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Wirtschaft

Toyota muss Produktion in Europa drosseln

Lieferengpass nicht nur in den USA und Japan: Toyota drosselt seine Produktion in fünf europäischen Werken – Wartezeiten für Neufahrzeuge verlängern sich. Die Verluste der japanischen Produzenten wachsen.

Toyota-Logo (Foto: AP)

Der japanische Autobauer Toyota stellt zwischen dem 21. April und dem 2. Mai die Produktion in Europa für acht Tage ein, weil es Lieferengpässe bei den Bauteilen durch die Folgen des Erdbebens in Japan gibt. Betroffen sind davon fünf Werke in Europa, wie der Konzern am Mittwoch (13.04.2011) in Tokio mitteilte. Der Autobauer hatte bereits ähnliche eintägige Produktionsstopps für Ende April für seine Fabriken in Nordamerika angekündigt. Im Heimatland Japan stehen die Bänder bereits seit dem Erdbeben vor gut einem Monat still.

Bei den fünf europäischen Werken handele es sich nach Angaben von Toyota um drei Fabriken in Großbritannien, Frankreich und der Türkei sowie zwei weitere Motorenwerke in Großbritannien und Polen. "Das kann dann zu Lieferverzögerungen von zehn Tagen bis zu einem Monat bei den Kunden führen", so Ekkard Sensendorf, Kommunikationschef bei Toyoto Deutschland in Köln, auf Anfrage von DW-WORL.DE. In den betroffenen europäischen Werken produziere der Konzern die Modelle Yaris, Auris, Verso und Aygo.

Hersteller und Zulieferer leiden

Das Erdbeben der Stärke 9,0 und der nachfolgende Tsunami hatten Anfang März die Fertigungsanlagen von Automobilzulieferern im Nordosten von Japan zerstört. Daraufhin kam es zu Lieferschwierigkeiten für Toyota und andere Autobauer. Toyota musste deshalb nach eigenen Angaben zwischen dem 14. März und dem 8. April auf die geplante Produktion von 260.000 Autos in Japan verzichten. In Nordamerika seien 35.000 Autos und in Europa 50.000 weniger gefertigt worden.

Infografik Weltmarktführer Automobil 2010 (DW-Grafik: Olof Pock)

"Die japanische Zulieferindustrie ist ja nach wie vor noch nicht wieder zu hundert Prozent einsatzfähig", beschreibt Sensendorf die aktuelle Situation, "wenn die Zulieferer ihre Arbeit wieder in vollem Maße aufgenommen haben, werden auch die Werke in Europa wieder vollständig beliefert." Das könne aber noch einige Zeit dauern.

Produktionspläne nur für wenige Wochen

In Japan soll die Arbeit in allen Toyota-Werken Ende April wieder aufgenommen werden, allerdings nur bei halber Kapazität. Der Konzern teilte mit, noch sei nicht bekannt, wann die Produktion wieder vollständig beginnen könne. Für die Zeit nach dem 9. Mai gebe es noch keine Produktionspläne.

Prof. Dr. Ferdinand DUDENHOEFFER, Deutschland, Automobil-Experte, Autoexperte, Gruender und Direktor des CAR - Center Automotive Research, Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Uni Duisburg-Essen, (Foto: picture alliance)

Auto-Experte Dudenhöffer: "Japanische Hersteller im Hintertreffen"

Für den deutsche Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer sind vor allem die nächsten Wochen problematisch: "Ich gehe davon aus, dass im Laufe des Mai wieder eine Normalisierung kommt", so der Leiter des Center for Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen zu DW-WORLD.DE. "Die Kunden müssen also zeitlich vielleicht bis Anfang Juni oder bis Mitte Juni mit längeren Wartezeiten für Neufahrzeuge rechnen."

Japanische Autobauer in der Rezession

Die japanischen Autobauer in der Summe werden nach Einschätzung des Experten durch die große Naturkatastrophe um Jahre zurück geworfen in ihren Finanzergebnissen, in ihrer Produktentwicklungen und ihren Investitionen. Den Automarkt in Japan sieht Dudenhöffer zusammenbrechen: "Um die Infrastruktur wieder herzustellen, braucht man Steuererhöhungen, da werden Autokäufe zurück gestellt, da fehlen den Japanern gut drei Millionen Fahrzeuge, die sie in den nächsten fünf Jahren verkauft hätten."

Der japanische Markt werde zu 95 Prozent von einheimischen Herstellern bedient, hinzu kämen die Verluste im Export. Dudenhöffer zu DW-WORLD.DE: "Weil ihnen dann weniger Kapital zur Verfügung steht, geraten die Japaner im internationalen Wettbewerb immer mehr unter Druck. Nach meiner Einschätzung werden Toyota, Honda und die anderen japanischen Produzenten nachhaltig geschädigt."

Betroffene Menschen im Vordergrund

Bei den rund 280 Mitarbeitern von Toyota-Deutschland sei die Stimmung gedrückt, beschreibt Sensendorf die Situation: "Es ist schon so, dass die Kollegen sehr betroffen sind, weil eben auch viele persönliche Kontakte nach Japan bestehen", so der Kommunikations-Chef. "Wir unterstützen unsere japanischen Kollegen, wir sammeln Geld. Wir wissen, dass die japanischen Kollegen sehr viel Wert darauf legen, wenn eben auch an die Menschen gedacht wird, die in Japan betroffen sind, und dass es nicht in erster Linie um die Produktion geht."

Autor: Klaus Ulrich (dapd, rtr)
Redaktion: Henrik Böhme

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