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Wirtschaft

Toyota-Chef im US-Kongress unter Beschuss

Toyota-Chef Akio Toyoda hat die "volle Verantwortung" für Fehler bei der Qualitätssicherung seines Konzerns übernommen. Mitglieder des US-Kongresses kritisierten ihn gleichwohl scharf.

Toyota-Chef Akio Toyoda im US-Kongress (Foto: AP)

Musste einstecken: Toyota-Chef Akio Toyoda

Der Konzernchef war extra aus Japan angereist, um sich der Kritik des US-Kongresses zu stellen. "Ich bedauere zutiefst jeden Unfall, den Toyota-Fahrer erleben mussten", erklärte der Enkel des Firmengründers zu Beginn der Anhörung vor einem Kongress-Ausschuss. Den Hinterbliebenen tödlich verunglückter Toyota-Fahrer sprach er sein Beileid aus: "Ich sende meine Gebete und werde sicherstellen, dass sich solch eine Tragödie nicht mehr wiederholt."

"Zu sehr auf Wachstum gesetzt"

Bei der Anhörung am Mittwoch (24.02.2010) räumte Toyoda Fehler bei der Qualitätssicherung ein. Das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren möglicherweise zu viel Energie auf seine weltweite Expansion gelegt und dabei die Kontrolle der Qualität vernachlässigt. Traditionell hätten bei Toyota Sicherheit und Qualität immer Priorität vor der Expansion des Konzerns gehabt. "Diese Prioritäten sind durcheinandergeraten", räumte Toyoda ein.

Medienrummel beim Auftritt des Toyota-Chefs im US-Kongress (Foto: AP)

Medienrummel beim Auftritt des Toyota-Chefs im US-Kongress

Ungeachtet dessen griffen die Ausschussmitglieder den Chef des weltgrößten Autobauers an. Es sei eine Sache, sich zu entschuldigen - aber eine andere Sache, Probleme zu verschleppen, kritisierte der Abgeordnete Elijah Cummings. So sei verloren gegangenes Vertrauen nur schwer zurückzugewinnen. Toyota steht in den USA vor allem wegen einer Präsentation in der Kritik, in der sich der Autobauer damit rühmt, vor drei Jahren durch gute Lobby-Arbeit einen Rückruf verhindert zu haben.

Kritik an der Öffentlichkeitsarbeit

"Das ist eines der beschämendsten Dokumente, das ich jemals gesehen habe", sagte der Abgeordnete John Mica. Toyota habe nichts unternommen, obwohl das Problem bekannt gewesen sei. Auch der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, Edolphus Towns, kritisierte die Informationspolitik des japanischen Autokonzerns. "Toyota hat Beschwerden ignoriert oder kleingeredet." Towns ergänzte, das Unternehmen sei eher auf seinen eigenen Profit aus gewesen als auf die Sicherheit seiner Kunden.

"Toyota hat vor den Kunden versagt", kritisierte Towns. Der Autobauer habe die Schuld für die Defekte zuerst auf Fußmatten geschoben - "sogar bei Autos, die gar keine Fußmatten hatten!" Dann seien sie auf klemmende Pedale geschoben worden. "Ich bleibe skeptisch, dass das die einzigen Ursachen sind." Mittlerweile ruft Toyota wegen Problemen mit den Pedalen weltweit 8,5 Millionen Fahrzeuge zurück, die meisten davon in den USA. Dort wird der Konzern mit dem Unfalltod von mehr als 30 Menschen in Verbindung gebracht.

Autor: Frank Wörner (dpa, afp, rtr)
Redaktion: Gerd Winkelmann

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