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Reise

Touristen spüren Baztán-Romanen nach

Ein wildromantisches Tal, in dem Schauriges passiert: Seit die spanische Autorin Dolores Redondo mit ihrer Mysterie-Trilogie reüssiert, reisen immer mehr Fans in den Norden Spaniens.

Mit Regenschirm in der einen Hand und einem Stadtplan in der anderen durchstreifen bei feinem Regen gleich mehrere Gruppen von Touristen die Straßen von Elizondo in Nordspanien. Der Ort in der Autonomen Region Navarra erfreut sich wachsender Beliebtheit. Entfesselt haben dieses Interesse in- und ausländischer Besucher drei Romane der spanischen Autorin Dolores Redondo. Ihre schwarze Trilogie um das Baztán-Tal am Fuße der Pyrenäen spinnt sich um Mysterien, Morde und Hexerei.  Die Romane gibt es mittlerweile in mehr als 30 Sprachen, darunter auf Deutsch und Chinesisch.

Bestseller und Backwaren

"Schau mal, da ist die Backstube", schreit eine Jugendliche, als sie in der Ferne einen der Schlüsselorte der Trilogie erspäht. Über der Bäckerei hängt ein großes Schild mit der Aufschrift "Mantecadas Salazar" (Buttergebäck Salazar) - in Redondos Baztán-Romanen ist das der Familienbetrieb der Protagonistin, der Kriminalinspektorin Amaia Salazar.

Tatsächlich ist die Bäckerei die älteste des Tals - und nutzt den derzeitigen Rummel für sich. "Wir wussten überhaupt nicht, dass es solch eine Art literarischen Tourismus gibt", sagt Geschäftsführer Bautista Muro. "Obwohl es in den Romanen um Geheimnisse und Morde geht, sind die Dorfbewohner sehr zufrieden. Denn das Gastgewerbe profitiert, und für uns ist es eine Hilfe." 

Der Erfolg der drei Romane hat dazu geführt, dass die Bäckerei ein neues Produkt verkauft: Txantxigorri. Dieses Gebäck ist typisch für das Baztán-Tal, es wurde traditionell während der Schweineschlachtung gebacken, um die Schmalzreste zu nutzen - in der Trilogie gehört es zu den entscheidenden Zutaten. Nur wenige Besucher verlassen die Bäckerei ohne eine oder mehrere Schachteln dieser Süßigkeit. "Man muss die Nachfrage nutzen", sagt der Verkäufer.

Spanien | Elizondo (picture-alliance/Arco Images GmbH)

Elizondo ist die Heimatstadt der Kriminalinspektorin Amaia Salazar

Am Schauplatz des Geschehens

Die ersten Neugierigen kamen vor vier Jahren nach Elizondo, damals erschien das erste Buch "El guardián invisible" (deutscher Titel: Das Echo dunkler Tage). Das Debüt des auf Spanisch gleichnamigen Films in diesem März vergrößerte die Bekanntheit dieses Fleckchens. Baztán, das wird mit Hexerei und baskischer Mythologie verbunden. Just in dem ersten Band wird ein mythologisches Untier hinter dem Mord an drei Mädchen vermutet.

"Es ist unglaublich, die Leute kommen unaufhörlich", sagt María José Varela, die Besucher in Elizondo zu den Schauplätzen der Trilogie führt. Zwischen herrschaftlichen Bauten an mit Kopfsteinen gepflasterten Straßen siedelt Autorin Redondo die Häuser ihrer Romanfiguren an. Und immer murmelt im Hintergrund der Fluss Baztán, der sich gleichsam als roter Faden durch die Trilogie windet. "Diese Gegend hier ist in Wirklichkeit total ruhig", sagt Varela mit einem Lächeln, nachdem sie Touristen einige Zeilen aus Redondos Büchern vorgelesen hat. Eine der Stationen ihrer Tour ist die Polizeiwache außerhalb von Elizondo. Dort versucht im Roman Kriminalinspektorin Salazar, hinter das Geheimnis der diversen Morde im Tal zu kommen.

Spanien | Schriftstellerin Dolores Redondo auf der Buchmesse in Madrid (picture alliance / NurPhoto)

Autorin Dolores Redondo auf der diesjährigen Buchmesse in Madrid

Weltweit haben Millionen die Baztán-Bücher gelesen. Auch Bewohner von Elizondo sind im Baztán-Fieber: "Ich habe ihre Bücher in zwei Wochen gelesen, ich konnte einfach nicht aufhören", sagt eine Dorfbewohnerin. "Der Schlüssel des Erfolgs liegt in der Mischung von Fiktion mit historischem Hintergrund und der Mythologie, die hier in Baztán so gegenwärtig ist", findet Gästeführerin Varela. 

Grausame Urteile und mystische Rituale

Die Autorin selbst wurde in der baskischen Küstenstadt Donastia-San Sebastián etwa 70 Kilometer von Elizondo entfernt geboren. Mit dem Baztán-Tal verbindet sie die unverzichtbare Erinnerung an historische Ereignisse voller Tragik und Geheimnisse. "Dies ist einer der wichtigsten Orte in Europa mit magischer Tradition", schreibt Redondo auf ihrer Homepage. "Hier fanden die meisten Hexenprozesse der spanischen Inquisition statt, und hier gab es die meisten wegen Hexerei verbrannten Menschen." Knapp 30 Kilometer von Elizondo entfernt liegt Zugarramurdi. Der Ort ist bekannt für ein Urteil der spanischen Inquisition aus dem Jahr 1610. Damals wurde 21 Menschen der Prozess gemacht, elf von ihnen endeten auf dem Scheiterhaufen. In einer nahe gelegenen riesigen Höhle sollen vor 400 Jahren Hexensabbate stattgefunden haben - und den heutigen Besuchern läuft beim Eintreten ein Schauer über den Rücken.

Spanien | Wasserfall in den Pyrenäen (picture-alliance/blickwinkel/M. Woike)

Wasserfall in den Pyrenäen

Das Baztán-Tal erstreckt sich im atlantischen Teil der Pyrenäen zwischen dem Belate- und dem Otsondo-Pass. Mit einer Fläche von 364 Quadratkilometern ist es die größte Gemeinde Navarras, die aus 15 Ortschaften besteht. Elizondo ist der Hauptort der Region. Das Tal war einst Heimat von Rittern und so genannten "Indianern" (Rückkehrern aus Amerika), die große Vermögen aus Übersee mitbrachten und in ihre Heimat investierten. So entstanden zahlreiche Paläste und Dörfer aus rosafarbenem Stein und mit Balkonreihen, Klöster und mittelalterliche Brücken über Sturzbäche, Brunnenanlagen auf Weiden und in Wäldern. Nicht weniger aufregend als die Romane zu lesen ist es in dieser Gegend durch die wilde Natur zu wandern. Zum Beispiel auf der Hexenroute oder auf dem Schmugglerpfad, der die nahe gelegenen Höhlen von Urdax, Zugarramurdi und Sara miteinander verbindet.

is/at/Ana Lázaro Verde (dpa)      

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