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Fokus Osteuropa

Trübe wirtschaftliche Perspektiven für Montenegro

Seit Juni 2006 ist Montenegro ein unabhängiger Staat. Hoffnungen auf rasches Wirtschaftswachstum sind jedoch verflogen: Russische Investoren kaufen immer mehr Unternehmen auf, viele Firmen stehen vor dem Bankrott.

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Verflogener Jubel?

Kurz nach Erlangung der Unabhängigkeit im Sommer 2006 kannte der Optimismus in Montenegro kaum Grenzen: das Bruttosozialprodukt sollte wachsen, die Arbeitslosigkeit sinken, ausländische Investoren angelockt werden. Auch zum Jahreswechsel äußerte sich der montenegrinische Präsident Filip Vujanovic zuversichtlich. Er kündigte kürzlich an, das erste vollständige Jahr Montenegros als jüngster europäischer unabhängiger Staat solle der Verbesserung der Lebensbedingungen aller Bürger des Landes gewidmet werden. Denn, so Vijanovic: „Die Verbesserung der Lebensqualität wird das Maß des Erfolges sein, und dieser Erfolg ist eine Verpflichtung von uns allen.“ Wirtschaftsexperten schätzen aber Vujanovics Äußerungen als zu optimistisch ein. Das Land, so die Experten, verfüge über wenig realistische Voraussetzungen, um das Vorhaben des Präsidenten umzusetzen.

Schwaches Wirtschaftswachstum

Trotz der makroökonomischen Stabilität, die Montenegro erreicht hat, ist das Wirtschaftswachstum mit sechs bis sieben Prozent jährlich sehr schwach und damit das niedrigste in der gesamten Region. Montenegro selbst verfügt nicht über ausreichendes Kapital. Deshalb hat es in den letzten Jahren viele Staatsbetriebe an ausländische Investoren verkauft. So wurde im vergangenen Jahr bereits der größte Staatsbetrieb Montenegros, das Aluminium-Kombinat KAP, an die russische RusAl-Gruppe verkauft. In der Telekommunikations-Branche wurden alle Staatsbeteiligungen abgestoßen; die staatliche Brauerei wurde an die belgische Interbrew-Gruppe verkauft. In diesem Jahr wird sich der Privatisierungsprozess fortsetzen mit dem Verkauf des Hafens in Bar. Die russischen Investoren kontrollieren bereits die Hälfte der montenegrinischen Wirtschaft. Ausländische Investoren haben zwar das Geld für die nötige Modernisierung aufgebracht, doch dieser Trend werde sich nicht über Jahre hinweg fortsetzen können, meint Nebojsa Medojevic, Chef der oppositionellen „Bewegung für den Wandel“: „Die Zeit läuft davon, und wir werden ein argentinisches Szenario erleben“, meint Medojevic.

Tourismus als Zukunftshoffnung

Die Privatisierung staatlicher Firmen hat Montenegro bisher 350 Millionen Euro eingebracht, und mit dem Verkauf von Immobilien wurde doppelt so viel verdient. Doch wenn der Prozess der Privatisierung abgeschlossen ist, bleibt nur noch der Tourismus als große Zukunftshoffnung des Landes. Montenegro kann sowohl mit attraktiven Gebirgen als auch mit besonders schönen Stränden viele Touristen anlocken. Montenegro ist nach Schätzung von unabhängigen Immobilien-Experten einer der 25 „interessantesten Entwicklungsmärkte“.

Mustafa Canka, Podgorica

DW-RADIO/Serbisch, 02.01.2007, Fokus Ost-Südost

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