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Top-Thema – Podcast

Touristen treffen Terroristen

Überall in der nordirischen Hauptstadt Belfast gibt es Orte, an denen heftige Kämpfe zwischen Katholiken und Protestanten stattgefunden haben. Heute bieten ehemalige Häftlinge beider Seiten besondere Stadtführungen an.

Eine Hauswand auf die ein bewaffneter Mann gemalt ist

Wandmalerei in Belfast

"Herzlich willkommen in Belfast. Ich bin Pádraic McCotter und ein ehemaliger republikanischer Häftling." Pádraic hat viele Jahre im Gefängnis verbracht. Früher war er Mitglied der Terror-Organisation IRA. Heute führt er Schüler durch die Stadt. Er arbeitet als Stadtführer für "Coiste" – eine Organisation, die ehemaligen Häftlingen eine neue Beschäftigung und ein Einkommen bietet. Und für die Touristen ist es spannend, ein echtes IRA-Mitglied zu treffen.

Mit dem Bus fahren die Schüler zu berühmten politischen Wandmalereien und zu einer Grundschule, in deren Wand heute noch Einschusslöcher zu sehen sind. Dann geht es weiter zur Bombay Street, wo 1969 Protestanten katholische Häuser anzündeten. Eine hohe Mauer mit Stacheldraht trennt den katholischen und den protestantischen Teil Belfasts. Die Fahrt endet am "Cupar Way", einem Durchgang in der Mauer. Dieser wird gesperrt, wenn es dunkel wird. Das soll Katholiken und Protestanten auf beiden Seiten vor Übergriffen schützen.

An diesem Durchgang bringt Pádraic die Gruppe zu Jake. Früher hätten die beiden sich bekämpft, heute arbeiten sie zusammen. Jake ist Protestant, für seine Zeit als pro-britischer Paramilitär saß er ebenfalls lange Zeit im Gefängnis. "Von mir hört ihr die protestantische Perspektive." Jake beginnt zu erzählen, wie er die Ereignisse rund um die Bombay Street erlebt hat. Eine Schülerin sagt, dass es sich gelohnt hat, beide Seiten kennen zu lernen – und das auch noch durch Personen, die dabei waren. "Man erfährt, was wirklich passiert ist und wie der Konflikt bis heute weitergeht."


Glossar

Terrorist, der – jemand, der seine politischen Ziele durch Gewalt erreichen möchte

heftig – stark; intensiv

ehemalig – früher

Häftling, der – jemand, der für ein Verbrechen eingesperrt wird

republikanisch – ein Befürworter der Republik; hier: jemand, der zur Republik Irland gehören möchte

Gefängnis, das – das Gebäude, in dem Häftlinge eingesperrt sind

IRA, die – engl.: Abkürzung für "Irish Republican Army", eine katholische Terror-Organisation, die will, dass Nordirland nicht zu Großbritannien sondern zur Republik Irland gehört

Einkommen, das – das Geld, das jemand durch Arbeit verdient

Wandmalerei, die – ein Bild, das jemand auf eine Wand gemalt hat

Einschussloch, das – ein Loch, das durch die Munition einer Waffe verursacht wurde

es geht irgendwohin – die Fahrt führt zu einem bestimmten Ziel; hier: die Schüler machen sich auf den Weg zu/nach …

Stacheldraht, der – ein Draht mit Haken und Spitzen, an dem man sich verletzen kann

sperren – zumachen; schließen

Übergriff, der – der Angriff

Paramilitär, der – jemand, der wie ein Soldat bewaffnet ist aber nicht zur Armee gehört

Perspektive, die – hier: eine persönliche Sicht auf etwas


Fragen zum Text

1. Die Republikaner möchten, dass Nordirland …

a) demokratisch wird.

b) zur Republik Irland gehört.

c) protestantisch wird.

2. Die Mauer in Belfast …

a) trennt Nordirland von der Republik Irland.

b) trennt die vielen Häftlinge von der irischen Bevölkerung.

c) trennt katholische und protestantische Viertel der Stadt voneinander.

3. 1969 … katholische Häuser von Protestanten angezündet.

a) wurden

b) waren

c) sind

4. Setzen Sie den folgenden Satz ins Präteritum: "Pádraic sitzt viele Jahre im Gefängnis."

a) Pádraic hat viele Jahre im Gefängnis gesessen.

b) Pádraic saß viele Jahre im Gefängnis.

c) Pádraic wird viele Jahre im Gefängnis sitzen.

5. Welches ist die korrekte Präteritumform von "er gibt"?

a) er ging

b) er begann

c) er gab

Arbeitsauftrag

Entwerfen Sie in kleinen Gruppen ein kurzes Konzept für eine besondere Führung in Ihrer Stadt. Wer könnte diese Führungen anbieten? Was würden Sie den Touristen gerne zeigen und warum?

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