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Wirtschaft

Toyota überholt General Motors

"Wir wollen so gut werden wie Toyota", lautet ein Bekenntnis des deutschen Chrysler-Chefs Dieter Zetsche. In der Automobil-Branche wird längst kein Geheimnis mehr daraus gemacht, dass Toyota die Messlatte ist.

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Qualitätskontrolle bei Toyota in Köln

Spannend wie ein Formel-1-Rennen verläuft derzeit ein Wettlauf zwischen den beiden größten Automobil-Herstellern der Welt - General Motors (GM) aus den USA und Toyota aus Japan. Es geht um die Spitzenstellung, gemessen an den jährlichen Verkaufszahlen. Seit fast sieben Jahrzehnten liegt GM mit Marken wie Buick, Cadillac, Chevrolet, Hummer sowie Opel und Saab vorn. Im Jahr 2004 verkaufte der Konzern 8,2 Millionen Autos, was gegenüber dem Vorjahr allerdings einen Rückgang von mehr als einer halben Million bedeutete. Toyota verbesserte dagegen sein Vorjahresergebnis von 6,7 Millionen auf 7,5 Millionen. Bereits Ende des Jahrzehnts wollen die Japaner die Nummer 1 sein.

Branchen-Kenner spekulieren schon, ob der GM-Konzern das Jahr 2010 überhaupt erleben wird - oder vorher Pleite geht. Denn GM ist mit rund 300 Milliarden Dollar verschuldet und hat für das erste Quartal 2005 schon einen weiteren Verlust von 850 Millionen angekündigt. GM hatte es vor langer Zeit auf einen amerikanischen Marktanteil von 50 Prozent gebracht. Jetzt liegt er nur noch bei rund 25 Prozent. Der US-Jahresabsatz stagniert seit den frühen 1990er Jahren bei knapp fünf Millionen Autos, während Toyota ihn in der gleichen Zeit von einer Million auf zwei Millionen Autos verdoppelt hat.

Kein Harakiri

Leonardo DiCaprio fährt Toyota Prius hybrid

Schauspieler Leonardo DiCaprio fährt aus Umweltbewusstsein einen Toyota Prius mit Hybrid-Antrieb

Wo liegen die Gründe für Erfolg und Misserfolg? "Toyota ist - und war es auch in der Vergangenheit - schneller und effizienter in der Entwicklung als die Konkurrenz", sagt der Auto-Analyst Stephan Droxner von der Landesbank Hessen-Thüringen. Während der Rest der Branche Kosten selbst dort reduziert, wo es eigentlich nicht mehr geht, Stellen streicht oder Konkurrenten übernimmt, um günstiger produzieren zu können, geht Toyota einen eigenen Weg. "Kündigungen sind Harakiri", sagte Konzernchef Hiroshi Okuda der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Zufriedenheit der Angestellten, so heiße ein Leitsatz, sei der Weg zum zufriedenen Kunden.

Die Motivation der Mitarbeiter sei für Okuda deshalb sehr wichtig. Dies setze sich bis ans Fließband fort, wo jeder Mitarbeiter die Produktion in seiner Fertigungssektion anhalten könne, wenn er einen Fehler entdeckt. Danach suche man nicht nach einem Sündenbock, sondern nach der Behebung des Qualitätsmangels. Und der Werker, der das Band gestoppt hat, muss bei Toyota kaum mit einer Rüge oder den schiefen Blicken der Kollegen rechnen. Im Gegenteil, er habe dank hoher Aufmerksamkeit einen Fehler erkannt, was einer Qualitätsverbesserung diene.

Zufriedene Kunden

Gemessen an der Kundenzufriedenheit führt Toyota seit Jahren die Statistiken in Deutschland an. Auch in internationalen Umfragen liegt die Marke bereits vor GM, aber auch vor deutschen Premium-Marken wie Mercedes und BMW. Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts ACNielsen vom März 2005 baut Toyota die beliebtesten Autos weltweit, dicht gefolgt von Ford und Volkswagen. Das Institut hatte in 28 Staaten rund 14.000 Menschen befragt. Ford und VW könnten demnach bald von Honda und dem südkoreanischen Hyundai-Konzern verdrängt werden. Darauf deuteten die Ergebnisse zu der Frage nach den künftigen Auto-Kaufplänen der Konsumenten hin.

Falls GM nicht kurzfristig einen Weg aus der Krise findet, könnten die beharrlichen Japaner ihr Ziel, mehr Autos zu verkaufen als jedes andere Unternehmen, also schon deutlich früher als 2010 erreichen. Gemessen an Profitabilität und Gewinn liegen sie ohnehin bereits vorne. Deswegen meint Helaba-Analyst Droxner auch schon heute: "Toyota ist die Nummer 1 in der Automobil-Industrie."

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