen seien bei den gewaltsamen landesweiten Auseinandersetzungen getötet worden, teilte das Gesundheitsministerium mit, fast 3000 Menschen seien verletzt worden. Die islamistischen Muslimbrüder sprachen dagegen von mehr als 2000 Getöteten.

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Mursi-Anhänger kündigen neuen Widerstand an

Die ägyptische Übergangsregierung hat ihre Entscheidung verteidigt, die beiden Protestlager der Anhänger des entmachteten Präsidenten Mohammed Mursi gewaltsam aufzulösen. Kein Staat mit Selbstachtung könne Protestcamps über einen Zeitraum von anderthalb Monaten akzeptieren, sagte Ministerpräsident Hasem el-Beblawi am Mittwochabend in einer Fernsehansprache. Die Regierung habe keine andere Wahl gehabt, um eine Ausbreitung von Anarchie zu verhindern. Dennoch sei die Entscheidung nicht leicht gewesen. Der verhängte Notstand solle nur so lange in Kraft bleiben wie unbedingt nötig. "So Gott will, werden wir weitermachen", ergänzte der Ministerpräsident. "Wir werden unseren demokratischen, zivilen Staat errichten."

In mehreren westlichen Staaten, darunter Deutschland, bestellten die Außenminister die ägyptischen Botschafter ein. Es müsse alles getan werden, um einen Bürgerkrieg zu verhindern, sagt der französische Präsident Francois Hollande.

Muslimbrüder wollen standhaft bleiben

Die Muslimbrüder geben sich im Machtkampf mit dem ägyptischen Militär nicht geschlagen. Die Mursi nahestehende Bewegung werde nicht ruhen, bis "der Militärputsch" der Vergangenheit angehöre, erklärte ein Sprecher über den Kurznachrichtendienst Twitter. Er betonte, dass die Muslimbrüder dabei "stets gewaltfrei und friedlich" vorgehen würden. Für Freitag kündigten die Islamisten neue Demonstrationen an.

Am Donnerstag stürmten in Kairo Hunderte Anhänger der Muslimbruderschaft den Dienstsitz des Gouverneurs der Provinz Gizeh, die zum Großraum Kairo gehört, und steckten ihn in Brand. Derweil verlängerten die Justizbehörden die Haft Mursis um 30 Tage, wie die Nachrichtenagentur Mena meldet. Er wird seit seiner Entmachtung am 3. Juli an einem unbekannten Ort festgehalten.

Nach Berichten staatlicher Medien wurde die verhängte nächtliche Ausgangssperre weitgehend eingehalten. Nach Mitternacht sei es fast überall im Lande ruhig gewesen. In der Hafenstadt Alexandria hätten Mursi-Anhänger allerdings mehrere Straßen blockiert und Straßenbahnwaggons angezündet. Vor einer Polizeistation in Al-Arisch auf dem Sinai seien zwei Polizisten getötet worden, hieß es weiter und im Badeort Hurghada am Roten Meer sei ein Anhänger der Muslimbruderschaft getötet worden. In Kairo waren die Straßen am Donnerstag vormittag nach dem Ende der Ausgangssperre relativ leer. Viele Menschen blieben aus Angst vor neuer Gewalt zu Hause.

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Auswärtiges Amt rät vor Ägypten-Reisen ab

Die Gewalt hat kein Ende

Die Angriffe von Extremisten auf christliche Kirchen gingen am Donnerstag weiter. Aus Sicherheitskreisen hieß es, in Abanub in der Provinz Assiut sei eine koptische Kirche niedergebrannt worden. Die Feuerwehr habe das Gotteshaus nicht retten können. Am Mittwoch waren Übergriffe auf mindestens 35 christliche Kirchen, Schulen oder Geschäfte , die Christen gehören, gemeldet worden.

In der Stadt Assuit griffen Mursi-Anhänger nach Angaben örtlicher Sicherheitsbeamter eine Polizeistation mit Mörsergranaten an. Mehrere Polizisten seien bei dem Angriff und einem anschließenden Feuergefecht verletzt worden.

gmf/sti (afp, dpa, rtr)

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