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Europa

Trübe Stellen in Europas Badegewässern

Der Sommer bringt fast ungetrübten Badespaß in ganz Europa. Die Wasserqualität an Küsten und Seen bleibt hoch, das zeigt der Badewasser-Bericht der Europäischen Kommission. Doch was steckt hinter den 35 Seiten?

Blau-weiße Sauberkeit: Viele griechische Strände sind zum Baden empfohlen (Foto: Peter Zimmermann)

Blau-weiße Sauberkeit: Viele griechische Strände sind zum Baden empfohlen

Escherichia coli. Intestinale Enterokokken - so heißen die Fieslinge, die Badefreunden den Spaß verderben. Es sind Bakterien, die eine fäkale Verschmutzung des Wassers anzeigen. Übelkeit und Erbrechen sind oft die Folge, denn ein durchschnittlicher Schwimmer schluckt beim Baden etwa 50 Milliliter Wasser. Bei Kindern, ungeübten Schwimmern und auch manchen älteren Menschen ist es ein Vielfaches davon.

Deshalb kontrollieren die EU-Mitgliedsstaaten das Badewasser an ihren Seen, Flüssen und Meeren regelmäßig - die ganze Badesaison über von Mai bis September, im Schnitt alle zwei Wochen.

In der Badegewässerrichtlinie der EU von 1976 waren noch 19 Parameter festgehalten: Neben E.Coli und intestinalen Enterokokken wurde früher das Wasser auch nach weiteren Bakterien, oberflächenaktiven Stoffen oder Phenolen geprüft.

Statt 19 Kontrollwerten nur noch zwei

Die Mitgliedsländer testen das Wasser, die EU fasst die Ergebnisse zusammen

Die Mitgliedsländer testen das Wasser, die EU fasst die Ergebnisse zusammen

In der neuen Richtlinie aus dem Jahr 2006 werden jedoch nur noch die zwei Bakterien E.Coli und Enterokokken gemessen. Weniger Parameter, dafür aber strengere Grenzwerte ist das Motto: "Die neue Badegewässerrichtlinie soll das Vorgehen vereinfachen, mehr Wert auf neue Erkenntnisse legen, sowie auf aktuelle Daten und das Management der Badestellen", erklärt EU-Umweltkommissar Janez Potocnik.

Im Moment ist die EU noch in der Übergangsphase: Manche Länder wie Deutschland und Schweden testen schon entsprechend der neuen Verordnung, andere - etwa Italien oder Polen - noch nach der alten.

Doch bei allen Kontrollen geht es nicht nur um die Gesundheit der Schwimmer, sondern auch um keimfreie Ufer: "Saubere Strände haben auch eine ökonomische Komponente", sagt Potocnik. "Gemeinden, die sich auf den Tourismus stützen, müssen dafür sorgen, dass ihre Badestellen sauber sind. Andernfalls verbringen Urlauber ihre Ferien woanders, und geben damit ihr Geld auch woanders aus."

Dreckiges Badewasser ist schlechte Werbung

Genau diese Sorgen hat man etwa in Borkow in Mecklenburg-Vorpommern. Bei einem Test am Fluss Mildenitz wurden Fäkalien im Wasser entdeckt. Im "Badewasseratlas" ist die Mildenitz jetzt rot markiert: "zum Baden noch geeignet". Schlechte Wasserqualität ist schlechte Werbung für den Fluss. Und das, obwohl die weiteren Tests wieder besser ausfielen und diese Ergebnisse auch online veröffentlicht werden, wie Anja Neutzling vom Landesamt für Gesundheit und Soziales betont.

Peter Kristensen von der Europäischen Umweltagentur erklärt: "Die Regeln sind in ganz Europa gleich. Sie geben gute Hinweise darauf, wo das Badewasser beeinträchtigt ist bzw. wie es in der ganzen Saison ist."

Ob an der US-Küste oder in Spanien: Aktuelle Umweltschäden werden nicht erfasst

Ob an der US-Küste oder in Spanien: Aktuelle Umweltschäden werden nicht erfasst

Vier Qualitätsstufen gibt es: "ausgezeichnet", "gut", "ausreichend" und "mangelhaft". Rund 20.000 Gewässer in Europa werden so klassifiziert. Letztlich hilft das den Badwilligen jedoch nur bedingt: Die Daten des Berichts beziehen sich immer nur auf das vergangene Jahr. Und in zwölf Monaten kann sich viel verändern; das zeigen Tankerunglücke oder die aktuelle Ölpest vor der Küste der USA.

Grundsätzlich ist 2009 die Wasserqualität im Vergleich zu 2008 etwas schlechter geworden. Für Umweltkommissar Potocnik gibt es aber dennoch einen Trend zu saubererem Wasser: "In den letzten 20 Jahren haben wir große Verbesserungen gesehen: Küstengewässer stimmten 1990 zu 80 Prozent mit den Vorgaben überein, 2009 waren es 96 Prozent. Bei Binnengewässern ist es ähnlich, es gab eine Verbesserung von 52 auf 90 Prozent."

Ein Bericht mit Schwachstellen

Müll am Ufer oder im Wasser berücksichtigen die Kontrollen zudem überhaupt nicht. Stattdessen können Kleinigkeiten das Testergebnis beeinflussen, sagt Peter Kristensen von der Europäischen Umweltagentur: "Wenn es heftig regnet, kann es zu Überschwemmungen kommen. Oder es wird etwas den Fluss entlang geschwemmt, das sich dann an den Badestellen ablagert. Auch Abwässer, die an der Küste ins Meer geleitet werden, können das Ergebnis beeinträchtigen."

Gerade Italien gilt als Abwasser-Sünder. Die EU verklagte das Land jüngst sogar, weil es in manchen Städten das Abwasser nicht regelgerecht reinigt. 2009 war an fast 600 italienischen Stränden, Seen und Flüssen das Baden verboten.

Doch dafür gibt es auch einen anderen Grund, den der Badewasserbericht nicht nennt: Italien untersucht seine Gewässer gründlicher als andere.

"Italien hat seine gesamte Küste untersucht. Viele der gesperrten Stellen sind solche, wo ein Flughafen oder ein Hafen liegt - oder auch ein Naturschutzgebiet", sagt Kristensen. Deshalb sind die betroffenen Gebiete eigentlich auch streng genommen keine Badestellen. Wie sie die Richtlinie interpretieren, das sei den Ländern überlassen. Die Italiener seien hierbei einfach besonders gründlich, so der Umweltschützer.

Sauberes Wasser, schöner Strand - da wollen Touristen hin

Sauberes Wasser, schöner Strand - da wollen Touristen hin

Im vergangenen Jahr gab es den keimfreiesten Badespaß auf Zypern und Malta, sowie in Griechenland, Frankreich und Bulgarien. Deutschland lag im vorderen Mittelfeld. Aber auch hier haben E.Coli und intestinale Enterokokken kaum eine Chance.

Autorin: Monika Griebeler
Redaktion: Fabian Schmidt

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